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Dauer-Tiktoker Younes Zarou: „Marken machen ihren Fehler zum zweiten Mal“

Younes Zarou gehört zu den Top-Tiktokern aus Deutschland

Younes Zarou ist mit 4,9 Millionen Followern einer der erfolgreichsten Content Creator auf Tiktok. Derzeit ist der 22-Jährige 30 Tage lang auf Dauersendung – und das 24 Stunden live. Warum er das tut, seine Community ihn dafür liebt und Marken jetzt auf Tiktok stattfinden müssen, erklärt er im Interview mit MEEDIA.

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Die „Truman Show“ lässt Grüßen: Vom 6. April bis 6. Mai zeigt sich Tiktoker Younes Zarou so nah wie es nur geht. Denn der 22-Jährige will mit der #stayathome-Challenge seine junge Zielgruppe dazu aufrufen, während der Corona-Pandemie dem Gebot des Social Distancing zu folgen. Und sein Einfluss ist enorm: Mit 4,9 Millionen Followern zählt Younes zu den erfolgreichsten deutschen Tiktokern. Im Interview mit MEEDIA erklärt er, wie es ist, auf Dauersendung zu sein und warum Tiktok das nächste große Ding bereits jetzt schon ist.

Hey Younes! Wie viele Leute schauen eigentlich gerade zu?

Derzeit sind es 207.000 Menschen.

Wie lange bist du schon auf Tiktok unterwegs?

Mittlerweile sind es acht Monate. Mein erstes Video habe ich am 22. August 2019 hochgeladen. Gar nicht mal so lange her (lacht). 

Was war das erste Video, was du hochgeladen hast?

Das war noch ein anderer Content als der, den ich heute mache. Damals habe ich eher kurze, lustige Videos hochgeladen. Da habe ich mich noch mehr an meinen Vorbildern aus Amerika orientiert, die waren vor allem auf Vine unterwegs. Das kam aber nicht so gut an wie mein jetziger kreativer Content, der mir auch viel mehr Spaß macht. 

Wie kam es überhaupt, dass du Content Creator geworden bist?

Wie gesagt, war ich ein mega Fan von Vine. Und wie andere Kinder früh wissen, dass sie Sänger werden wollen, wollte ich Content Creator werden, also meinen Hobby zum Beruf machen. Ich habe einfach Spaß an kreativen Videos, egal wie aufwendig die auch sind. Manchmal brauche ich für ein Video mehrere Stunden, aber das bin einfach ich.

Woher kommen deine Ideen?

Es gibt mehrere Varianten Die erste ist – stumpf gesagt – den Content von anderen zu kopieren. Das mache ich aber selten und auch nur, wenn mir die Idee besonders gut gefallen hat. Die zweite Variante, sich Inspirationen zu holen und andere Ideen zu variieren. Die dritte Art ist, komplett eigene Ideen zu erfinden. Die Videos, die bei mir viral gegangen sind mit 100 oder 200 Millionen Views, kommen aus meiner eigenen Feder. Die Idee muss aber stets gut sein. 

Younes Zarou: „Als Idol muss man Verantwortung übernehmen“

Eine gute Idee ist auch deine 30-Tages-Challenge. Was steckt dahinter?

Es war so, dass ich mit meinem Kollegen Adil Sbai (gemeinsam gründeten sie die Social-Media-Agentur Onlinepunks, Anm. d. Red.) gebrainstormt habe, was wir mal wieder Cooles machen könnten. Dann kam die verrückte Idee, einfach mal 30 Tage live zu gehen. Anfangs haben wir noch darüber gelacht. Dann kam Corona und damit die Zeit, in der man eh Zuhause bleibt. Das war der perfekte Moment. Auch weil ich eine junge Zielgruppe habe und ich der Meinung bin, dass Reichweite verpflichtet. Ich habe eine Message und eine perfekte Community, die auch angesprochen werden soll. Sie sehen mich als Idol und als ein solches muss man Verantwortung übernehmen.  

Du zeigst jede Facette deines Lebens. Was macht das mit dir?

Das macht mir nichts aus. Ich komme aus einer Großfamilie und stand schon immer unter Beobachtung (lacht). Mich freut es, meine Community als Teil meines Lebens zu haben – sei es in traurigen oder fröhlichen Momenten. Deswegen nenne ich sie auch Family. Manche bleiben bis drei Uhr nachts wach und rufen mich an, um mir zu sagen, dass meine Internetverbindung nicht stabil läuft. 

Wie funktioniert der Austausch mit deiner Community?

Auf Tiktok lädt man entweder Videos hoch oder man startet einen Livestream. Ich bin oft live gegangen, um mir Inspirationen und Feedback von meiner Community zu holen. Da funktioniert das sehr gut.

Jetzt gibt es sicher Momente, in denen du dich zurückziehen möchtest. Was würdest du niemals von dir zeigen?

