Anzeige

Kommentar: Adidas zieht die Assiletten als erstes an

Adidas-Retro-Logo

Adidas wurde im Best Brands Ranking als "Beste Europäische Unternehmensmarke" ausgezeichnet. Foto: Adidas

Ein Dax-Vorstand fährt mit seinem Rad und Adiletten zum Amt, um Stundung zu beantragen. So wirkt die Maßnahme des Adidas-Chefs Kasper Rorsted hinsichtlich der Mietaussetzung in der Corona-Krise. Was bei Milliardengewinnen surreal erscheint, ist jedoch gesetzeskonform und andere Unternehmen folgen.

Anzeige

„Ich komme morgens mit dem Fahrrad, um 5.20 Uhr fahre ich los. Ja, auch im Winter. Ich habe gar kein Auto hier“, sagte Rorsted in einem Interview mit dem Stern Ende 2017 zu seinem eigenen nachhaltigen Verhalten. Adidas gilt als deutsches Vorzeigeunternehmen, das sich seit Jahren der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Verantwortung verschrieben hat. Die Gesamtanzahl der unterstützten Projekte des Konzerns belief sich 2019 auf 519. Doch dieses Engagement und ein „cooler“ Chef rücken durch den neusten Marketing-Supergau in den Hintergrund.

Adidas hat in der allgegenwärtigen Corona-Krise nämlich angekündigt, die Mietzahlungen für seine geschlossenen Ladengeschäfte im April auszusetzen. Die Empörung in den sozialen Netzwerken ist groß und eine Maschinerie der medialen Kommentierung setzte sich ungebremst in Gang. Der Hashtag „#boykottadidas“ verbreitet sich viral. Den vorläufigen Höhepunkt der Empörung markiert die Verbrennung eines Adidas-T-Shirts durch einen Bundestagsabgeordneten der Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Denn der Fall scheint für Florian Post und viele andere klar: Adidas verhält sich asozial. Wer weiß das besser als ein Sozi?

Im Wortlaut sagt Post in seinem Video: „Ich bin der Meinung, dass wir unser Gesetz nicht dafür beschlossen haben, dass sich Dax-Konzerne schadlos halten. Auch teilweise einseitig die Kosten der Corona-Krise an kleinere Vermieter abzuwälzen, ist unsolidarisch.“

Mietaussetzung: SPD und Union öffnen allen Tür und Tor

Neben der moralischen Entrüstung macht die Äußerung allerdings klar: Adidas beruft sich bei seiner Entscheidung auf geltendes Recht. Die 

Adidas verteidigt seinen Schnellschuss

ie Unterscheidung zwischen Groß und Klein entpuppt sich somit bei genauerer Betrachtung als Polemik und offenbart die Mängel des Gesetzes. Vor diesem Gesetz sind eben alle Unternehmen gleich. In den Augen der Konsumenten sind sie es jedoch nicht, nicht wenn man sich seit Jahren gesellschaftliche Verantwortung auf die Fahnen schreibt und bei den Bilanzzahlen von Rekord zu Rekord geeilt ist. Dann muss man nicht der erste auf dem „Amt“ sein. Der erste Geschädigte ist somit die Marke Adidas.

Anzeige