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Kündigungen „kurzfristig nicht auf dem Plan“: Wie Spiegel-Chef Thomas Hass die Corona-Krise meistern will

Spiegel-Verlagschef Thomas Hass – Foto: Spiegel-Gruppe

Die Corona-Krise trifft den Spiegel-Verlag mit voller Wucht. Die Vermarktung des gedruckten Spiegel und des digitalen Ablegers ist massiv betroffen. Verlagschef Thomas Hass will darum erlösrelevante Projekte vorantreiben und einen millionenschweren Sparkurs fahren. Betriebsbedingte Kündigungen schließt er kurzfristig aus.

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Erst hatten gestern Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann und Führungskräfte per Video den Mitarbeitern einen drohenden Sparkurs für die Verlagsgruppe verkündet (MEEDIA berichtete), heute folgte nun Geschäftsführer Thomas Hass. „Wir werden uns zunächst darauf konzentrieren, überall dort Geld einzusparen, wo es ohne zusätzliche Kosten schnellen Erfolg bringt, und möglichst viele Gelegenheiten nutzen, unser Kostenniveau zu begrenzen oder abzusenken“, schreibt Hass in einer Mail an die Mitarbeiter, die MEEDIA vorliegt.

Maßnahmenpaket gegen die Krise

Dabei hat sich der Medienmanager viel vorgenommen, um Kosten von rund zehn Millionen Euro einzusparen. Geprüft werde, Kurzarbeit einzuführen, Neueinstellungen sollen überprüft, Marketing- und Beraterbudgets verringert, Umzüge und Umbauten gestoppt, Rückstellungen für Urlaub gesenkt werden. Zugleich will Hass erlösrelevante Projekte vorantreiben, darunter NextGen Blau, der Ausbau von Spiegel+, sowie der gesamte Bereich Concept Solutions bei Spiegel Media.

Mit dem Maßnahmenpaket will er sich gegen die Auswirkungen der Corona-Krise stemmen, die die Vermarktung frontal getroffen hat. „Die Ergebnisbelastungen in diesem Jahr werden deutlich sein. Soviel zeichnet sich schon jetzt ab. Die aktuellen Buchungsstände in der Vermarktung zeigen bereits nach kurzer Zeit deutliche negative Tendenzen. Das gilt für Print und Digital. Von diesen Entwicklungen sind alle Medienunternehmen gleichermaßen (oder schlimmer als wir) betroffen“, so Hass. Wie groß das Loch in diesem Jahr im Anzeigengeschäft wird, hängt davon ab, wie sich die Pandemie weiter entwickelt.

Verweis auf den Sachverständigenrat

„Wir bewegen uns in Marktumfeldern, die in weiten Teilen sehr stark betroffen sind von Krise und Verunsicherung. Und auch unsere weitere wirtschaftliche Entwicklung wird davon abhängig sein, welchen Verlauf die Wirtschaftskrise haben wird“, so der Verlagschef und verweist auf den Sachverständigenrat der Bundesregierung. Der gehe „in seinem jüngsten Gutachten auf Basis der aktuellen Informationslage und dem sich abzeichnenden Verlauf in China im wahrscheinlichsten Szenario von einer wirtschaftlichen Erholung ‚ab dem Sommer‘ aus.“

Hass sieht den Spiegel-Verlag in der Krise gut gewappnet. „Die Spiegel-Gruppe verfügt über eine gute wirtschaftliche Basis, um der Krise zu begegnen. Wir werden dafür sorgen, dass wir auch mit einer möglicherweise anhaltend wirtschaftlich schwierigen Situation umgehen können. Hier gibt es ein großes Einvernehmen zwischen Geschäftsführung, den Gesellschaftern, den Chefredaktionen und den Betriebsräten“, sagt eine Sprecherin gegenüber MEEDIA.

Hausintern wird allerdings befürchtet, dass der Belegschaft ein neuer Stellenabbau droht. Dabei erinnern sich noch viele Mitarbeiter gut an das Strukturprojekt 2018. Damals hatte sich der Verlag von rund 150 Mitarbeitern einvernehmlich getrennt, um Kosten von rund 16 Millionen Euro zu senken. Aktuell schließt der Geschäftsführer betriebsbedingte Kündigungen aus. „Wesentliche organisatorische Veränderungen oder betriebsbedingte Kündigungen stehen deshalb kurzfristig nicht auf dem Plan“, so Hass.

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