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Aktie auf 15-Jahreshoch: Der unendliche Siegeszug der New York Times

Das Verlagsgebäude der New York Times in der Eigth Avenue in Manhattan

Es ist ohne Frage der Goldstandard der Branche: Die New York Times ist sowohl nach journalistischen Kriterien als auch dem Geschäftsmodell das große Vorbild für Verleger rund um den Globus. Warum, hat die jüngste Quartalsbilanz vorgemacht: Umsätze und vor allem die Gewinne ziehen weiter deutlich an. Die Wall Street belohnt die anhaltende Erfolgsstory der NYT mit den höchsten Kursen seit 2004. Die 169 Jahre alte Traditionszeitung nutzt die Gunst der Stunde zu Preisanhebungen.

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Es sind Kurssteigerungen, wie man sie eigentlich nur von Internetaktien oder Tesla gewohnt ist: ein Plus von 12 Prozent an einem Handelstag, bzw. 17 Prozent in der vergangenen Woche. Ausgelöst hat sie nicht Amazon, Pinterest  oder der Elektroautopionier, sondern einer der ältesten Verlage der USA – die New York Times Company.

Und mehr noch: Am Dienstag gingen die Anteilsscheine des 1851 gegründeten US-Verlags gar auf dem höchsten Stand seit Ende 2004 aus dem Handel. Der bemerkenswerte Wertzuwachs seit den Tiefen der Finanzkrise 2008/09 beträgt inzwischen rund 900 Prozent.

Nettogewinn legt im vierten Quartal um 24 Prozent zu

Ausgelöst wurde der neuerliche Kursschub durch die jüngste Quartalsbilanz Anfang Februar, die die Erwartungen der Wall Street deutlich übertraf, obwohl die New York Times Company bereits Mitte Januar verkündet hatte, im Gesamtjahr 2019 mehr als eine Million neue Digitalabonnenten verbucht zu haben.

Am Freitag vorgegangener Woche folgte in Dollar und Cent der Nachtrag, der einmal mehr unterstrich, wie eindrucksvoll der NYT der Paradigmenwechsel von Print zu Digital gelungen ist. Während die Umsätze im letzten Quartal des Kalenderjahres 2019 moderat um ein Prozent auf nunmehr 508 Millionen Dollar zulegten, dabei aber die Analystenerwartungen von 502 Millionen Dollar übertrafen, zogen die Nettogewinne um gleich 24 Prozent auf bereits 68 Millionen Dollar an.

Das Geschäftsmodell Abonnentenerlöse funktioniert

Die NYT liefert damit den nachhaltigen Beweis, dass Leser bereit sind, für journalistische Qualitätsinhalte zu zahlen und dem Verlag damit ein tragfähiges Geschäftsmodell bieten. CEO Mark Thompson, der die Amtsgeschäfte 2012 übernommen hat, ist durch den Schwenk zu Digitalabonnements tatsächlich ein bemerkenswerter Turnaround gelungen.

Anfang der Zehnerjahre litt auch die von vielen als „beste Zeitung der Welt“ betrachtete NYT unter der Doppelherausforderung von wegbrechenden Printverkäufen und rückläufigen Werbeerlösen.

NYT-Digital-Abo zum Preis eines Netflix- und Spotify-Abos

Thompson entschied sich für die aggressive Wette auf Paid Content im Onlinezeitalter: Wer die Inhalte der New York Times auf dem Distributionsweg der Zukunft – dem Smartphone, Tablet oder Computer – lesen wollte, musste (von wenigen Appetizer-Artikeln abgesehen) zahlen.

Allerdings nichts besonders viel: Die psychologisch wichtigste Eintrittsbarriere von 10 Dollar pro Monat, die lange Zeit als Goldstandard für ein Digitalabo (Netflix, Spotify, Apple Music) galt, wird zumindest für Neukunden nicht durchbrochen; erst im zweiten Jahr werden sie mit 15 Dollar zur Kasse gebeten. (Deutsche Neukunden kommen aktuell im ersten Jahr für den bemerkenswerten Wochenpreis von lediglich 1 Euro bzw. 4 Euro pro Monat zum Zuge – im zweiten Jahr verdoppelt sich das Digitalabo auf 8 Euro im Monat.)

343.000 neue Digital-Only-Abonnenten in drei Monaten

Dass sich mit einem vergleichsweise attraktiven Abopreis zahlreiche zahlungswillige Leser gewinnen lassen, zeigen die enormen Abonnenten-Zuwachsraten in den vergangenen Jahren. Allein in den 92 Tagen zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember entschieden sich 343.000 neue Digital-Only-Abonnenten für das Angebot der „Gray Lady“ – ein Zuwachs von mehr als 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Innerhalb von drei Jahren hat die NYT die Anzahl der Digital-Neuabonnenten damit mehr als verdoppelt und auf Sicht von fünf Jahren gar vervierfacht.  Insgesamt bringt es die 169 Jahre alte Traditionszeitung nunmehr auf bereits über 5 Millionen Abonnenten, von denen sich 3,4 Millionen für das Digitalangebot entschieden.

Mehr als die Hälfte der Umsätze durch Abonnements

Der US-Vorzeigezeitung, die bereits 127 Pulitzer-Preise gewonnen hat, befindet sich damit straff auf Kurs, um die eigene Zielsetzung von 10 Millionen Abonnenten bis zum Jahr 2025 bereits vorher zu übertreffen. Entsprechend tragen die Abonnentenerlöse einen immer größeren Teil zur gesamten Geschäftsentwicklung bei.

Im jüngsten Quartal konnte das in der Eigth Avenue in Manhattan beheimatete US-Unternehmen bereits 275,3 Millionen Dollar seiner Umsätze durch Leserabos bestreiten – ein Anteil von 54 Prozent der gesamten Konzernumsätze. Mit Erlösen von 122 Millionen Dollar machen Digitalabonnements bereits 44 Prozent der gesamten Abonnentenerlöse aus und sind damit in den kommenden Quartalen für den nächsten Meilenstein prädestiniert: höhere Leserumsätze durch das Onlineangebot als durch die Printausgabe.

NYT monetarisiert Wachstum mit Preisanhebungen

Nach Analysteneinschätzung dürfte das Wachstum des US-Renommeeverlags auch im laufenden Jahr weitergehen, wenn auch verlangsamt. So rechnet die Wall Street im Geschäftsjahr 2020 mit einem moderaten Umsatzplus von fünf Prozent auf Erlöse in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar, während der Konzerngewinn dagegen dynamisch um 41 Prozent wachsen sollte.

Wie der Umsatz- und Gewinnzuwachs u.a. erzielt werden soll, konkretisierte CEO Mark Thompson vorvergangene Woche: So strebt die NYT im März eine Anhebung des monatlichen Abopreises von 15 auf 17 Dollar bei Bestandskunden an.

Die Wall Street verspricht sich offenkundig einiges von der Monetarisierung des anhaltenden Wachstums: Nach Kurszuwächsen von bereits 23 Prozent in den ersten sieben Wochen des Jahres notieren die Anteilsscheine der New York Times Company marginal unter der Marke von 40 Dollar. Lediglich noch 25 Prozent fehlen damit bis zur Einstellung der Allzeithochs aus dem Jahr 2002, mit dem die NYT die größte Story zur digitalen Disruption der Verlagsbranche liefern würde – mit einem Happy End.

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