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„Albas tägliche Sportstunde“: Ein Blick hinter die Kulissen des Erfolgsformats

"Albas tägliche Sportstunde" läuft sehr erfolgreich auf Youtube

Jeden Werktag sendet der Basketballverein ALBA Berlin zwei neue Folgen seines Erfolgsformats. Foto: ALBA Berlin

Innerhalb weniger Tage ist ALBA Berlin zu einer kleinen TV-Produktionsfirma geworden – und das mitten in der Corona-Krise. Justus Strauven, Direktor Kommunikation und Medien, gibt Einblicke in das Erfolgsformat „Albas tägliche Sportstunde“, das bald schon in andere Länder exportiert werden könnte.

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Jeden Werktag strahlt der Basketballverein ALBA Berlin auf Youtube zwei neue Folgen von „Albas tägliche Sportstunde“ aus: mit Übungen zum Nachmachen für Kita, Grund- und Oberschule. Das Format läuft.  Und zwar so gut, dass es ohne das eigentlich geplante Social-Media-Budget viral ging. Zeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Justus Strauven ist Direktor Kommunikation und Marketing bei ALBA Berlin
Justus Strauven ist Direktor Kommunikation und Marketing bei ALBA Berlin. Foto: Alba Berlin

Herr Strauven, mit Ihrem Online-Programm haben Sie sich vorgenommen, „täglich Bewegung, Fitness und Wissenswertes für Kinder und Jugendliche – zum Ansehen und Mitmachen“ zu bieten. Wer hatte die Idee zu diesem Format?

Die Krise ist da, es gibt jetzt jeden Grund zur Sorge. Wir wollten ein positives Zeichen dagegen setzen, in diesen schwierigen Zeiten Mut machen und Freude bringen. Zuerst um die Kinder unseres Programms in Bewegung zu halten, aber natürlich auch um unser Angebot für noch mehr Menschen zu öffnen. Mit der Sportstunde setzen wir auf etwas auf, was wir schon seit rund 15 Jahren tun. Wir haben damals entschieden, uns neben dem Spitzensport auch massiv dafür zu engagieren, mehr Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen. Bei ALBA arbeiten mittlerweile über 120 Jugendtrainer, die in unserem Verein und vor allem an unseren 220 Partnerschulen und –kitas in Berlin und Brandenburg jede Woche 10.000 Kinder trainieren. Da wir unser Programm analog nun nicht mehr durchführen konnten, haben wir entschieden, es ins Digitale zu überführen.

Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?

Mitentscheidend war sicherlich: Wir konnten sehr schnell auf die Corona-Krise reagieren. An dem Tag, an denen die Schulen und Kitas geschlossen wurden, haben wir schon „ALBAs tägliche Sportstunde“ gestartet. Das ging nur, weil wir eine große Expertise im Kita- und Schulsport aufgebaut, weil wir uns trotz Krise mit viel Enthusiasmus ins Abenteuer gestürzt und weil wir tolle Trainer haben, die das auch ohne Erfahrung vor der Kamera überragend machen. Wir wussten, dass wir da etwas Wichtiges und Qualitatives an den Start bringen. Umso schöner ist der Erfolg: Jetzt wird unsere Rolle als Sozialakteur sichtbarer, das lässt sich im Alltag leider nicht so gut vermitteln.

Jede Woche stellen Sie zehn neue Videos online. Das ist eine ganze Menge. Wie kann man sich die Produktion einer neuen Folge vorstellen? Gibt es eine Vorbesprechung, ein Drehbuch, etc.? Wie viele Menschen sind daran beteiligt?

Wir sind innerhalb von wenigen Tagen neben Profi- und Breitensportverein auch noch zu einer kleinen TV-Produktionsfirma geworden – und das mitten in der Krise. Ein Kernteam hat die ersten Sendungen an den Start gebracht. Da war zunächst mal viel Hektik, Fragen, aber auch eine ganz tolle Energie. Wir haben uns bewusst überfordert, es musste ja alles ganz schnell gehen. Jetzt haben wir für die Produktion sukzessive Leute dazu genommen und die Strukturen entwickelt. Wir produzieren drei Formate für Kita-, Grundschul- und Oberschulkinder. Da die Anforderungen sehr unterschiedlich sind, haben wir drei Redaktionen mit Jugendtrainern aus den jeweiligen Bereichen. Die Moderatoren sind ebenfalls unsere Jugendtrainer. Die Produktionsleitung macht die Kommunikationsabteilung. Und wir haben von Beginn an tolle TV-Fachleute am Set, die bei der medialen Inszenierung helfen. In die Redaktion und Produktion ist derzeit ein großer Teil unserer Mitarbeiter eingebunden. Es gibt für jedes Format eine strategische Planung, wohin die aufeinander aufbauenden Inhalte entwickelt werden sollen. Und dann gibt es für jede Sendung ein kleines Drehbuch sowie Redaktions-, Produktions- und Regiebesprechungen – in Corona-Zeiten natürlich weitestgehend räumlich getrennt voneinander.

