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US-Start des neuen Streamingdienstes Quibi: Zu kurz für abends, zu teuer für zwischendurch?

Der Streamingdienst Quibi ist ausschließlich für Smartphones gedacht

Einen Streamingdienst mitten in der Corona-Krise starten: Kann das gutgehen? Quibi, konzipiert für die Generation Smartphone, wagt diesen milliardenschweren Versuch und bietet dem Publikum zum Launch 50 Formate.

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Natürlich, sie seien im beste Sinne Risikoträger. Das hieße aber nicht, dass ihr Unterfangen riskant sei. So bezog Meg Whitman im Herbst vorigen Jahres Stellung gegenüber CNN Business, als es um das heute, am 6. April startende Quibi ging. Gemeinsam mit dem ebenso bekannten und gut vernetzten Jeffrey Katzenberg, dem Gründer und ehemaligen Chef von Dreamworks Animation, hat Whitman, selbst Ex-Chefin von Ebay und Hewlett-Packard, einen Streamingdienst für die Generation Smartphone konzipiert: Quibi, kurz für „Quick bites“.

Zunächst soll die neue Plattform dem US-Publikum – wie der Name schon sagt – Bewegtbild-Häppchen bieten, sprich: Videos, deren Episoden einerseits maximal zehn Minuten dauern, deren Qualität sich aber mit den großen Playern der Branche messen lassen kann. Das Gründerduo möchte mit seinem Streamingdienst in folgende Marktlücke vorstoßen: Die großen Anbieter bieten zwar hochwertige Produktionen, diese sind aber meist zu lang, um sie unterwegs am Smartphone zu konsumieren. Bei Youtube, Instagram (IGTV) und TikTok dagegen gibt es kostenlose Inhalte, die aber neben professionellen Inhalten häufig unter Zeitdruck und mit einfachen Mitteln gedreht werden, was Auswirkungen auf die Qualität hat.

Quibi setzt auf die „in-between moments“

Gegenüber dem Portal Deadline betonte Katzenberg in einem Interview wenige Tage vor dem Start, dass die Zielgruppe zwischen 18 und 44 liege, allen voran aber das Millennial-Publikum zwischen 25 und 35 anvisiert werde. Daher seien auch Snapchat und TikTok, die eine jüngere Zielgruppe hätten, keine Konkurrenz. Insgesamt wachse der Bewegtbild-Markt enorm, Quibi setze da auf und nehme daher auch Youtube oder Instagram nichts weg.

Im Gegensatz zu Netflix, HBO oder Disney möchte der Bezahldienst die Nutzer in den sogenannten „in-between moments“ abholen, also an der Bushaltestelle, im Wartezimmer beim Arzt oder in der Supermarktschlange. In Zeiten von Corona sind diese Momente freilich rar geworden. Allerdings steigt die Nutzung von Streamingdiensten in der sozialen Isolation fleißig.

Für monatlich 4,99 Dollar mit oder 7,99 Dollar ohne Werbung ist Quibi zwar nicht kostenfrei verfügbar, aber dennoch vergleichsweise günstig. Wegen der Ausbreitung von Corona bieten die Verantwortlichen zunächst eine 90-tägige Testphase an. Weitere Überzeugungsarbeit soll der Inhalt leisten: Zum Start sind 50 Shows angekündigt, darunter Fiktion, Dokumentation, Comedy und auch News. Im Laufe des ersten Jahres haben Katzenberg und Whitman 175 neue Originals-Inhalte und 8.500 abrufbare Folgen versprochen. Große Namen wie Steven Spielberg, Guillermo del Toro, Kevin Hart und Anna Kendrick sind an Bord. Whitman sagte, dass man innerhalb von drei bis vier Monaten verstanden haben werde, was die Nutzer lieben. Und falls nötig sei das Team in der Lage, die Content-Strategie recht flink anzupassen.

Katzenberg betont: „In success, we will roll out globally“

Neben Katzenberg und Whitman sind namhafte Investoren von der Idee und dem künftigen Erfolg überzeugt: Über 1,75 Milliarden Dollar konnten die erfahrenen Unternehmer bis kurz vor Start laut verschiedenen Medienberichten sammeln, darunter Geld von Warner Media und dem E-Commerce-Giganten Alibaba.

Wie gefährlich ein weiterer und vor allem kostenpflichtiger Streamingdienst Youtube, TikTok & Co. werden kann, bleibt abzuwarten. Ja, die Generation Smartphone hat eine innige Verbindung zum mobilen Device; sie dort zu erreichen, liegt erstmal auf der Hand. Und auch die Inhalte klingen vielversprechend. Doch bei aller Hoffnung der Gründer und Investoren wird sich erst einmal beweisen müssen, ob die Zielgruppe wirklich bereit ist, für einen weiteren Anbieter zu zahlen. Premium-Inhalte zu haben, die einen Must-See-Sogeffekt erzeugen, werden auf dem Weg zum Erfolg allerdings unabdingbar sein. Ein alter Weggefährte von CEO Katzenberg merkte gegenüber NBC News Today an, es handele sich um „eine riesige und mutige Spekulation“.

Dass Quibi global ausgerollt wird, gilt als sicher. Wann das sein wird, halten sich die Macher aber offen. Katzenberg betonte gegenüber Deadline: „In success, we will roll out globally.“ Es sei eine weltweite Plattform mit globalen Rechten, die von Tag 1 an so konzipiert gewesen sei.

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