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Kommentar zur DFL-Rechtevergabe: Streamingdienste auszuschließen, wäre illiberal

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DFL-Logo Foto: DFL

Klaus Hofmann, Präsident des FC Augsburg, würde Streamingdienste am liebsten von der Ausschreibung der DFL-Rechte verbannen. Die Idee dahinter mag ehrenwert sein, ist aber nicht zu Ende gedacht. DAZN und Co. auszuschließen wäre durch und durch illiberal.

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Aktuell läuft die Ausschreibung zur Vergabe der deutschsprachigen Übertragungsrechte der Deutschen Fußball Liga (DFL) für vier Spielzeiten, namentlich der Saisons 2021/22 bis 2024/25. Und wie üblich, wenn es um die Übertragung des deutschen Volkssports Nummer eins geht, kommen zwei Diskussionen auf: Die eine ist fachlicher Natur. Sie dreht sich darum, an wen die Rechte gehen, in welchem Ausmaß und was das Ganze nun schon wieder kosten soll (mehr dazu etwa hier). Die zweite Diskussion ist grundsätzlicher Natur. Ihr Ton ist weniger nüchtern; in ihrer Melodie schwingt Romantik mit. Eigentlich dürfte man sie gar nicht mit Worten führen, man müsste sie pfeifen.

Gehört die Bundesliga ins Free-TV?

In der zweiten Diskussion geht es nämlich um nichts weniger als den modernen Fußball, besser, um einen bestimmten, wohl den gewichtigsten Aspekt desselbigen: um die Frage, ob die Bundesliga nicht eigentlich ins Free-TV gehört. Klaus Hofmann, Präsident des schwäbischen Bundesligisten FC Augsburg, hat sich in einem Interview mit der “Augsburger Allgemeinen“nun gewünscht, dass die DFL-Rechtevergabe weniger Ausschreibung denn Zuschreibung sein soll: “Am liebsten wäre es mir, wenn man alle Spiele im Fernsehen sehen könnte, ohne dass man Streamingdienste braucht, das wäre für alle Beteiligten gut”.

Hofmann würde Streamingdienste wie etwa Amazon Prime und DAZN am liebsten par ordre du mufti von der Ausschreibung ausschließen. Als Grund nannte er, dass für die Zuschauer in Deutschland die Bundesliga nicht teurer werden dürfe. Daher sei es schön, “wenn wir den Übertragungsweg auf eine technische Plattform reduzieren, auch wenn es verschiedene Anbieter sind”. Mit dem Preisargument schubst Hofmann de facto auch Sky aus der Reihe der Bewerber, womit die Öffentlich-Rechtlichen als einzige Anbieter die einzige logische Konsequenz wären.

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Ehrenwert, aber nicht durchdacht

Hofmanns Überlegungen sind einerseits durchaus ehrenwert. Schließlich will er nicht weniger als Barrieren einreißen und den Fans uneingeschränkten Zugang zum Fußball bieten, wenigstens vor der Glotze. Andererseits wäre ein solches Vorgehen durch und durch illiberal. Hofmann verkennt außerdem Entwicklungen wie das sich verändernde Nutzungsverhalten. Mehr noch: Auch der große Marktvorteil, den die öffentlich-rechtlichen Sender durch die Rundfunkgebühr gegenüber privaten Anbietern haben, scheint in seinen Überlegungen keine Rolle zu spielen. Wenn ARD und ZDF von allen Bürgern mitfinanziert werden, ist es nicht verwerflich, dass DAZN für sein Angebot einen Betrag von 11,99 Euro im Monat abruft.

In einem Punkt muss man Hofmann aber zustimmen: Es wäre wünschenswert, den Übertragungsweg auf eine oder ergänzend vielleicht zwei Plattformen zu beschränken. Welche Plattformen das sind, sollte aber in einem offenen und transparenten Ausschreibungsverfahren entschieden werden. Oder in Hofmanns Worten: Wenn man alle Spiele im Fernsehen sehen könnte, wäre das gut. Wenn man alle Spiele bei Anbietern sehen könnte, die sich mit ihren Argumenten in einem offenen Verfahren durchgesetzt haben, wäre das noch besser.

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