Eigentlich nur Duschen oder aufs Klo gehen. Ich bin ein sehr offener Mensch (lacht). 

Wie geht es nach dem 6. Mai weiter?

Ich mache so weiter wie gehabt. Ich versuche, oft live zu gehen und mit meiner Family Spiele zu spielen und so viel wie möglich zurückzugeben. 

Was hast du über dich und deine Community gelernt?

Ich denke, dass unsere Bindung noch enger geworden ist. Gerade, weil es auch manchmal traurige oder stressige Momente gab. Meine Community ist 24/7 für mich da gewesen und weiß, was und wie ich es tue. Es fühlt sich so an, als würden wir in einer großen WG miteinander leben. Es gibt mir auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich etwas mache, das die Community feiert. Es steckt eine positive Message dahinter. Ich kann es immer noch nicht fassen, wie viele Leute das feiern. 

Auf Instagram hast du in den letzten Tagen viele neue hinzugewonnen, dennoch bist du diesbezüglich auf Tiktok im Millionenbereich. Wie kommt es zu dieser Schieflage?

Tiktok liegt mir viel mehr, weil ich da mein kreatives Potenzial besser ausschöpfen kann. Instagram ist eher eine Statusplattform. Auf Tiktok ist Authentizität noch wichtiger, finde ich. High Society wie auf Instagram ist da nicht. 

Youtube und Instagram haben den Begriff “Influencer” geprägt. Als was würdest du dich bezeichnen?

Ich sehe mich weder als Influencer noch als Content-Creator. Ich liebe meine Videos und meine Community. Wenn ich mir einen Namen aussuchen würde, würde ich das irgendwie mit dem positiven Einfluss auf meine Community verbinden. Mir ist es wichtig, eine Botschaft zu haben und meinen Followern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. 

Younes Zarou: „Die Marken, die jetzt nicht auf den Zug springen, machen ihren Fehler zum zweiten Mal“

Was funktioniert auf Instagram besser als auf Tiktok – und umgekehrt?

Auf Instagram entscheidet der Status, auf Tiktok der Content. Du kannst auf Tiktok null Follower haben, aber ein kreatives Video hochladen, das Millionen von Views bekommt. Kreativität wird dort belohnt, auf Instagram auch, aber erst, wenn du eine gewisse Followerzahl erreichst.

Instagram hat in der Vergangenheit schon öfter Features von Konkurrenz-Apps geklaut. Was sagst du dazu?

Ich denke, dass Instagram nicht an das Level von Tiktok herankommen wird. Sein Algorithmus ist einfach genial. Denn der Content ist entscheidend, nicht der Status. Ich habe auch gehört, dass Instagram bald wieder was kopieren möchte. Ich bin gespannt, aber ich glaube nicht, dass Instagram Tiktok unterwandern wird. 

Dein großes Ziel ist es, mit Tiktok Erlöse zu generieren und diese zu spenden. Wie verdient man auf Tiktok Geld?

Erstmal durch Kooperation, ähnlich wie auf Instagram. Aber man kann auch spenden, das geschieht mit Coins. Eintausend Coins haben einen Gegenwert von 17 Euro. Das sind sogenannte Gifts. Im Livestream kann man dann sehen, dass Max Mustermann einen Coin gespendet hat. So ähnlich funktioniert das übrigens auch auf Twitch. 

Wie viel hat du mit der Challenge bereits eingesammelt?

Zwischen 1.700 und 2.000 Dollar. Am 5. Mai werde ich die Community entscheiden lassen, an welche soziale Einrichtung das Geld gespendet werden soll.

Warum sollten Marken mit Tiktokern arbeiten?

Weil mit Tiktok die Generation Z am besten erreicht wird. Youtube, Instagram und Facebook waren anfangs auch Plattformen, mit denen vor allem junge Leute erreicht wurden. Viele Marken haben das Potenzial nicht gesehen und sich geweigert, dort stattzufinden. Mit der Zeit wurde aber auch die Zielgruppe älter und die Kanäle haben sich weiter in die Mitte der Gesellschaft bewegt. Heute erreichst du mit Facebook kaum noch junge Leute, sondern vor allem mit Tiktok, das seine Reichweite verschenkt. Die Marken, die jetzt nicht auf den Zug aufspringen, machen ihren Fehler zum zweiten Mal. 

Wie siehst du den Trend, dass immer mehr Influencer und Stars von Instagram auf Tiktok abwandern?

Das spricht natürlich für Tiktok. Aber ich glaube, dass viele Influencer Tiktok nicht wirklich verstehen. Das ist ein völlig anderes Game als Instagram. Auch wenn man Werbung machen will, kannst du nicht sagen, “dieses Kleidungsstück ist so toll, swipe up, wenn du 25 Prozent Rabatt haben willst.” Das läuft nicht auf Tiktok. Da funktionieren lustige, kurze, spannende Videos.

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