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Krisen-PR in Zeiten von Corona: Wie die Kommunikationsbranche mit der Ungewissheit umgeht

Krisen-PR erlebt in Corona-Zeiten Aufschwung.

Die Corona-Krise trifft nicht alle Branchen gleichermaßen. Foto: imago/ Sabine Gudath

Die Coronakrise trifft große Teile der Kommunikationsbranche hart. Aber nicht alle Agenturen fürchten Umsatzeinbrüche oder gar um die Existenz. Wer Krisenkommunikation im PR-Werkzeugkasten hat, ist gefragt wie eh und je. Mindestens.

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Die Corona-Krise steht in keinem Businessplan. Angst vor dem Virus liegt in der Luft – und in der Kommunikationsbranche, besonders in der Agenturwelt, auch davor, was danach kommt. Aber es gibt sie auch, jene, die von der Krise profitieren oder zumindest keinen Schaden nehmen. Denn in Krisenzeiten sind Krisenmaßnahmen gefragt – und damit auch Krisen-PR. Wogen glätten, Ängsten mit Argumenten begegnen, jenen Rat und Tat verkaufen, die gerade nicht weiter wissen. Das ist das Geschäftsmodell. Und deshalb könnte die Krisen-PR als einer der wenigen Gewinner aus der Pandemie hervorgehen.

Mehr Krisen-PR für Kliniken und Messen

Wieviele Agenturen, zu deren Portfolio die Krisen-PR gehört, es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Die Grenzen sind ohnehin fließend. Viele Unternehmen, die sich heute für eine PR-Agentur entscheiden, erwarten nicht selten die komplette Bandbreite: von der Produktkommunikation bis zur Krisen-PR. Einen Eindruck, wie es um die PR im allgemeinen und die Krisen-PR im Speziellen aktuell steht, bekommt man aber von Christiane Schulz.

Sie ist Vorstandsvorsitzende der GPRA (Gesellschaft Public Relations Agenturen) und hat unter den 38 Mitgliedern des Verbandes eine Befragung zu den Auswirkungen der Epidemie durchgeführt. Zwar, so Schulz, komme es bei 70 Prozent der Agenturen zu Budgetkürzungen, meist allerdings nur in geringem Ausmaß. Mehr noch: Unter den Antworten fanden sich auch durchweg positive Rückmeldungen. Schulz gegenüber MEEDIA: „Über 60 Prozent der Krisenberatungen vermeldeten neue Umsatzmöglichkeiten. Über 65 Prozent davon in der internen Kommunikation. Das war auch der Bereich, in dem am häufigsten neue Einnahmequellen vermeldet wurden.“

Standard-Botschaften ziehen aktuell nicht

Eine Agentur, die sich weitgehend auf Krisen-PR spezialisiert hat, ist Engel und Zimmermann. Die Unternehmensberatung für Kommunikation ist nicht groß, zählt aber große Namen zu ihren Kunden, vor allem aus dem Mittelstand. Sorgen habe man in Gauting bei München nicht, sagt Partner und Vorstand Sybille Geitel auf MEEDIA-Anfrage. Im Gegenteil: „Krisenkommunikation speziell für Kunden aus dem Bereich Kliniken und Messen hat Hochkonjunktur.“

Auch Kai vom Hoff, Inhaber der Agentur vom Hoff und ebenfalls auf Krisenkommunikation spezialisiert, ist entspannt. Während andere Agenturen um ihre Existenz fürchten, meldet er eine stabile Auftragslage. Generell sieht vom Hoff aber „einen höheren Bedarf in der internen Kommunikation sowie der Krisenkommunikation“, was seinem Unternehmen zugute komme. Unternehmen, so vom Hoff weiter, benötigten darüber hinaus Anpassungen im Storytelling: „In einer Ausnahmesituation können Sie nicht mit Standard-Botschaften arbeiten“.

Marc Däumler, Inhaber der Agentur Excognito, antwortete ebenfalls auf MEEDIA-Nachfrage. Excognito kümmert sich vor allem um Kunden aus der Medizinbranche. Er teilt mit, dass es momentan weder Kündigungen noch Neukunden gäbe: „Die Kunden, die wir haben, kommen auf uns direkt zu mit der Frage, was man nun den eigenen Kunden mitteilt, damit eben die nicht kündigen“. Auch das ist Teil des PR-Einmaleins: Wenn in Krisenzeiten Agentur und Kunde zusammenrücken, stärkt das die Kundenbeziehung. Oder wie es Kai vom Hoff formuliert: „Wer frühzeitig stabile Kundenbeziehungen aufgebaut und gepflegt hat, den wird die Krise weniger treffen.“

Warten auf die zweite Welle

Sybille Geitel von Engel und Zimmermann und ihr Team atmen nun erstmal durch. Ihre Kunden hätten intern wie extern kommuniziert, zudem weitere Sprachregelungen in der Schublade. „Schubladen-Statements“ nennt man das in der Krisen-PR. Es sind die Feuerlöscher unter den Stellungnahmen. Sie warten lange auf ihren Einsatz, der vielleicht nie kommt. Aber, wenn es doch brennt, ist es gut, dass man sie hat. Der erste große Schwung an Beratung sei also durch, sagt Geitel. Sie sagt aber auch: „Wir erwarten spätestens im zweiten Halbjahr die zweite Nachfrage-Welle, nämlich nach Krisenprävention.“

lk / am / bek

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