Jeden Werktag laufen zwei neue Folgen auf Youtube
Jeden Werktag laufen zwei neue Folgen auf Youtube. Foto: ALBA Berlin

Wie hat sich die Reichweite seit dem Start entwickelt? Handelt es sich hierbei um rein organisches Wachstum oder haben Sie anfangs auch Mediabudget in die Hand genommen?

Wir hatten eingeplant, dass wir neben der intensiven Medienarbeit rund um den Start und dem direkten Kontakt zu Bildungsinstitutionen die ersten Sendungen auch mit einem kleinen Social-Media-Budget unterstützen. Aber die Sportstunde ist sofort explodiert, das war gar nicht nötig. Wir haben da einen Nerv getroffen, das hat sich viral und medial wie ein Lauffeuer verbreitet. Nachdem gleich zu Beginn wichtige Leitmedien berichtet hatten, wurde das schnell medial sehr groß und ging weit über den Sport hinaus. Die erste Sendung hatte im Nu über eine Million Views, die zweite lief sogar noch besser. Die Sportstunde wurde auf Social Media 100.000-fach geteilt, Schulen und Kitas deutschlandweit haben es Eltern und Kindern empfohlen.

Wie hoch ist der Rücklauf über die sozialen Netzwerke (#albastäglichesportstunde) und via Mail? Anders formuliert: Wie kommt die Youtube-Reihe beim Publikum an?

Das Feedback ist wirklich großartig. Wir rufen die Kinder – insbesondere bei den Kita-Sendungen – immer zum Mitmachen auf. Zum Beispiel mit einem Malspiel, einem Rätsel oder einem Cliffhanger, der in der nächsten Folge aufgelöst wird. Wir bekommen derzeit täglich 600-700 Mails und auch viele Briefe mit Kinderzeichnungen von Fröschen, Drachen oder Giraffen. Das ist rührend, da geht einem echt das Herz auf. Wir haben mittlerweile zwölf Jugendtrainer abgestellt, um all die Mails, Briefe und Kommentare auf Youtube und den sozialen Netzwerken zu beantworten. Sie kommen trotzdem nicht ganz hinterher.

Ihr Vizepräsident Henning Harnisch hat erklärt, dass Ihr normales Engagement bis auf Weiteres nicht möglich sein wird. Können Sie sich auch vorstellen, das Online-Programm langfristig, sprich: über die Dauer der Corona-Krise, fortzusetzen?

Zunächst mal gilt es, die Finanzierung zu sichern. Wir bieten die Sportstunde ja kostenlos und werbefrei für alle an. Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat uns schnell Unterstützung zugesagt, dafür sind wir sehr dankbar. Weitere Gespräche laufen, auch schon hinsichtlich der Entwicklung weiterer Formate und des Exports in andere Länder. Zudem haben wir ein Unterstützerpaket und Sportstunde-Merchandise aufgelegt, mit dem Einzelne unser Programm supporten können. Keiner weiß, wie sich die Krise noch entwickelt. Hoffentlich können schon bald die Schulen und Kitas wieder öffnen. Auch wenn wir dann die Sende-Zeiten und -Frequenz überdenken müssen: Unsere digitale Sportstunde wird bleiben, das geht nicht mehr weg.

Was bedeutet „Albas tägliche Sportstunde“ für die Marke Alba Berlin in diesen turbulenten Zeiten?

Die digitale Sportstunde ist, wie bereits erklärt, kein Marketing-Gag. Wir übersetzen jetzt ins Digitale, was wir im Analogen schon lange tun. Wir wollten ein positives Zeichen in schwierigen Zeiten setzen – für unsere Mitarbeiter, für die Kinder aus unserem Programm und für die Gesellschaft. Das ist uns gelungen. Darüber hinaus erreichen und begeistern wir gerade ganz viele Menschen, die bisher mit ALBA BERLIN wenig Berührungspunkte hatten. Das wird über die Krise hinaus dauerhaft eine sehr positive Wirkung auf unsere Marke haben.

Die Fragen an Justus Strauven wurden via E-Mail gestellt.

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