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Facebook-Bilanz

Zweistelliges Werbewachstum vor der Corona-Krise, dann spürbarer Einbruch

Mark Zuckerberg, Vorstandsvorsitzender von Facebook
Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Corona-Krise, welche Krise? Nach Google kann auch Social Media-Gigant Facebook bei Vorlage seiner neusten Geschäftsbilanz die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zunächst einmal zerstreuen. Weil sich das Werbewachstum des Social Networks und seiner Töchter in den ersten zwei Monaten des Jahres stark entwickelt, fiel die Corona-Krise bislang kaum ins Gewicht. Allerdings: Seit März bröckeln die Anzeigenbuchungen spürbar…

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Für einen Monat sah es so aus, als sollte der Himmel einstürzen: Die Welt stand im März in Schockstarre, die Weltbörsen fielen ins Bodenlose. Allein: In der Konzernbilanz ist bislang kaum etwas von den Folgen der Corona-Pandemie zu sehen.

Einen Tag nach Google konnte auch der drittwertvollste Internetkonzern bei Vorlage seiner Geschäftsbilanz für das abgelaufene erste Quartal übertreffen und damit die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zunächst einmal zerstreuen.

Facebooks Erlöse, die im Vorjahresquartal noch bei 15,1 Milliarden Dollar gelegen hatten, zogen um immerhin noch 17 Prozent auf nunmehr 17,7 Milliarden Dollar an und konnten damit die Analystenschätzungen, die noch bei Umsätzen in Höhe von 17,41 Milliarden Dollar gelegen hatten, leicht überbieten.

Auch Facebook spürt Corona-Folgen mit Anzeigenrückgängen im März

Allerdings verlief die Entwicklung des Werbegeschäfts wie tags zuvor zweigeteilt. Facebooks Finanzchef David Wehner räumte in der Analystenkonferenz ein, dass sich Anzeigenbuchungen als Folge der Corona-Entwicklung im März deutlich eingetrübt haben.

Während der Mutterkonzern des weltgrößten Social Networks in den ersten neun Wochen des Jahres noch ein Umsatzwachstum von 25 Prozent – und damit auf dem Niveau des Vorquartals – verbucht hatte, gaben die Erlöse in den letzten drei Märzwochen um fünf Prozent nach. Im April hätten sich die Umsätze bislang auf Vorjahresniveau stabilisiert, berichtete Wehner, der gleichzeitig erklärte, Facebooks Kerngeschäft Werbung sei „nicht immun gegen diese Krise“.

Konzerngewinn von knapp fünf Milliarden Dollar

Bei der Gewinnentwicklung lag Facebook allerdings knapp unter den Konsensschätzungen, die bei einem Konzernergebnis von 1,75 Dollar je Anteilsschein gelegen hatten. Tatsächlich verdiente der Social Media-Pionier im ersten Quartal 2020 1,71 Dollar je Aktie bzw. 4,9 Milliarden Dollar.

Der Mutterkonzern des weltgrößten sozialen Netzwerks konnte seinen Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum damit mehr als verdoppeln; allerdings war das Konzernergebnis seinerzeit auch durch eine Strafzahlung an die Handelsbehörde FTC um 3 Milliarden Dollar gemindert worden.

Ungebrochenes Nutzerwachstum: 2,6 Milliarden Facebooker

Über den Erwartungen verlief unterdessen die Nutzerentwicklung. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg per Ende März gegenüber dem Vorquartal um weitere 4 Prozent auf nunmehr 2,60 Milliarden Mitglieder und lag damit deutlich über den Konsensschätzungen, die noch bei 2,55 Milliarden Nutzern gelegen hatten. In anderen Worten: Jeder dritte Mensch auf der Erde besitzt inzwischen ein Facebook-Konto.

Oder anders betrachtet: Der Corona-Lockdown in großen Teilen der westlichen Welt hat die Facebook-Nutzung intensiviert. 1,73 Milliarden Facebooker loggen sich inzwischen täglich in das Social Network ein – ein Plus von 11 Prozent im Jahresvergleich bzw. ein Zuwachs von 70 Millionen gegenüber dem Dezember-Quartal.

Konzernchef Zuckerberg erklärte zudem, dass inzwischen 2,99 Milliarden Menschen Apps der Facebook-Familie (inklusive Messenger, WhatsApp und Instagram) mindestens einmal im Monat nutzen – täglich sind es inzwischen 2,36 Milliarden, ein Anstieg von 11 bzw. 12 Prozent auf Jahressicht.

Facebook-Aktie legt massiv zu

Anleger reagierten euphorisch auf das neue Zahlenwerk, das die Sorgen um einen Werbeabschwung zerstreute. Die Facebook-Aktie legte nachbörslich um mehr als zehn Prozent auf 215 Dollar zu und hat damit praktisch alle Verluste im Rahmen des Corona-Crashs wieder aufgeholt.

Insgesamt sieht es so aus, als hätte die Wall Street die Corona-Krise inzwischen komplett abgehakt: Nachdem zuletzt bereits Amazon und Netflix auf neuen Allzeithochs notierten, schossen in Reaktion auch die neuen Konzernbilanzen auf die Kurse von Microsoft, Tesla und Qualcomm steil nach oben.

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