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Corona-Krise: VDZ-Präsident Rolf Thiemann schließt Pleiten von Magazinverlagen nicht aus

VDZ-Präsident Rudolf Thiemann

Die Corona-Krise trifft den deutschen Zeitschriftenmarkt mit voller Wucht. Der Einbruch des Anzeigengeschäfts, magere Umsatzzuwächse im Vertrieb, ein fehlendes Veranstaltungsgeschäft und steigende Zustellkosten zwingen immer mehr Verlage, Kurzarbeit anzumelden. Mittelfristig könnte die Pandemie dazu führen, Pleiten und Übernahmen bei Printhäusern – besonders Fachverlagen – zu beschleunigen.

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Schwere Zeiten für die deutsche Magazinbranche: Rund die Hälfte der Verlage erwägen, Kurzarbeit in einzelnen Unternehmensbereichen anzumelden, weitere 33 Prozent wollen sogar im gesamten Unternehmen, staatliche Hilfen der Bundesagentur der Arbeit beanspruchen. „Die Lage in der Zeitschriftenbranche ist ernst“, sagt Rudolf Thiemann, Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Grund hierfür ist, dass durch die Corona-Krise das wichtige Vermarktungsgeschäft eingebrochen ist. So rechnen VDZ-Mitgliedsunternehmen damit, dass das Anzeigengeschäft aufs Jahr gesehen im Schnitt zwischen 20 bis in der Spitze um rund 80 Prozent zurückgeht.

Dabei kann das Vertriebsgeschäft das Minus auf der Anzeigenseite wohl nicht auffangen. Zwar sei das Interesse der Menschen an journalistischen Inhalten massiv gestiegen, heißt es. Doch der VDZ erwartet, dass sich dies in der Kasse der Medienunternehmen kaum bemerkbar macht. So rechnet der Verband hier bis zum Ende des Jahres lediglich mit einem mageren Umsatzplus von rund vier Prozent. Damit dürfte den Verlagen massive Ertragseinbrüche drohen. VDZ-Präsident Thiemann schließt daher nicht aus, dass es in der Branche auch zu Insolvenzen kommt. Dies könnte vor kleine und mittelständische Unternehmen – besonders Fachverlage – treffen, bei denen das Konferenzgeschäft vollständig zum Erliegen gekommen ist. „Hier könnte es zwangsweise zu Pleiten oder Übernahmen kommen“, so Thiemann und ergänzt: „Das ist auch eine Form von Bereinigung des Marktes, die sich beschleunigen kann.“

Publisher Summit und die Publisher Night abgesagt

Große Probleme haben die Printhäuser ebenfalls bei den Vertriebskosten. Hier kämpfen die Unternehmen mit steigenden Postzustellkosten. „Weitere Preissteigerungen, die einen Teuerungsausgleich übersteigen, sind für uns Verlage nicht mehr verkraftbar. Wir fordern die Politik auf, dieses Problem jetzt nachhaltig zu lösen und eine Post-Pressezustellung zu bezahlbaren Preisen zu ermöglichen“, betont VDZ-Vizepräsident Philipp Welte.

Von der Krise bleibt auch der VDZ nicht verschont. Zwar sei der Verband „finanziell stabil“, betont VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. Dennoch musste der Verband, den Digital Innovation Summit in den Herbst verschieben und eine Tour mit Führungskräften nach China absagen. Das macht sich auch in der Kasse des Verbands bemerkbar. „Wir haben im wirtschaftlichen Bereich zu knapsen“, so Scherzer. Unterdessen hat sich die Delegiertenversammlung und Präsidium entschieden, den Publisher Summit und die Publisher Night im November abzusagen. Verantwortlich hierfür sind aber keine wirtschaftlichen Gründe. „Publishers‘ Summit und die daran anschließende Publishers‘ Night mit der Verleihung der Goldenen Victoria werden aufgrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Auswirkungen abgesagt. Für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung mit der Vielzahl an Teilnehmern aus den Verlagen und zahlreichen prominenten und internationalen Gästen sowie politischer Entscheidungsträger erscheint eine Durchführung in diesem Jahr nicht plan- und verantwortbar“, erklärt eine VDZ-Sprecherin.

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