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Medienkonzern Funke meldet Kurzarbeit an: „Dramatischer Einbruch in der Vermarktung“

Foto: Funke

Immer mehr Medienunternehmen beantragen Kurzarbeit, um im Zuge der Corona-Krise einen Stellenabbau zu vermeiden. Nach der Süddeutschen Medienholding (SWMH) hat jetzt auch die Funke Mediengruppe Hilfen bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt. Grund sind nach Angaben der Funke-Geschäftsführung massive Anzeigeneinbrüche bei den Regionalmedien. Betroffen von der Kurzarbeit sind unter anderem einzelne Vermarktungsbereiche sowie Teile der Druckereien. Redaktionen sind bislang ausgenommen.

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Ein Anzeigeneinbruch bei den Regionalmedien der Essener Funke Mediengruppe zwingt die Geschäftsführung, für viele Teile des Konzerns Kurzarbeit anzumelden. „Die wunderbaren Erfolge im Vertrieb der Regionalmedien können den dramatischen Einbruch in der Vermarktung bei weitem nicht kompensieren, leider. Deshalb wäre es unverantwortlich, wenn wir nicht Kurzarbeit beantragen würden. Und zwar in allen Bereichen, in denen es möglich ist“, schreiben die Geschäftsführer Andreas Schoo, Ove Saffe und Michael Wüller in einem Brief an die Mitarbeiter, der MEEDIA vorliegt.

Trotz gesteigerter Nachfrage Einbruch im Anzeigengeschäft bei Funke

Zwar erlebe das Medienhaus im Digitalgeschäft einen „sehr deutlichen Anstieg der Nachfrage nach unseren Regionalmedien“. Dennoch sei, wie bei anderen Medienhäusern auch, das Anzeigengeschäft eingebrochen, da durch die Corona-Krise viele Anzeigenkunden ihren Geschäftsbetrieb einstellen mussten. „Wir müssen zurzeit mit einer Verringerung um 80 bis 90 Prozent bei den Tageszeitungen rechnen. Bei den Zeitschriften sieht es (hoffentlich ’noch‘) nicht ganz so schlimm aus“, betont das Funke-Management. Und fügt hinzu: „Diese Entwicklung ist leider nicht überraschend: Viele unserer Anzeigenkundinnen und -kunden mussten ihren Geschäftsbetrieb einstellen, verkaufen nichts mehr oder deutlich weniger und sehen keinen Grund für Werbung.“

Unter anderem WAZ und Braunschweiger Zeitung von Kurzarbeit betroffen

Betroffen von der Kurzarbeit bei der Funke sind diverse Bereiche bei dem Medienhaus, in dem unter anderem die WAZ und die Braunschweiger Zeitung erscheinen. „Aktuell wird insbesondere in den Vermarktungseinheiten, in den Druckereien, in den Geschäftsstellen, im Bereich von Markus Wendler (Production) und in verschiedenen Betriebsteilen der übergreifenden Konzernbereiche Kurzarbeit eingeführt.“ Ausgenommen seien derzeit die Regionalmedien. „Die Redaktionen der Regionalmedien sind zurzeit nicht betroffen, auch im Hinblick auf eine sehr große Zahl von noch offenen Ausgleichstagen. Hier muss allerdings dringend ein Abbau erfolgen und zwar dort, wo eine Vollbeschäftigung im Hinblick auf entfallende Themen (Sport, Veranstaltungen etc.) nicht mehr besteht“, betont die Geschäftsführung. Ob dies so bleibt, ist allerdings offen. „Uns bleibt gar nichts anderes übrig als die weitere Entwicklung abzuwarten und kontinuierlich zu überprüfen, wo und wann die Beantragung von Kurzarbeit notwendig ist. Wie gesagt, alles andere wäre unverantwortlich.“

Kurzarbeit bei Funke als Rettungsmaßnahme

Mit der Einführung von Kurzarbeit will Funke einen Stellenabbau vermeiden. „Kurzarbeit ist natürlich nicht schön. Aber es ist ein gutes, übrigens von fast allen Verlagshäusern genutztes Instrument, um die aktuelle Krise zu überbrücken. Alle denkbaren Alternativen wären schlimmer“, betont das Management. Ein Sprecher von Funke bestätigt auf Anfrage von MEEDIA die Maßnahme. Konkret betroffen von Kurzarbeit seien „übergreifende Konzernbereiche, Eventbereich, Reisebereiche, Geschäftsstellen, einzelne Vermarktungsbereiche, Teile der Druckereien.“

Auch SWMH geht auf Kurzarbeit

Funke ist nicht das einzige Medienhaus, dass Hilfen der Bundesagentur für Arbeit beansprucht. Auch die „Südwestdeutsche Medienholding“ schickt ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. So seien die Anzeigenerlöse im März um rund 30 Prozent gesunken und auch der Print-Einzelverkauf sei „deutlich zurückgegangen“, berichtete gestern die Wochenzeitung Kontext. Der Verlag wolle das Kurzarbeitergeld maximal auf 80 Prozent aufstocken.

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