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Disney-Bilanz

Corona-Krise lässt Gewinn um 91 Prozent einbrechen, aber Disney+ hat bereits 54,5 Millionen Abonnenten

Es war die mit Abstand meisterwartete Bilanz der Medienindustrie: Wie würde das Branchenschwergewicht Disney durch die Corona-Krise kommen? Warnsignale gab es in den vergangenen Monaten schließlich in Form der Themenpark-Schließungen genug. Und tatsächlich war die Skepsis berechtigt: Disneys Gewinne gaben drastisch nach. Positive Nachrichten konnte der neue CEO Bob Chapnek zumindest bei der Entwicklung des neuen Streaming-Dienstes Disney+ verkünden.

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Das abgelaufene Quartal dürfte als einer der turbulentesten Dreimonatszeiträume in die Geschichte von Unterhaltungsgigant Disney eingehen. Erfolgsgarant Bob Iger trat völlig überraschend Ende Februar als CEO ab – just in dem Augenblick, als die Corona-Krise die westliche Welt infizierte.

Die Folgen hätten für Disney kaum einschneidender sein können – der inzwischen nach Netflix nur noch zweitwertvollste Medienkonzern der Welt leidet nämlich gleich dreifach unter Corona: im TV-Segment wegen rückläufiger Anzeigenbuchungen, im Filmgeschäft wegen verschobener Filmstarts und -drehs und vor allem im Bereich der Themenparks (Disneyland und Disneyworld), die seit März weltweit geschlossen sind.

Der Umsatz wächst um 21 Prozent…

Bei Vorlage der neusten Geschäftsergebnisse für das abgelaufene erste Kalenderquartal, das bereits dem zweiten des neuen Fiskaljahres entspricht, konnte Disney größtenteils nicht den Erwartungen der Wall Street entsprechen.

Die Umsätze legten zwar im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich um 21 Prozent von 14,2 Milliarden Dollar auf genau 18 Milliarden Dollar zu, unterboten aber damit knapp die Analystenschätzungen, die noch bei 18,07 Milliarden Dollar gelegen hatten. Mitverantwortlich für den großen Umsatzsprung war abermals die Integration von 21st Century Fox, das Disney im März vergangenen Jahres für 71 Milliarden Dollar übernommen hatte.

… doch die Gewinne erodieren um 91 Prozent

Nach der Akquisition verdiente Disney zwar weiter so gut wie kein anderer Medienkonzern, doch wegen der Folgen der Corona-Krise sind die Gewinne bereits im ersten Kalenderquartal erdrutschartig eingebrochen. Nach einem Konzernergebnis von 5,43 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum (das nicht zuletzt durch Steuerbegünstigungen im Zuge der Hulu-Übernahme zustande kam) konnte CEO Bob Chapek im zweiten Geschäftsquartal 2020 nunmehr nur noch einen Nettogewinn von 475 Millionen Dollar ausweisen.

Das entspricht einem Gewinneinbruch von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der um Abschreibungen im Zuge der 21st Century Fox-Eingliederung und Hulu-Übernahme bereinigte Gewinn je Aktie gab von 1,61 auf 0,60 Dollar je Anteilsschein nach und verfehlte damit deutlich die Konsensschätzungen der Wall Street, die noch bei 0,91 Dollar gelegen hatten.

Themenpark-Schließungen verhageln Bilanz

Die durch die Corona-Krise entstanden Verluste bezifferte der neue CEO Bob Chapek im ersten Quartal, in dem die Folgen der Pandemie vor allem in Asien und erst in den letzten Märzwochen in der westlichen Welt durchgeschlagen waren, auf  bereits 1,4 Milliarden Dollar.

Den Löwenanteil der Einbußen musste der knapp 97 Jahre alte Medienpionier erwartungsgemäß im Bereich der Themenparks hinnehmen, mit denen Disney im Vorjahresquartal Umsätze von 6,1 Milliarden Dollars und dabei einen Nettogewinn von 1,5 Milliarden Dollar erzielt hatte.

Weil die einträglichen Disneyland-Themenparks seit März im Rest der Welt geschlossen sind und auch das noch relativ junge Geschäft mit Erlebniskreuzfahrten brutal von den Folgen der weltweiten Pandemie betroffen ist, gaben die Erlöse operativ um 10 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar, während die Gewinne der Sparte um 58 Prozent auf 639 Millionen Dollar einbrachen. Wann die Disney-Parks in den USA wieder eröffnen sollen, ist weiter unklar.

TV-Sparte trotzt Corona-Krise – trotz ESPN-Einbruch

Das Fernsehgeschäft mit ABC, National Geographic, ESPN und Spartenkanal FX hat sich in Zeiten von COVID-19 dagegen erstaunlich robust entwickelt. Zumindest im abgelaufenen Quartal blieb der befürchtete Anzeigenrückgang noch aus – die TV-Sparte legte um 28 Prozent auf Umsätze von 7,25 Milliarden Dollar zu und verdiente mit 2,37 Milliarden Dollar 7 Prozent mehr als im Vorjahr. ESPN litt dabei allerdings unter den ausbleibenden Sportübertragungen und musste einen Abonnentenrückgang von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen.

Auch das klassische Filmgeschäft, das Disney im Segment Studio Entertainment zusammenfasst, kommt spürbar unter Druck. Verschobene Filmstarts belasten den Branchenprimus ebenso wie der Besucherrückgang in Kinos durch die Beschränkungen im öffentlichen Leben.

Von einigen Kinos erhalte Disney sogar keine Lizenzgebühren, berichtete CEO Chapek in der anschließenden Analystenkonferenz. Durch den guten Jahresstart verbuchte die Filmsparte noch ein Umsatzplus von 18 Prozent auf nunmehr 2,5 Milliarden Dollar, doch die operativen Gewinne gaben wegen der Corona-Krise um 8 Prozent auf 466 Millionen Dollar nach.

Disney+ mit 54,5 Millionen Abonnenten nach knapp halbem Jahr

Weiter auf der Überholspur befindet sich dagegen der jüngste Unternehmensbereich. Der neue Streaming-Dienst Disney+, den der Medienpionier am 12. November vergangenen Jahres gelauncht hatte, brachte es gegen Ende des ersten Quartals auf 33,5 Mitglieder – ein Plus von sieben Millionen Neuabonnenten in drei Monaten.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen ab Ende März in den USA bescherte dem Dow Jones-Konzern indes einen weiteren Schub an neuen Mitgliedern. Am 8. April, also nur zehn Tage nach Beendigung des zweiten Geschäftsquartals am 28. März, verbuchte Disney+ bereits  50 Millionen zahlende Abonnenten.

Disney-Aktie verliert nach Bilanz

In anderen Worten: Der Corona-Lockdown bescherte Disney einen Abonnenten-Boom von 16,5 Millionen neuen Zuschauern in gerade einmal zehn Tagen. Zum 4. Mai bringt es Disney+ nunmehr auf 54,5 Millionen Abonnenten – der enorme Zuwachs war also temporär.

Trotz der erfreulichen Entwicklung beim neuen Streaming-Dienst reagierten Anleger nach Handelschluss ernüchtert auf das neue Zahlenwerk und ließen die Disney-Aktie nachbörslich um rund 2 Prozent auf 98 Dollar fallen.

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