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Elefanten-Hochzeit von RTL und P7S1 zum TV-Champion? Das sagen Analysten zu Rabes Fusionsfantasien

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat jüngst gefordert, im TV-Markt größere Zusammenschlüsse zuzulassen. So brachte er Überlegungen ins Spiel, die beiden Sendergruppen RTL und Pro SiebenSat.1 zu einem nationalen TV-Champion zu verschmelzen. Doch Wertpapieranalysten sind skeptisch, ob ein solcher Zusammenschluss der TV-Giganten möglich ist.

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Ob Netflix, Amazon oder Disney+ im Inhaltemarkt oder Google, Facebook & Co, auf dem Werbemarkt: Die RTL Group wird von allen Seiten immer stärker von US-Riesen in die Zange genommen. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hat deshalb in einem Interview mit der “FAS“ dazu aufgerufen, den hiesigen TV-Markt zu deregulieren und größere Fusionen zuzulassen. Dabei brachte er auch indirekt einen Zusammenschluss von RTL und ProSiebenSat.1 ins Gespräch. Davon profitierten die Aktien beider Medienkonzerne. Die Notierungen legten gestern jeweils um drei Prozent zu.

Fusionsträume werden skeptisch gesehen

Doch Wertpapieranalysten sind skeptisch, ob sich Rabes Fusionsträume langfristig umsetzen lassen. „Ich kann mir auf absehbare Zeit nicht vorstellen, dass sich RTL und ProSiebenSat.1 zu einem nationalen TV-Champion zusammenschließen. Dies wird schon aus kartellrechtlichen Gründen schwierig“, meint Patrick Schmidt, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. Dennoch habe bei den Wettbewerbsbehörden ein Umdenken stattgefunden. „Da neue Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und demnächst Disney+ auf den Markt getreten sind und Werbeunternehmen wie Google weiter an Marktmacht gewinnen, ist das Kartellamt für Allianzen auf nationaler Ebene offener. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass RTL und ProSiebenSat.1 im vergangenen Jahr ein Ad-Tech-Bündnis eingegangen sind. Dies ermöglicht beiden Unternehmen, gemeinsam Online-Videos programmatisch zu vermarkten.“

Doch Schmidt fragt sich, ob der Bertelsmann-Chef einen Zusammenschluss tatsächlich erwägt – selbst wenn das Kartellamt mitspielt. „Ob die beiden Konzerne wirklich eine Elefanten-Hochzeit anstreben, halte ich derzeit für fraglich. Dazu sind beide Unternehmen vor allem im Inhaltsbereich zu sehr Wettbewerber.“ Dies sehe man daran, dass RTL der P7S1-Video-Plattform Joyn keine Inhalte zur Verfügung stellen will. Schmidt: „ProSieben schließt RTL bei Joyn nicht aus, sondern RTL möchte bei Joyn nicht mitmachen. Joyn erwünscht sogar eine Kooperation mit RTL“, meint der Analyst. Dabei wäre eine Zusammenarbeit der beiden Sendergruppen strategisch sinnvoll, um sich gegen die wachsende Marktmacht von Netflix, Amazon & Co. zu wehren. „Es wäre sicher wünschenswert, wenn RTL mit TVNow und ProSiebenSat.1 mit Joyn den Schulterschluss üben würden, um sich gegen die wachsende Konkurrenz der Streamingdienste besser zu behaupten“, betont Schmidt.

Fantasie für die Börse?

Auch Sarah Simon, Wertpapier-Analystin bei der Berenberg Bank, bewertet die von Rabe ins Spiel gebrachten Fusions-Fantasien zurückhaltend. „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass das Bundeskartellamt eine solche Fusion zulässt, auch wenn dies äußerst logisch ist. Die Synergien und die verbesserte Finanzkraft würden ihnen mehr Gelegenheit geben, um mit Netflix, Google, Amazon zu konkurrieren“, meint die Spezialistin. In Analystenkreisen wird Rabes Fusions-Äußerungen als Versuch gewertet, dem Börsenkurs von RTL Fantasie einzuhauchen. Denn die Notierung der Sendergruppe kennt seit Jahren nur eine Richtung: bergab. Lag der Aktienkurs noch vor fünf Jahren in der Spitze bei mehr als 96 Euro, sinkt er seit Jahren kontinuierlich auf inzwischen auf 44 Euro. Damit hat sich die Börsenkapitalisierung von RTL auf mehr als sechs Milliarden Euro halbiert. RTL ist aber kein Einzelfall. Medienaktien sind seit Jahren kein Renner.

Nun präsentiert die RTL Group am 13. März die Bilanzzahlen für 2019 und gibt einen Ausblick für 2020. Ob dies dem Börsenkurs der TV-Unternehmens Auftrieb verleiht, ist fraglich. Denn die Frankfurter DZ-Bank geht davon aus, dass die Sendergruppe in diesem Jahr vor einem Ertragsrückgang steht. „Wir gehen davon aus, dass RTL angesichts anstehender Investitionen in die Digitalisierung auf der Ertragsseite einen eher verhaltenen Ausblick für 2020 geben wird. Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum von 1,6 Prozent und einem EBITA-Rückgang von 1,5 Prozent“, schreibt die DZ-Bank in ihrer jüngsten Analyse. Sie empfiehlt, die RTL-Aktie weiter zu halten. Eine Kaufempfehlung ist aber wohl nicht in Sicht.

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