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„Schmerzhafte Einbußen“: Grosso-Verbandschef befürchtet langfristig Schäden für die Branche

Kai-Christian Albrecht Foto: Gesamtverband Pressegrosso

Der Presseeinzelhandel könnte durch die Corona-Krise dauerhaft wirtschaftlichen Schaden nehmen, falls die Konsumenten ihr Einkaufsverhalten ändern und sich mehr nach Hause schicken lassen. Verstärkt werden könnte diese Entwicklung durch die Verlage, die den Direktvertrieb digitaler Ausgaben vorantreiben. Der Gesamtverband Pressegroßhandel fordert vom Bund ein Konjunkturprogramm.

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Wenn Kai-Christian Albrecht, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverband Pressegroßhandel, die Zukunft seiner Mitgliedsunternehmen beurteilt, sieht er Licht und Schatten. „Die Branche kann nach heutigem Ermessen diesen einmaligen Stresstest wirtschaftlich überstehen, weil die Unternehmen effizient aufgestellt sind“, erklärt er gegenüber MEEDIA. Dennoch befürchtet er, dass der Wirtschaftszweig durch die Corona-Krise dauerhaft Schaden erleiden könnte. „Wir machen uns allerdings ernsthafte Sorgen um die mittelfristigen Folgen für die bis heute bunte und überall erhältliche Presse, wenn Konsumenten ihr Kaufverhalten nachhaltig umstellen sollten“, betont er.

Digitaler Direktvertrieb gefährdet Grosso

Hintergrund ist, dass die Bundesbürger durch Reisebeschränkungen und Home Office ihr Einkaufsgewohnheiten ändern könnten. „Überall gehen die Menschen seltener raus zum Einkaufen und lassen mehr denn je nach Hause liefern“, so Albrecht. Darauf reagieren die Verlage. Sie forcieren „aktuell den Direktvertrieb digitaler Ausgaben“. Dies könnte sich negativ auf das Grosso auswirken. Albrecht fordert deshalb, dass der Bund den Konsum mit einem Sofortprogramm schnell wieder ankurbelt. „Je eher das öffentliche Leben wieder anläuft, desto schneller erholt sich auch die Wirtschaft insgesamt und der Pressevertrieb. Unser Land braucht dringend ein umfassendes Konjunkturprogramm, um die Konsumbereitschaft der Menschen wiederzubeleben. Wir sind verhalten optimistisch, dass 2021 wieder ein Geschäftsjahr ohne negative Sondereffekte wird“, so der Hauptgeschäftsführer.

Bislang steht der Pressevertrieb gut da. Er sei systemrelevant und daher von Betriebsschließungen überwiegend ausgenommen. So dürfen die meisten der bundesweit knapp 100.000 presseführenden Einzelhändler öffnen und die Auslieferung und Versorgung sei in der Gesamtschau stabil. Allerdings sei die Situation in den Regionen sehr unterschiedlich. Albrecht: „An deutschen Küsten, auf den Inseln und im Süden fiel das Oster-Geschäft aus, weil die Touristen nicht anreisen durften.“ Daher wird die Branche von den Entwicklungen wirtschaftlich nicht verschont bleiben: „Der Pressegroßhandel wird deshalb in 2020 schmerzhafte Einbußen hinnehmen müssen“, so der Verbandschef.

Konsolidierung der Branche wird beschleunigt

Albrecht glaubt zudem, dass der Shutdown die Konsolidierung in der Branche beschleunigen wird. „Handelsexperten gehen davon aus, dass sich der Strukturwandel im stationären Handel deutlich zu Gunsten der Großformen des Lebensmitteleinzelhandels verschärft. Vermutlich nicht alle kleineren Händler, die jetzt schließen mussten, vom Tabakwarenfachgeschäft bis zum fragmentierten Buchhandel, kommen nach der Krise wieder auf die Beine“, befürchtet er. Dennoch hätten auch kleinere Händler eine Zukunft, wenn sie ihre Stärken ausspielen und neue Wege gehen. Albrecht: „Der Pressegroßhandel wird diese Entwicklungen mit seiner Marktkenntnis und Vertriebskompetenz partnerschaftlich begleiten.“

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