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Corona-Krise: Medienkonzern Bertelsmann schickt Mitarbeiter in die Kurzarbeit

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann hat wegen der Krise durch das Coronavirus bereits Kurzarbeit eingeführt. Betroffen ist bislang die Dienstleistungstochter Arvato. Doch weitere Sparten könnten folgen. Auch das Werbegeschäft bei der RTL Group und bei Gruner + Jahr leidet aktuell unter der Pandemie.

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Konzernchef Thomas Rabe sieht den Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann für die Corana-Krise gut aufgestellt. „Wir sind sehr liquide und haben eine gute Bonität“, sagte der Vorstandsvorsitzende in einer Telefonkonferenz. Dennoch hat das Gütersloher Unternehmen inzwischen bereits einige hundert Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Wir setzen Kurzarbeit in einigen Bereichen ein, in denen es einen strukturellen Nachfragerückgang gibt“, so Rabe. Damit wolle Bertelsmann verhindern, Arbeitnehmer zu entlassen.

Kurzarbeit bei Arvato

Betroffen von der Maßnahme ist unter anderem die Dienstleistungstochter Arvato. Damit würde ein weiteres Medienunternehmen auf die Hilfe der Bundesagentur für Arbeit setzen. Auch die Funke Mediengruppe erklärte jüngst, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen (MEEDIA berichtete). Axel Springer prüft indes entsprechende Maßnahmen, das Münchener Medienhaus Burda will sich hierzu auf Anfrage derzeit nicht äußern.

Bei Bertelsmann ist die Einführung von Kurzarbeit in der Konzernsparte Arvato möglicherweise nur der Anfang. Denn der Medienriese prüft derzeit in allen Bereichen, Kurzarbeit einzuführen – unter anderem auch beim Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Eine Entscheidung hierüber sei aber bislang nicht gefallen, heißt es in G+J-Firmenkreisen. Besonders betroffen von der Corona-Pandemie ist derzeit das Buchgeschäft. Weil der Bund die Schließung von Läden angeordnet hat, ist der Verkauf eingebrochen.

Werbegeschäft von der Krise gezeichnet

Auch das Werbegeschäft bei RTL und Gruner + Jahr kann sich den Auswirkungen der Krise nicht entziehen. Zwar lief das Vermarktungsgeschäft bei der TV-Tochter im 1. Quartal relativ stabil. Doch bereits im März registrierte der Vorstand erste Corona-Effekte, die sich offenbar im 2. Quartal ausweiten könnten. „Wir haben mit den Kunden Jahresvereinbarungen getroffen. Da muss man sich anschauen, welche Kampagnen geschoben werden können“, so Rabe. Zu Prognosen über das Vermarktungsgeschäft bei Gruner + Jahr (Stern, Geo) hielt sich der Vorstand bedeckt. Im 1. Quartal habe sich das Vermarktungsgeschäft des Verlags planmäßig entwickelt. So sei das Anzeigengeschäft bei gedruckten Medien rückläufig, bei den digitalen Produkten verzeichne man hingegen einen Zuwachs.

Komplett zum Erliegen gekommen ist das M&A-Geschäft. So hat Bertelsmann Transaktionen um Übernahmen und Zukäufen auf Eis gelegt. Dennoch wolle das Unternehmen weiter investieren, wenn sich die Lage wieder normalisiert. Darunter auch in China, wo die Pandemie ihren Anfang nahm. Zudem sucht Bertelsmann weiter den Schulterschluss mit anderen Unternehmen der Branche, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch die US-Techriesen zu behaupten. „Wir werden die Themen Kooperationen und Allianzen weiter voran treiben“, betonte der Bertelsmann-Chef. Eine klare Absage erteilte er allerdings einer Zusammenarbeit mit der zu ProSiebenSat.1 gehörenden Streaming-Plattform Joyn. So strebt das Gütersloher Konzern hier hochwahrscheinlich keine Kooperation an, da „ein Zusammengehen von TVNow und Joyn von den deutschen Kartellbehörden nicht genehmigt werden würde“, so Rabe.

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