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Winterbauers Woche

Warum taucht Rezos Corona-Schul-Video eigentlich nicht in den YouTube-Trends auf?

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Rezo ist zurück mit einem politischen Video, das mal wieder ordentlich polarisiert. DuMont baut in Köln um, ein Twitter-Account bespricht Homeoffice-Kulissen und die Titanic präsentiert „Drozzy Drostbourne“. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Er hat es schon wieder getan. Rezos neues politisches Video trägt den Titel „Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen …“ Ja, LOL, ey. Im Vorschaubild dazu sieht man Rezo mit seinem blauen Haar-Töllchen und dem Schriftzug: „Richtig dumm“. Kann man machen, wenn man geil auf Klicks ist. Inhaltlich geht es um die Frage, ob die teilweise Öffnung von Schulen und das Durchführen von Abiturprüfungen eine gute Idee ist. Rezo meint: nein. Er hat dafür durchaus gute Argumente (u.a. mangelnde Hygiene-Bedingungen an Schulen, Abiturprüfungen machen nur einen Teil der Bewertung aus), aber die Art und Weise, wie der CDU-Zerstörer hier vorgeht, erinnert schon frappierend an Klick-Medien von der Schmuddel-Ecke: die reißerische Überschrift, die undifferenzierte Dampfhammer-Argumentation.

Der Satz „Wie Politiker momentan …“ kommt im Video selbst übrigens gar nicht vor, allgemeines Politiker-Bashing ist aber halt gut für die Reichweite. Stimmt! Das Video sammelte innerhalb von nur einem Tag knapp 1,4 Mio. Aufrufe ein. In den Kommentaren wundern sich nun einige, warum dieses erfolgreiche Video von Rezo nicht in den Trends bei Youtube auftaucht. Ist da eine Verschwörung der bösen US-Plattformen am Werk? Wollen knalldumme Mainstreammedien und sackblöde Politiker Rezo mundtot machen? Ich weiß es nicht, aber in den Richtlinien zu den Youtube-Trends ist u.a. zu lesen, das Videos „nicht irreführend oder reißerisch sein und kein Clickbaiting verwenden“ sollen, um in den Trends gelistet zu werden. Könnte ja eventuell was damit zu tun haben…

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Das Kölner Medienhaus DuMont will bekanntlich doch an seinen beiden Kölner Marken Stadt-Anzeiger und Express festhalten. Wohl auch, weil man niemanden gefunden hat, der genügend Geld auf den Tisch legen konnte oder wollte. Nun soll alles digitaler und integrierter werden bei Express und Stadt-Anzeiger. Gute Idee. Hätte man auch früher darauf kommen können. Das vielleicht Bemerkenswerteste an der Pressemitteilung zur Umstrukturierung bei DuMont diese Woche war, dass das Wort „Corona“ fehlte.

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Ja, ich weiß, dass ich an dieser Stelle schon des öfteren auf gewisse Titanic-Cover hingewiesen habe. Aber das aktuelle Titelbild der Frankfurter Truppe ist einfach so lustig, dass ich es hier auch nochmal zeigen möchte:

Und was sagt Prof. Drosten dazu? Nun: „Ich sehe mich selber als Comicfigur gezeichnet und mir wird schlecht dabei. Ich bin wirklich wütend darüber, wie hier Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren. Das muss wirklich aufhören.“

Das Zitat bezieht sich wohlgemerkt nicht auf das Titanic-Cover, sondern auf vermeintlich seriöse Berichterstattung und stammt aus Drostens „Coronavirus-Update“-Podcast Numero 24. Aktuell nominiert für den Nannen-Preis, also der Podcast als Ganzes.

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Ich kann beim besten Willen keine Homeoffice-Tipps mehr lesen. Interessanter ist da schon der Ansatz des Twitter-Accounts Room Rater (via Bildblog), die Bild-Hintergründe von zugeschalteten Leuten nach ästhetischen und sonstigen Kriterien zu bewerten. Twitter ist nicht nur die gute, alte Hassmaschine, sondern bringt hin und wieder auch solche, wirklich lustigen Ideen hervor.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast Die Medien-Woche spricht mein Welt-Kollege Christian Meier mit dem Medien-Ökonomen Prof. Frank Lobigs über die Corona-Resistenz der Medien. Außerdem diskutieren wir über Rezos neues Video, die Lage bei RTL und ProSiebenSat.1 sowie die Umstrukturierungen bei DuMont. Würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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