Anzeige

Nach Fake-Vorwürfen: Klaas Heufer-Umlauf entschuldigt sich in „Late Night Berlin“

Klaas Heufer Umlauf zu den Fakevorwürfen gegen seine Sendung

In seiner Sendung "Late Night Berlin" äußert sich Klaas Heufer-Umlauf zu den Fakevorwürfen gegen seine Sendung Foto:Andreas Franke/ ProSieben

Die Fälschungsvorwürfen gegen die Sendungen „Duell um die Welt“ und „Late Night Berlin“ wogen schwer. Jetzt erklärte sich Klaas Heufer-Umlauf in seiner Sendung, und das überraschend ernst. Das Statement im Wortlaut.

Anzeige

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand aus dem ProSieben-Comedy-Duo Joko und Klaas zu den Fake-Vorwürfen der letzten Woche äußern würde, zumindest hoffte man das. Denn ganze sieben Tage herrschte zu diesem Thema Funkstille. Dabei waren die Vorwürfe nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die zwei Moderatoren wurden gerade erst mit dem Grimme-Preis für ihre Sendung „Joko & Klaas LIVE – 15 Minuten“ ausgezeichnet – in dem Format kamen unter anderem Seenotretter und Aktivisten gegen Rechts zur Prime-Time zu Wort –  da überschatteten Anschuldigungen die Auszeichnung, dass bei anderen Formaten von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf getrickst wurde.

Das NDR-Format „Strg_F“ konnte in einem halbstündigen Beitrag schlüssig nachweisen, dass Passagen aus „Duell um die Welt“ gestellt waren, genauso wie Episoden aus „Late Night Berlin“. Dass die Vorwürfe ernst genommen wurden, zeigt nun die Reaktion von Heufer-Umlauf. In der aktuellen Late-Night-Sendung vom Montag widmete der Moderator fünf Minuten dem Thema, nicht ohne Humor, aber dann doch ernsthaft. Das Statement begann mit einer Rechtfertigung, die in den letzten Tagen öfter zu hören war: „Natürlich war unser erster Reflex zu sagen, ja, wir machen ja hier nur Quatschfernsehen.“ Schließlich seien die zwei ja „keine Journalisten, die jetzt ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Wir sind Joko und Klaas, wir haben uns den Mund zugenäht, wir haben uns einen Donut in die Stirn gespritzt, wir machen keine Dokumentationen, keine Reportagen, und wir machen und zeigen auch Sachen, die Sie und euch aus dem Alltag rausreißen sollen, das ist das Hauptziel.“

Fast konnte man glauben, dass Heufer-Umlauf auf dieser Meinung beharren würde, schließlich seien seine Gags „zum großen Teil von Autoren geschrieben“ und „vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zurecht Teil einer Inszenierung namens Entertainment.“

„In einzelnen Fällen über das Ziel hinaus geschossen“

Dabei blieb es aber nicht. Heufer-Umlauf stellte klar, man sei in „einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen, so zum Beispiel beim Fahrraddieb.“ In diesem Fall habe man es „deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht mit so einem einfachen ‚Ist ja nur Unterhaltung‘ wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich, ernst gemeint und ohne jede Ironie, entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen. Wir und jeder einzelne, der mit uns an unseren Shows arbeitet, liebt das Fernsehen, liebt es, möglichst spektakuläre, lustige oder auch oft superdumme Sachen zu präsentieren.“

Einen pointierten Abschluss konnte sich Heufer-Umlauf dann doch nicht verkneifen. Auf die rhetorische Frage, wie es denn weiterginge, antwortete der Moderator: „Nächste Woche ist die Verhandlung bei Richter Alexander Hold. Ich hab mir schon mal einen Rollator besorgt zur Sicherheit.“ Und was macht der Zuschauer? Der schaltet sicher weiter ein bei Joko und Klaas, ist jetzt vielleicht nur etwas vorsichtiger in dem, was er glaubt. Auch wenn es „nur“ Entertainment ist. 

Das Statement von Klaas Heufer-Umlauf im Wortlaut:

Natürlich war unser erster Reflex zu sagen: ‚Ja, wir machen wir hier ja nur Quatschfernsehen. Um Gottes Willen, wir sind ja keine Journalisten, die ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind. Wir sind Joko und Klaas, wir haben haben uns den Mund zugenäht, wir haben uns einen Donut in die Stirn gespritzt. Wir machen keine Dokumentationen, keine Reportagen und wir zeigen auch Sachen, die Sie und Euch aus dem Alltag rausreißen sollen.‘ Das ist das Hauptziel. Dabei übertreiben und dramatisieren wir, für eine bessere Pointe überspitzen oder verkürzen wir Sachen, stellen sie manchmal auch spektakulärer dar, als sie in der Realität stattgefunden haben. Das gilt für unsere Einspielfilme genauso wie für unsere Show selbst. Ich weiß nicht, ob Ihnen das aufgefallen ist, aber hier im Fernsehstudio sind immer alle sehr gut gelaunt. Immer. 

Auch das Publikum – die klatschen auch, wenn sie einen Gast eigentlich Scheiße finden. Auf der Bühne wird manchmal Playback gesungen, meine Gags werden zum großen Teil von Autoren geschrieben, die trotzdem hier nicht neben mir stehen, sondern mit ’ner Flasche Heroin ganz normal in ihrem Zimmer vorm Computer sitzen. Vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zurecht Teil einer Inszenierung namens Entertainment, die das Ziel verfolgt, Witze möglichst gut zu erzählen, Sie zu unterhalten und abzulenken. Und das ist auch genau gut so.

Trotzdem – und das will ich hier klar und deutlich sagen – sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen. So zum Beispiel beim Fahrraddieb. Alles war so schön geplant, so schön vorbereitet. Nur eines, das konnten wir wirklich nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. Und unserer ist dann dummerweise nochmal zurückgelaufen, weil er vergessen hat, sich seine Gage abzuholen. Dumm. In dem Fall haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem ‚Ist ja nur Unterhaltung‘ wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich ernst gemeint und ohne jede Ironie entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen. Wir und jeder Einzelne, der mit uns an unseren Shows arbeitet, liebt das Fernsehen, liebt es, möglichst spektakuläre Dinge, lustige oder auch superdumme Sachen zu präsentieren. Die Fehler, die wir dabei gemacht haben, haben wir nicht aus purem Zynismus, Zuschauerverachtung oder Faulheit gemacht. Es gab Einzelfälle, bei denen wir nicht einsehen wollten, dass die Realität weniger spannend ist als das, was wir gerne auf der Showbühne sehen.

Wie geht’s jetzt weiter? Das ist eine berechtigte Frage. Nächste Woche ist die Verhandlung bei Richter Alexander Hold. Ich hab mir schon mal ’nen Rollator besorgt zur Sicherheit.

Anzeige