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Winterbauers Woche

Super-Virologe Christian Drosten – der Corona-Erklärer Nummer eins

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Das Coronavirus hat auch die Medienwelt infiziert. Es gibt in diesem Zusammenhang trotz der Krise aber auch gute Nachrichten. In den USA moderiert unterdessen eine Frau bei Fox News, die für hiesige Sehgewohnheiten sehr gewöhnungsbedürftig ist. Und natürlich darf die Woche nicht ausklingen ohne Holger-Friedrich-Content. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Corona und kein Ende. So etwas wie die Corona-Pandemie hat wohl noch niemand von uns erlebt. Häusliche Quarantäne – bis vor kurzem wusste ih gar nicht, dass es sowas gibt! Unsere Medien haben ihre ganz eigenen Herausforderungen mit dem Virus. Einerseits gibt es auch in der Medienbranche eine wirtschaftliche Komponente. Massenweise werden Events abgesagt, wie etwa das OMR-Festival in Hamburg oder der Deutsche Podcastpreis in Berlin. Und dann werden die wirtschaftlichen Folgen mit Sicherheit auch die Medienbranche erreichen. Bekanntermaßen werden in Krisen-Zeiten die Marketing- und Werbebudgets mit als erstes zusammengestrichen. Es gibt leider keinen Grund, warum das diesmal anders laufen sollte.

Aber Jammern hilft nicht. Und unsere Zunft ja gerade in einer solchen Krise auch eine Verantwortung: Es soll korrekt und umfassend berichtet, aber keine Panik geschürt werden. Ich finde, das gelingt im Großen und Ganzen auch recht gut. Bis auf einige Ausreißer werden die allermeisten Medien ihrer Aufgabe in dieser Krise gerecht. Ein besonders positives, wenn auch nicht rasend originelles, Beispiel ist das „Coronavirus Update“ von NDR Info mit dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité (gibt’s auch als Podcast). In halbstündigen Gesprächen bringt Drosten einen jeweils auf den neusten Stand und liefert ebenso fundierte wie sachliche Einordnungen. Drosten ist derzeit der Corona-Erklärer Nummer eins. Für genau solche Formate zahle ich gerne meinen Rundfunkbeitrag. Wobei auch die allermeisten privaten Medien einen tollen Job machen, z.B dieses tolle Stück „Die Wucht der großen Zahl“ von der „Süddeutschen“.

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Das Coronavirus spülte aber auch eine eher bizarre Erscheinung der US-Medienwelt in meine Timeline: Trish Regan. Wenn man so will eine Art Antithese zu Drosten. Die Dame ist Moderatorin bei Fox News in den USA. In der Sendung von Frau Regan wurde das Virus als „Corona Impeachment Scam“ bezeichnet, also etwa als „Coronavirus Impeachment Schwindel“. Nach Lesart von Trish ist das Virus, das die Welt in Atem hält, eine fiese Finte der demokratischen Partei, um ihren geliebten Präsidenten Donald Trump mal wieder eins auszuwischen. So fragwürdig der Inhalt ihres auf vielen Ebenen verstörenden Monologs, so irritierend ist das Erscheinungsbild der Moderatorin. Sie wirkt wie eine Computeranimation aus den späten 90er Jahren. Oder wie einer auf Twitter schrieb: „The Westworld hosts in this new season are somehow getting less realistic.“ „Hosts“ sind die menschenartigen Roboter aus der HBO-Serie „Westworld“. Fies, aber treffend.

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Kommen wir, wie fast jede Woche, zu Holger Friedrich, dem Verleger der „Berliner Zeitung“ und aktuellem Lieblings-Maskottchen dieser Kolumne. Herr F. aus B. hatte bei den Medientagen Mitteldeutschland mal wieder einen seiner auf ganz spezielle Art irritierenden Auftritte und wurde dann auch noch videointerviewt. Das Interview, das in dieser Woche bei YouTube veröffentlicht wurde, liefert einerseits treffend Defizite und Versäumnisse der Verlagsbranche nach dem Crash nach 9/11. Dann wieder versteigt er sich in absurde Theorien, dass man gegen ihn berichte, weil er ein erfolgreicher Ossi ist („Wie kann es eigentlich sein, dass ein Ossi mehr erreicht hat, als Hartz 4 zu empfangen und viel Bier zu trinken?“). So schade! Wenn er den Jammer-Ossi-Teil weglassen würde, wäre einer wie er ganz sicher ein Gewinn für die Branche.

Screenshot: YouTube / Medientage Mitteldeutschland

Nebenbei muss man bemerken, dass so mancher Berliner Hipster vermutlich Minderwertigkeitskomplexe bekommt, wenn er die zwei Prachtbärte von Frager und Befragtem beim Interview-Plausch sieht. Bitte auch beachten: Die Ohne-Socken-Mode-Marotte des Verlegers. Herr F. ist halt einfach auch ein Styler.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ gibt es diesmal eine nagelneue Intro-Musik, komponiert und exklusiv für uns eingespielt von dem Jazzmusiker Josef Engels, vielen Dank dafür! Der Mann ist aber nicht nur Musiker, sondern auch Satiriker und betreut die entsprechende Rubrik „Glasauge“ bei der „Welt“. Mein Kollege Christian Meier und ich haben ihn darum gleich als Gast für diese Folge „Medien-Woche“ verpflichtet. U.a. arbeiten wir uns an der Entschuldigung von Klaas Heufer-Umlauf, Xavier Naidoos Rauswurf bei „DSDS“, der „Vorstands-Soap“ bei ProSiebenSat.1 und einer rechten Kampagne gegen unsere geliebten Öffis ab. Es würde ich freuen, wenn Sie reinhören!

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