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„Massives Startup-Sterben steht bevor“: Bundesverband Deutsche Startups schlägt Alarm

Für Startups, die meist über keine oder nur geringe Rücklagen verfügen, ist die Corona-Krise eine Katastrophe. Das bestätigte eine jüngst vom Verband Deutscher Startups und Curth+Roth durchgeführte Befragung unter rund 1.000 Startups in Deutschland. Das Ergebnis: Neun von zehn Startups, genauer 91,1 Prozent, sind negativ von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen.

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62 Prozent spüren sogar eine „sehr starke Beeinträchtigung“. Demnach wirkt sich die Krise schon jetzt in der gesamten Breite des deutschen Startup-Ökosystems aus, besonders Startups in den Bereichen HR und Tourismus sehen eine starke Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit.

Die Studie zeigt zudem, dass Startups in allen Phasen betroffen sind: Während kleinere Startups durch den Wegfall von Messen und Veranstaltungen vom ausbleibenden Kundenkontakt bedroht sind, fürchten große Startups mit vielen Mitarbeitern vor allem um Umsätze, ihre Liquidität und das Zustandekommen künftiger Finanzierungsrunden.

Das „Startup-Ökosystem“ in Gefahr

Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V.: „Die Ergebnisse sind alarmierend: Das Startup-Ökosystem steht angesichts der Corona-Krise vor einem massiven Startup-Sterben.“ Schon jetzt sehen sich 80 Prozent der Startups in ihrer Existenz gefährdet. Im Bereich Tourismus sehen sich sogar 95 Prozent bedroht. „Wenn wir nicht schnell und substantiell handeln,“, so Miele, „dann werden die ersten Startups schon in wenigen Wochen in die Knie gehen.“

Die Corona-Krise forderte bereits ihr erstes Opfer unter den Startups. Capital zufolge hat der Berliner Babyartikel-Versand Tausendkind Insolvenz angemeldet. Dabei lief das Geschäft so gut wie nie zuvor – auch weil die Konkurrenz Filialen im Zuge der staatlichen Maßnahmen schließen musste, gab es bei Tausendkind einen starken Umsatzanstieg. 2020 sollte das Geschäft sogar erstmals profitabel werden. Dann kam Corona. Die Folge: Investoren sind verunsichert und drehen den Geldhahn zu.

Ein Schicksal, das laut der Umfrage weiteren Betrieben blühen könnte. Besonders kleine Startups und jene, bei denen bald eine Finanzierungsrunde ansteht, sind in Not. Aber die Umfrage zeigt außerdem: Auch größere Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sehen sich im kommenden halben Jahr akut bedroht.

Staatshilfen greifen für Startups zu kurz

Staatliche Hilfen wollen mit 67,3 Prozent knapp zwei Drittel der befragten Startups beantragen. Das Problem: Die Befragten sehen sich ein wenig im Stich gelassen, da die Staatshilfen primär auf größere Unternehmen zugeschnitten seien. „Staatliche Liquiditätshilfen zu entwickeln, die auch für Startups – egal in welcher Stage und welcher Größe – greifen, muss jetzt oberste Priorität haben,“ fordert Miele. „Dafür haben wir einen ‚4-Stufen-Plan‘ entworfen, der als ganzheitlicher Schutzschirm die Startups aller Branchen und Phasen adressiert, mit dem Ziel deutsche Startups in der schweren Zeit zu unterstützen und die geschaffenen Arbeitsplätze zu erhalten.“

Eine der Maßnahmen, die vielen Startups helfen könne, sei die Einrichtung eines staatlichen Matching-Fonds, der private Investitionen zu einem festgelegten Schlüssel matcht. Um in dieser Krisensituation möglichst sparsam mit öffentlichen Geldern umzugehen, müsse man jedoch festlegen, dass dieses Matching nicht zu Management Fees und einem Carried Interest für den Wagniskapitalgeber führt. Im Vordergrund müsse der Erhalt der Arbeitsplätze und der Fortbestand des deutschen Startup-Ökosystem stehen.

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