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Presserat: Mehr Rügen und Beschwerden als im Vorjahr

Presserat

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Im letzten Jahr beschwerten sich mehr Leser beim Deutschen Presserat als 2018. Das hat das Gremium heute bei der Veröffentlichung seines Jahresberichts 2019 in Berlin konstatiert. Demnach seien 2.175 Beschwerden eingegangen – 137 mehr als im Vorjahr.

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Damit ist seit 2017 die Zahl der Beschwerden stetig angestiegen: “Nur im Rekordjahr 2015 wandten sich u.a. wegen des Germanwings-Absturzes mehr Leserinnen und Leser an den Presserat als 2019”, heißt es im Jahresbericht. 

Regionalmedien seien nach wie vor die häufigsten Beschwerdeziele, gefolgt von Boulevardzeitungen und überregionalen Tageszeitungen. Der Presserat sieht dahinter einen positiven Beweggrund, denn daraus ergebe sich ein Bild von Lesern, die bereit seien, ihren Medien zu vertrauen und diese Vertrauenswürdigkeit auch einfordern. “Darauf lässt sich eine stabile Beziehung zwischen Leserschaft und Redaktion aufbauen.”

Beschwerden an Presserat
Credit: Presserat

Presserat urteilt: Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten oft mangelhaft

Doch auch die Zahl öffentlich ausgesprochener Rügen, die härteste Sanktion des Presserats, ist angestiegen: 34 Rügen erteilten die Beschwerdeausschüsse im letzten Jahr, 2018 waren es noch 28 gewesen. 

Die meisten Rügen (14) seien wegen mangelnder Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten ausgesprochen worden, gefolgt von Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes nach Ziffer 8 des Pressekodex mit 12 Rügen. Hier habe es sich oft um Verstöße gegen den Opferschutz gehandelt. 

Hinzu kamen 67 Missbilligungen und 96 Hinweise. 36 Fälle hielt der Ausschuss zwar für begründet, habe jedoch auf eine Maßnahme verzichtet, wenn die Redaktionen reagiert und beanstandete Textstellen nachträglich geändert hatten oder durch technische Fehler eine Kennzeichnung vorübergehend fehlte. 

Entscheidung der begründeten Beschwerden an Presserat
Credit: Presserat

Trotz mehr Beschwerden an Presserat wurden weniger Fälle behandelt

Obwohl beim Presserat mehr Beschwerden eingingen, hätten die Ausschüsse weniger Fälle behandelt. Grund: In der Vorprüfung seien viele Fälle abgelehnt worden, weil kein Anhaltspunkt darauf hindeutete habe, dass eine Redaktion unsauber gearbeitet habe, hieß es weiter. Als Beispiele wurden Karikaturen oder Meinungsbeiträge genannt.

Hingegen kritisiert der Presserat den Umgang der Medien mit den ausgesprochenen Rügen. “Der Großteil der Presseverlage in Deutschland hat sich verpflichtet, öffentliche Rügen des Presserats in dem jeweils gerügten Medium bekannt zu machen. 2019 sind jedoch weniger Medien dieser Selbstverpflichtung nachgekommen als im Vorjahr.” Von den 34 ausgesprochenen Rügen seien elf bislang nicht in den betroffenen Medien veröffentlicht worden.

Vor wenigen Tagen sprach der Presserat eine Rüge gegen mehrere Medien aus, darunter die Frauenzeitschrift „Grazia“, die Programmzeitschrift „Hörzu“ und die „Berliner Zeitung“. Letztere sei wegen eines Interessenkonfliktes des Verlegers Holger Friedrich gerügt worden, der nicht offengelegt worden sei. Die „Berliner Zeitung“ hatte einen Bericht über eine ostdeutsche Bio-Tech Firma veröffentlicht, in deren Aufsichtsrat Friedrich zu diesem Zeitpunkt saß und sogar Anteile hielt. Dies hatte der Artikel jedoch verschwiegen.

Hier geht es zum vollständigen Jahresbericht 2019 des Presserats.

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