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Corona bei Chefredakteurswahl: Süddeutsche Zeitung arbeitet jetzt komplett im Home-Office

Süddeutsche Zeitung Verlagshaus

Vorerst sind alle Lichter aus. Aktuell arbeitet die gesamte Süddeutsche Zeitung im Homeoffice Foto: Imago

Die Wahl der neuen Chefredakteurin Judith Wittwer hatte einen unerwünschten Nebeneffekt. Bei der Vorort-Abstimmung war eine leitende Redakteurin an Corona erkrankt, wie sich jetzt herausstellte. Als Vorsichtsmaßnahme arbeitet die Süddeutsche jetzt komplett von Zuhause.

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Homeoffice-Arbeit ist in Zeiten von Corona eigentlich keine Überraschung mehr. Aber Tageszeitungen können auch in der Krise nicht ganz auf den Dienst in der Redaktion verzichten. Dass jetzt mit der Süddeutsche Zeitung (SZ) eine der größten der Tageszeitungen in Deutschland komplett von Zuhause arbeitet, ist daher ein Novum. Bisher war auch bei den Münchnern eine Kernredaktion aus leitenden Redakteuren am Werk, die vor Ort die wichtigsten Abläufe steuerte. Wie die Berliner Zeitung nun berichtet, hat ein vielleicht nicht ganz umsichtiger Umstand bei der Wahl der neuen Chefredakteurin Judith Wittwer (MEEDIA berichtete) vor zwei Wochen dazu geführt, dass sich ab sofort die gesamte SZ-Redaktion im Homeoffice befindet.

Urnenwahl bei Süddeutsche Zeitung als Virenschleuder

Was ist geschehen? Laut SZ-Statut benötigen relevante Neubesetzungen wie leitende Redakteure und Mitglieder der Chefredaktion die Zustimmungen eines besonderen Gremiums. In München nennt sich dieser Kreis „Impressionisten“, nach den ca. 35 leitenden Redakteuren, die im Impressum aufgeführt sind. Genau dieses Gremium musste auch dem Vorschlag zustimmen, dass Judith Wittwer zukünftig die Chefredakteurs-Rolle von Kurt Kister übernehmen soll. Wie die Berliner Zeitung berichtet, waren bei der Wahl vor zwei Wochen schon nicht mehr alle Impressionisten persönlich vor Ort. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt am Anfang der Corona-Pandemie. Für den Kreis der anwesenden zwanzig Impressionisten wurde aber tatsächlich eine Wahlurne von Hand zu Hand weitergereicht. Wie sich nun herausstellte, war eine leitende Redakteurin mit dem Coronavirus infiziert. Weitere Erkrankungen aus dem Gremienkreis sind aktuell nicht bekannt, aber bei der SZ sah man sich nach der Information gezwungen, auch die letzte Kernredaktion nach Hause zu schicken. Wie ein Sprecher gegenüber der Berliner Zeitung bestätigte, befindet sich nun die ganze SZ-Redaktion im Homeoffice.

ts

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