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Stellenabbau bei “Bild“ und “Welt“: Vorstandschef Döpfner rechnet nicht mit betriebsbedingten Kündigungen

Springer-Chef Mathias Döpfner macht bei Ebay-Kleinanzeigen einen Rückzieher.

Der geplante Personalabbau bei der „Bild“- und der „Welt“-Gruppe geht offenbar gut voran. Vorstandschef Mathias Döpfner geht nicht davon aus, dass Axel Springer betriebsbedingte Kündigungen aussprechen muss. Ganz ausschließen wolle er dies aber nicht. Zu Gerüchten, der Berliner Medienkonzern zeige Interesse an der Classified-Sparte von Ebay, hielt er sich zurück.

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Der Berliner Medienkonzern Axel Springer will Stellen bei der “Bild“- und “Welt“-Gruppe abbauen. Wie viele Arbeitsplätze allerdings wegfallen sollen, dazu hielt sich Vorstandschef Mathias Döpfner bei der heutigen Vorlage der Bilanzahlen zurück. Doch der Springer-Chef rechnet nicht damit, dass der Konzern bei den beiden Medienmarken betriebsbedingte Kündigungen aussprechen muss. Grund hierfür sind verschiedene Angebote des Verlags, Mitarbeiter freiwillig zum Ausscheiden zu bewegen. Diese laufen „sehr gut und konstruktiv“, so Döpfner. Er geht davon aus, dass der Prozess bald abgeschlossen ist. Es werde in den nächsten Monaten für alle klar sein, wie viele Mitarbeiter gehen. Denn Springer wolle das Thema „so schnell wie möglich aus dem Kopf“ bekommen. Dennoch: Ganz ausschließen wolle er betriebsbedingte Kündigungen jedoch nicht, heißt es.

Seit Wochen kursieren im Verlag diverse Zahlen über einen Stellenabbau. Danach sollen angeblich bei der „Bild“-Gruppe rund 100 bis 200 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Wie Döpfner erneut betont, sollen „Bild“ und „Welt“ insgesamt rund 50 Millionen Euro sparen. Der harte Restrukturierungskurs macht sich im Ertrag der Sparte “News Media“ bemerkbar, zu der die „Bild““- und der „Welt“-Gruppe zählen. So brach hier das bereinigte EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) im vergangenen Geschäftsjahr um mehr als 50 Prozent auf rund 72 Millionen Euro ein. Auch der Umsatz ging in diesem Bereich leicht um 4,4 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro zurück (MEEDIA berichtete).

„Große Ankündigungen sind nicht unsere Art“, so Döpfner

Bedeckt hielt sich Döpfner zu Akquisitionszielen des Berliner Unternehmens, das nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR zum Weltmarktführer im digitalen Journalismus und digitalen Rubrikengeschäft aufsteigen will. „Große Ankündigungen sind nicht unsere Art“, betonte der Springer-Chef. So wollte er sich nicht zu den seit Monaten anhaltenden Marktspekulationen äußern, wonach die Berliner ein Auge auf die Classified-Sparte des Online-Marktplatz Ebay geworfen haben sollen. Zu ihr gehören in Deutschland die Angebote Ebay Kleinanzeigen und mobile.de.

Ebay hatte jüngst bekannt gegeben, dass man aktuell mit mehreren Interessenten im Gespräch sei. Namen gab das US-Unternehmen allerdings nicht preis. Doch der Vorstand erklärte, dass man die Öffentlichkeit bis Mitte des Jahres über den Verlauf der Gespräche informieren wolle. Als Interessenten wurde neben Axel Springer diverse andere Unternehmen genannt – darunter der südafrikanische Technologieinvestor Naspers sowie die Investmentgesellschaften TPG und Blackstone. Sollte es zu einem Verkauf kommen, müsste ein Erwerber aber tief in die Tasche greifen. Beobachter taxieren den Wert des Classifieds-Geschäfts auf rund 10 Milliarden US-Dollar.

Springer-Neubau füllt künftig die Kasse

Ob Springer-Chef zugreift, bleibt abzuwarten. Döpfner deutete an, dass er sich bei Akquisitionen nicht in einen Prestige-Wettbewerb begeben wolle. Trotz des neuen kapitalkräftigen Partners KKR seien die Berliner offenbar nicht bereit, jeden Preis zu akzeptieren. Doch Springers eigene Kriegskasse ist gut gefüllt und wird sich demnächst um rund 400 Millionen Euro erhöhen. Grund hierfür ist der Neubau direkt neben dem Axel-Springer-Hochhaus in Berlin. Diesen wolle der Konzern voraussichtlich im ersten Halbjahr 2020 an den norwegischen Staatsfonds verkaufen und langfristig zurückmieten.

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