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Die ADC Night of Honour 2020: „In Quarantäne bilden wir die Super Agentur“

Die ADC Night of Honour in Frankfurt Foto: Christina Czybik / Shutterstock / ADC

Am Donnerstag ehrte der Art Directors Club für Deutschland (ADC) im Frankfurter Gesellschaftshaus Palmengarten Persönlichkeiten der Kreativ- und Kommunikationsbranche für ihr herausragendes Engagement. Im selben Rahmen verlieh der ADC außerdem zum zweiten Mal den Editorial Award ”Willy Fleckhaus Preis“.

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Den Abend eröffneten ADC-Präsidiumsmitglied Britta Poetzsch, die auch gewohnt souverän durch den Abend führte, und ADC Präsident Heinrich Paravicini, der sich einen kurzen Hinweis auf den aktuell grassierenden Corona-Virus nicht nehmen ließ: „Keine Angst: Jede Krise ist auch eine Chance: So viel kreative Power in einem Raum – in Quarantäne bilden wir die Super Agentur.“

Ehrenmitglieder

Wie jedes Jahr stand im Rahmen der Ehrungen die Ernennung der neuen ADC-Ehrenmitglieder auf dem Programm. Zu ihnen gehören seit diesem Jahr auch das Fotografenteam Ute und Werner Mahler. Die Mahlers zählten zu den stilprägenden Fotografen der DDR und haben heute wie damals ihre humanistische Sicht auf die Welt in diversen, intensiven Fotoprojekten realisiert. Nach der Wiedervereinigung 1990 gründeten sie mit fünf weiteren Kollegen die Fotografenagentur Ostkreuz, die heute zu den wichtigsten deutschen Fotoagenturen zählt.

Die kritische Haltung gegenüber den politischen Verhältnissen blieb erhalten. Zur Jahrtausendwende übernahm Ute Mahler eine Professur für Fotografie an der HAW in Hamburg. Werner Mahler gründete 2004 die Ostkreuzschule für Fotografie, an der beide unterrichten. 2014 widmeten die Hamburger Deichtorhallen dem international renommierten Fotografenpaar eine umfassende Werkschau. Nur ein Jahr später feierten sie in Paris 25 Jahre Ostkreuz mit einer großen Retrospektive. 2019 gewannen Ute und Werner Mahler für ihr Fotografieheft „Deutsche Kleinstädte“ einen silbernen ADC-Nagel und erhielten von der Deutschen Fotografischen Akademie die David Octavius Hill Medaille für ihre künstlerische Leistung verliehen.

Die sehr persönliche Laudatio für das international renommierte Fotografenpaar hielt übrigens Sven Marquardt, der selbst seit 30 Jahren mit seiner Fotografie die internationale Subkultur porträtiert und schon lange mit den beiden freundschaftlich verbunden ist. „Was für ein tolles deutsches Fotografenpaar. Respekt! […] Ein großes Glück, eine Bereicherung, ein Geschenk; und als ich 2018 mein erstes fotografisches Projekt außerhalb von Berlin realisierte, hatte ich nicht nur einmal die Monalisen der Vorstädte im Kopf. Ute und Werner, ich danke euch dafür, und für die vielen Momente von Inspiration und der Motivation,“ hob Marquardt hervor.

Kundin des Jahres

Zur Kundin des Jahres wurde die „brand eins“-Chefredakteurin und -Mitgründerin Gabriele Fischer gekürt. Sie wagte es, zu Zeiten, als der Begriff Startup noch nicht in aller deutscher Munde war, einen Verlag rund um nur eine Zeitschriftenmarke aufzubauen. Der Begriff Startup ist inzwischen sogar m Duden zu finden und die „brand eins“ scheint ebenfalls jeder zu kennen.

Das Magazin steht dafür, sich anscheinend immer wieder neu zu erfinden, sowohl was die Themen als auch was die Gestaltung anbelangt. Was wiederum Mut und Leidenschaft erfordert, insbesondere in Zeiten, in denen Fake News, populistisches Getöse und Digitalisierung die größten Herausforderungen des Verlagswesens sind und ein ernstzunehmendes Gegengewicht brauchen. Die Laudatio für Gabriele Fischer hielt niemand Geringeres als Emilio Galli Zugaro, der selbst 2016 den Mut bewies und in eine unbekannte Zukunft durchstartete. Zugaro, der bis dahin Kommunikationschef und damit einer der einflussreichsten Mitarbeiter des Versicherungskonzerns Allianz war, kündigte seinen Job quasi auf dem Höhepunkt seiner Karriere und machte sich selbstständig.

„brand eins“ beschrieb es damals mit „Emilio Galli Zugaro macht sich vom Acker“. Zugaro ist nicht erst seit diesem Artikel Fan von „brand eins“ und Gabriele Fischer, die er sehr für ihr Tun schätzt: „Gabriele Fischer steht für die Treiberin eines typischen Poiesis-Projektes, Schönheit, die einen Zweck erfüllt. Motivation ist die Chiffre für den unternehmerischen Impuls von Gabriele. Exzellenz im Wirtschaftsjournalismus, in der Sprache, der Wahl der Bilder, des Layouts …“ Gabriele Fischer ihrerseits freute sich natürlich über die Auszeichung, konnte sie aber irgendwie nicht so ganz verstehen: „Ich fühle mich geehrt für 20 Jahre Zusammenarbeit mit Mike Meiré – dafür geehrt zu werden ist eigentlich überflüssig, und wunderschön.“

