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Corona-Plan: Wie Condé Nast-Chefin Peppel-Schulz die Krise meistern will

Jessica Peppel-Schulz Foto: Condé Nast / Gert Krautbauer

Von der Corona-Krise bleibt auch der amerikanische Magazinverlag Condé Nast nicht verschont. CEO Roger J. Lynch tritt auf die Kostenbremse. Auch die Deutschland-Chefin Jessica Peppel-Schulz hat mehrere Maßnahmen im Blick. Sie will teils weniger Hefte herausgeben, Magazinumfänge verringern, Urlaubszeiten in der Belegschaft abbauen und prüft gegebenenfalls Kurzarbeit.

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„Der wirtschaftliche Druck auf unser Unternehmen wächst genauso wie auf alle anderen. Die derzeitige Situation wird einen gravierenden und tiefgreifenden Impact auf unsere Branche haben, das wirkliche Ausmaß ist aber jetzt noch gar nicht abzusehen und auch abhängig davon, wie lange diese Situation anhält“, so beschreibt Jessica Peppel-Schulz, Deutschland-Chefin von Condé Nast, die Lage von Condé Nast Deutschland. Bislang spürt der Münchener Verlag von der Krise nicht allzu viel. Im April seien die Umsätze des Münchener Unternehmens „noch recht stabil“. Die Umsätze im 1. Quartal lagen „weit über Plan“.

Maßnahmenbündel gegen die Krise

Dennoch hat die Managerin ein Maßnahmenbündel geschnürt, um auf die Krise zu reagieren. So spricht sie mit Anzeigenkunden und Geschäftspartnern und versucht, „Budgets in spätere Quartale zu verlegen“. Schnell sinken sollen zudem die Produktionskosten der Magazine. „Wir sind dabei, Content- und Produktionskosten zu reduzieren, werden die Ausgaben 7 und 8 der GQ, Glamour und Vogue in einer Doppelausgabe zusammenzuführen“, so die Geschäftsfrau und fügt hinzu: „AD Architectural Digest gibt es schon immer in einer Doppelausgabe (7 und 8). Außerdem arbeiten wir auch teilweise an der Reduzierung des Heftumfangs.“

Konkret sollen auch die Mitarbeiter einen Beitrag leisten, um die Krise zu stemmen. „Wir haben das Team auch gebeten, einen signifikanten Teil ihres Jahresurlaubs zu nehmen, um dann nach einer sukzessiven Rückkehr zur Normalität wieder mit voller Kraft durchstarten zu können“, so Peppel-Schulz. Geprüft werden aber auch staatliche Hilfen der Bundesagentur für Arbeit: „Darüber hinaus sind Kurzarbeit und Gehaltsverzicht weitere mögliche Maßnahmen, wir versuchen jedoch erst alle anderen Möglichkeiten und Maßnahmen zu überprüfen und auszuschöpfen, handeln proaktiv“, so die Managerin.

Noch keine Kurzarbeit angemeldet

Kurzarbeit habe Condé Nast aktuell noch nicht angemeldet, man sei „aber dabei einen vorübergehenden Gehaltsverzicht in höheren Einkommensbereichen – natürlich in Übereinstimmung mit unseren lokalen Arbeitsgesetzen – zu überprüfen“, betont sie. Auch die Deutschland-Chefin ist bereit, weniger zu verdienen. Peppel-Schulz: „Bei einigen spezifischen Maßnahmen geht es vor allem um die Solidarität aller, denn wir können diese Situation nur gemeinsam meistern. Ich werde selbst auf einen Teil meines Gehaltes verzichten.“

Damit reagiert die deutsche Tochter des US-Zeitschriftenhauses Condé Nast auf die Einbußen, die die Corona-Krise vor allem im Vermarktungsgeschäft hervorruft. Zuvor hatte bereits Condé Nast-CEO Roger J. Lynch die Belegschaft konzernweit auf härtere Zeiten eingestimmt. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere Werbekunden, Verbraucher und daher unser Unternehmen für einige Zeit unter erheblichem finanziellen Druck stehen werden“, erklärte der Manager am Montag in einer Mail an die Mitarbeiter. „Infolgedessen müssen wir über die anfänglichen Kosteneinsparungsmaßnahmen hinausgehen, die wir ergriffen haben, um unser Geschäft langfristig zu schützen.“

Dass die Corona-Krise den Condé Nast-Konzern mit voller Wucht trifft, ist verständlich. Der Verlag gibt Hochglanzmagazine wie Vanity Fair, Vogue oder GQ heraus, in denen vor allem Hersteller von Luxusartikeln werben. Deren Absatz von Kosmetik, Parfüms und Mode ist aber durch die Covid-19-Pandemie eingebrochen. Daher haben viele Luxusartikel-Produzenten ihre Anzeigenbudgets kurzfristig deutlich zurückgefahren.

US-Management verzichtet auf Gehalt

Lynch muss schnell gegensteuern. Dabei hat er konkrete Maßnahmen im Visier. Die Personalkosten sollen sinken – besonders beim Top-Management. So sollen Mitarbeiter, die jährlich mehr als 100.000 US-Dollar verdienen, auf rund 10 bis 20 Prozent ihres Gehalts verzichten. Geplant ist die Maßnahme ab Mai für rund fünf Monate, berichtet die New York Times. Betroffen hiervon ist das Senior Management Team. Dazu zählt auch Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour. Die künstlerische Leiterin ist bereit, ihr Gehalt zeitweise um rund 20 Prozent zu senken. Auch Lynch selbst beteiligt sich an der Sparrunde. Er verzichtet auf rund 50 Prozent seines Salärs.

Erhebliche Einschnitte müssen aber auch die rund 6.000 Mitarbeiter befürchten. Lynch plant, die wöchentliche Arbeitszeit auf drei oder vier Tage zu verringern. Dies gilt für Arbeitnehmer in Großbritannien und einige andere europäischen Länder. Den Gehaltsverlust der Belegschaft will der Geschäftsmann aber nicht über direkte Subventionen ausgleichen. Er prüft vielmehr, staatliche Konjunkturprogramme der jeweiligen Länder zu beanspruchen.

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