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Buzzfeed: Die Corona-Pandemie wird für die Verlagsbranche schlimmer als die Finanzkrise

Klartext von einem der angesehensten Digitalverlage: BuzzFeed geht davon aus, dass die Folgen der Corona-Pandemie zumindest für US-Verlage schwerwiegender sein dürften als die große Finanzkrise 2008/9. Medientreibenden werde in der Corona-Krise das Dilemma zum Verhängnis, dass Leser zwar ein steigendes Interesse an der Berichterstattung über die Pandemie haben, die Anzeigen jedoch im Rekordtempo wegbrechen würden.

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Unter dem Titel „Das Coronavirus ist ein Mediensterbe-Ereignis“ skizziert BuzzFeed News-Reporter Craig Silverman ein nahezu apokalyptisches Szenario für die Verlagsbranche. „Die Finanzkrise 2008 hat 19 Prozent der Zeitungsumsätze ausradiert – die nie wiederkamen. Das Coronavirus gestaltet sich schlimmer“, schreibt Silverman.

Das Problem der Branche: Die Medienindustrie war bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im dreifachen Würgegriff des digitalen Paradigmenwechsels. Einerseits leidet der Journalismus unter der zähen Monetarisierung der Inhalte im Digitalzeitalter, andererseits ist es der Branche nie gelungen, die aus dem Print-Segment wegbrechenden Anzeigenenerlöse online auch nur annähernd zu kompensieren.

Corona-Krise trifft angeschlagene Verlagsbranche besonders schwer

Abermals erschwert wurde die Situation der  Verlage durch den Siegeszug der Digitalchampions Google, Facebook und zuletzt auch noch Amazon, die bei der Verteilung der Werbegeldern „den Sauerstoff aus dem Raum saugen“ (Scott Galloway).

Und nun kommt auch noch die Corona-Krise, die die Welt in einen seit dem Zweiten Weltkrieg nie dagewesenen  Stillstand versetzt – und damit das Umfeld für Anzeigen eintrübt. „Alle Werbeschaltungen aus dem Unterhaltungs- und Restaurantbereich sind komplett verschwunden, auch Werbung aus dem Automobilsektor ist betroffen“, merkt etwa Alan Fisco, Finanzchef bei der Seattle Times gegenüber BuzzFeed an.

„Tippen Sie mal ‚Las Vegas Hotels‘ in Ihre Google-Suche ein. Wir sehen dazu keine Anzeigen mehr. Ich erinnere mich nicht, dass es so etwas einmal gegeben hat“, legt RBC-Analyst Mark Mahaney gegenüber dem Techportal re/code den Finger in die Wunde.

Verwerfungen „schlimmer als 2008/9“

Die Lokalzeitung aus Seattle verbucht dabei nach dem Vorbild der New York Times steigende Abonnementenumsätze, die inzwischen für die Mehrheit der Konzernerlöse verantwortlich sind, dabei jedoch nicht den Zusammenbruch der Regionalanzeigen ausgleichen können.

Besonders etablierte Printmarken sind von der neuen Anzeigenflaute offenbar schwer betroffen. „Die Anzeigenerlöse (der Printmedien – A.d. R.) werden ausradiert“, merkt etwa Ken Doctor vom Marktforscher Newsonomics an. Bereits jetzt seien die Verwerfungen „schlimmer als 2008/9“. Nach Einschätzung von Doctor wird die Coronakrise zum „Auslöschungsmoment. Ich habe keine Ahnung, wie sie sich davon wieder erholen wollen.“

„Einstellungen von Zeitungen und Nachrichtenwüsten“ absehbar

„Leider glaube ich, dass wir (durch die Corona-Krise – A.d.R.) mehr Einstellungen von Zeitungen und als Ergebnis mehr Nachrichtenwüsten sehen werden“, schlägt in Alan Fisco in die gleiche Kerbe.

Die Alarmsignale für den scharfen Einbruch auf den Werbemarkt waren bereits in den vergangenen Wochen von Branchenschwergewichten zu hören. Anfang März warnte die New York Times wegen „Unsicherheit und Angst vor dem Virus“ vor einer „Verlangsamung der internationalen und nationalen Anzeigenbuchungen“. Gestern kassierte Social Media-Pionier Twitter seinen Ausblick auf das laufende Quartal und stellte nun rückläufige Umsätze und einen operativen Verlust in Aussicht.

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