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Kommentar: Imagewandel mit Hindernissen – Primark ist der Sündenbock der Textilbranche

Slogan auf der deutschen Webseite von Primark.
Slogan auf der deutschen Webseite von Primark. Foto: Primark

Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen und Chemikalien bei der Herstellung. Das sind die Bürden, die auf der Marke Primark lasten. Schon seit Jahren versucht der irische Discounter sein Image als "Schmuddelkind" der Textilindustrie loszuwerden. Das ist ein schwieriges Unterfangen.

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Spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch im Jahr 2013 bei dem 1.127 Menschen starben, häufen sich die Meldungen im Newsroom zu Aktionen und Initiativen für einen Imagewandel: “Primark unterzeichnet neues Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch” (2017), “Primark bekräftigt freiwillige Selbstverpflichtung zu ökologischer Nachhaltigkeit” (2016), “Kosmetika der Primark-Hausmarke offiziell als tierleidfrei ausgezeichnet” (2018) oder “Verpackungsoptimierungsprogramm von Primark Sieger bei den Supply Chain Excellence Awards” (2019).

Trotz der vielen PR-Aktionen kann man nicht von White- oder Greenwashing sprechen. Der Slogan in Großbuchstaben auf der Webseite – “Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt” – fühlt sich dennoch bemüht an. Was auf der Webseite besser wirkt: Primark setzt auf Transparenz bei Informationen über Fabriken, aus denen der Handelsriese seine Produkte bezieht. Dazu gehören die Namen und Adressen der Fabriken, die jeweilige Mitarbeiterzahl sowie die Geschlechterverteilung der Belegschaft. Was wahrscheinlich an den Kunden im Markt jedoch vorbeigeht.

Primark bringt Wellness-Kollektion in die Läden

Nun soll eine nachhaltige, so genannte Wellness-Kollektion ab Ende Februar in die deutschen Läden kommen. Die Linie besteht aus mehr als 80 Produkten in den Bereichen Bekleidung, Wohnaccessoires und Kosmetik. Sie ist Teil einer weiteren Primark Cares-Initiative, mit der Primark mehr Verantwortung übernehmen und den Kunden mehr Produkte aus umweltfreundlicheren Materialien anbieten möchte.

Fest steht, dass mit der Kollektion mehr sichtbare “Nachhaltigkeit” in die Läden kommt. Doch für einen Imagewandel ist es noch ein langer Weg. Schuld daran ist auch, dass Primark als globaler Discounter zum Sündenbock für die Verfehlungen der gesamten Textilindustrie gemacht wurde und dies immer noch ist.

Der Gigant Primark ist die perfekte Zielscheibe für Menschenrechts-, Umweltaktivisten und einen Medien-Shitstorm: Dazu gehörten Nachrichten von gefälschten Hilferufen in Kleiderschildern im Jahr 2014. Bereits 2008 berichtete die Sendung “Panorama” von BBC TV mit Bildern von drei kleine Jungen bei der Herstellung von Kleidung, die in den Läden angeblich verkauft wurde. Nach drei Jahren, einer ausgedehnten Untersuchung durch Primark und einer umfassenden Überprüfung durch den BBC Trust, hat dieser bestätigt, dass dieses Material gefälscht war und die Sendung nie hätte ausgestrahlt werden dürfen.

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Vertrauen braucht Zeit

Trotz aller Bemühungen und Richtigstellungen von Primark genießt das Unternehmen weiterhin kein Vertrauen, denn die günstigen Preise machen skeptisch. Das Online-Magazin “Orange by Handelsblatt” berichtete im Frühjahr 2019 “Primark macht mit einem Shirt für 2,50 Euro Gewinn. Wie geht das?”. Man kam zu dem unspannenden Ergebnis: “Umso wichtiger ist es für Primark, viel zu verkaufen.” Eine Erkenntnis der Kategorie “Der Papst ist katholisch”.

Im Marketing-Mix ist und bleibt bei Primark die Preispolitik von überragender Bedeutung. Mit seiner Billigoffensive brachte das Unternehmen Wettbewerber in vielen Ländern in Bedrängnis. So floh C&A bereits im Jahr 2000 aus der Primark-Bastion England, weil der Händler nicht mit den Niedrigpreisen mithalten konnte. Kritiker bemängeln, dass Primark durch Kampfpreise Kleidung zu “Wegwerfartikeln” mache. Oder vielleicht ist es aber auch so, dass Teile der Gesellschaft nun mal “billig” in manchen Fällen bevorzugen und damit Primark groß gemacht haben. Es ist ein “Henne-Ei-Problem”, wo Ursache und Wirkung nicht festgestellt werden können und damit auch kein Schuldiger.

Natürlich kann auch Primark T-Shirts für 50 Euro verkaufen und beste Arbeitsbedingungen, hohe Löhne und nachhaltige Produktion schaffen, dann muss es aber nicht am anderen Ende der Welt in Bangladesch sein. Primark wäre dann Trigema. Der Textilhersteller produziert in Deutschland und wirbt damit, alle Rohstoffe aus EU-Ländern zu erwerben. Doch wie groß ist der Markt dafür und was machen dann die vielen Näherinnen in Bangladesch?

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