Lebenswerk

Für sein Lebenswerk wurde der international hoch angesehene deutsch-österreichisch-niederländische Grafikdesigner Lo Breier ausgezeichnet. Der Design-Papst, wie das Branchenmagazin „kress“ ihn mal betitelte, ist Mitgründer der Design- und Werbeagentur Büro X in Hamburg und Wien. Bekannt wurde er als innovativer Artdirektor des österreichischen Zeitgeistmagazins „Wiener“, bis ihn 1985 der österreichische Medienmanager Markus Peichl zum Jahreszeiten Verlag nach Hamburg holte, wo Breier fortan die Gestaltung des damals gegründeten Magazins „Tempo“ verantwortete. 2007 ging er dann – nach einigen Zwischenstationen – zum Axel Springer Verlag nach Berlin, genauer gesagt, er übernahm für acht Jahre die Artdirektion der „Bild am Sonntag“.

Inzwischen verdingt Breier sich, wie er selbst bescheiden sagt, als freier Kreativer. Die Würdigung Breiers übernahmen zwei seiner Wegbegleiter: die österreichische Fotografin Elfie Semotan und Kai Diekmann, der zu Breiers Springer-Zeiten Chefredakteur der „Bild“, aber schon lange vorher von Breiers Arbeit tief beeindruckt war und noch immer ist. „Layout ist für ihn nicht nur ästhetisches Gefallen, sondern Dienst am Leser. Mit seiner Kunst, Gewohnheiten zu brechen und zugleich dem Wunsch des Lesers nach ’Identifikation’ gerecht zu werden, schafft es Lo auf genialische Art, unser Gehirn immer wieder zu überlisten und zum Lesen zu verführen“, sagte Diekmann, der Lo Breier 1987 kennenlernte, als er – selbst noch Volontär – Breier interviewte und ihn den „Guru des neuen Layouts“ nannte.

ADC Rookie-Agentur des Jahres

Zur Rookie-Agentur des Jahres wurde headraft ausgezeichnet. Die von Julian Weiss und Fabian Fricke gegründete Hamburger Immersive Agency – wie die beiden headraft nennen – mischt erst seit drei Jahren den Werbemarkt mit kreativer Technologieberatung und der Umsetzung von High-End Augmented und Virtual Reality Experiences auf und kümmert sich inzwischen um internationale Kunden wie Lufthansa, Die Fantastischen Vier (Sony Music) und Mercedes-Benz.

Was headraft ganz nebenbei beim ADC-Festival 2019 sieben Bronze-Nägel und vier Auszeichnungen einbrachte. Und jetzt eben auch die Auszeichnung zur ADC Rookie-Agentur des Jahres, zu der übrigens der Fanta-4-Frontmann Smudo, der laut eigener Aussage ein riesen Fan der headraft-Arbeiten ist, die Laudatio hielt und sich dabei den Hinweis „Danke, danke, danke, dass wir 2018 mit euch den ersten Augmented Reality Video Clip produziert haben. Ihr habt ihn mehr als verdient, den ADC Rookie Award!“ nicht verkneifen wollte.

Willy Fleckhaus Preis

Gerade jetzt, wo der Printjournalismus nicht eben ganz oben auf der Agenda der jüngeren Generation steht und die Verlage mit Auflagenschwund und Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, kommt dem Willy Fleckhaus Preis – den der ADC im vergangenen Jahr gemeinsam mit Fleckhaus’ Tochter Nelly ins Leben gerufen hat – eine besondere Bedeutung zu. Der Preis gilt herausragenden Magazinprojekten, die aufgrund ihrer Exzellenz vom ADC Fachbereich ausgewählt wurden. Nominiert für den Willy Fleckhaus Preis 2020 waren: „c/o vienna“, „Das narrativistische Literaturmagazin“, „Das Wetter“, „Die Epilog“, ”Edit – Papier für neue Texte“, ”Fukt Magazine”, ”H-O-T Histories of Tomorrow“, ”Katapult Magazin“, ”Mono.Kultur“, ”Provence Magazine“, ”Starship Magazine“, ”This is Badland“ und das ”zweikommasieben Magazin“.

Gewonnen hat aber das ”Missy Magazine“, ein Magazin für Pop, Politik und Feminismus. Zu den Themen gehören ebenso Crafting und Kochen wie Asyl und Alltag, Sexarbeit, Achselhaare, queere Pornografie und Organisationen, die sich für sichere Abtreibungen einsetzen. Genau diese Mischung ist es, die die Jury des Willy Fleckhaus Preises überzeugte. „Missy ist ein Geschenk – relevant, zeitgeistig, erfrischend und klar gestaltet. So wünschen wir uns lesbaren Journalismus auf hohem Niveau. Ein Zeitdokument gesellschaftlicher Gleichberechtigung, das nicht nur aufklärt und anregt, sondern dazu noch Spaß macht“, begründete ADC Präsidiumsmitglied Anja Steinig die Entscheidung. Die Laudation für das Missy Magazin hielt die Moderatorin, Autorin und Slam Poetin Ninia LaGrande. Sie, die in diversen Medien mit ihren Kolumnen und Texten präsent ist, lobte die Macher der „Missy“ nicht nur, sie stellte – natürlich in einer Mischung aus Gesang und Rede – eindrücklich heraus, was die ”Missy“ ausmacht und warum es so wichtig ist, in Zeiten wie diesen ein solches Magazin zu haben.

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