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Kommentar: Warum ein neuer EVT für die “FAS“ ein Schlag für die Presselandschaft wäre

"FAZ"-Geschäftsführer Thomas Lindner

„FAZ“-Chef Thomas Lindner testet, den Erscheinungstag der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ auf den Samstag vorzuverlegen. Das ist nicht ohne Risiko, dem Verlag könnte ein publizistischer Rückschlag auf dem hart umkämpften Markt der Sonntagszeitungen drohen. Konkurrent Axel Springer dürfte sich freuen.

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Jahrelang war der Sonntagsmarkt für Zeitungen fest in der Hand von Axel Springer. Ob „Bild am Sonntag“ oder „Welt am Sonntag“ – neben heißem Kaffee und knusprigen Brötchen fand sich meist eine der beiden überregionalen Zeitungen des Berliner Medienhauses auf dem sonntäglichen Frühstückstisch. Doch vor rund 20 Jahren knackte der Verlag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ das Quasi-Monopol von Springer am Sonntag. Modernes Layout, mehrfarbige Aufmachung: Als neue „Familienzeitung“ starteten die die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, um den Platzhirschen Springer aus seinem angestammten Revier zu vertreiben oder zumindest empfindlich zu stören. Der Coup gelang: Die „FAS“ fand ihren Platz am Kiosk. Dies lag vor allem daran, dass sich viele Leser am Sonntag eine politische Gegenstimme zur Springer-Presse wünschten.

Marktstellung am Sonntag steht auf dem Spiel

Jetzt setzt die „FAZ“ ihre einst hart erkämpfte Marktstellung am Sonntag aufs Spiel. Der Verlag testet, die Erscheinungsweise der „FAS“ auf denƒ Samstag zu verlegen (MEEDIA berichtete). Der Grund ist klar: Steigender Mindestlohn für Zusteller und weniger Verkaufsstellen treiben den Frankfurtern die Sorgenfalten ins Gesicht. Die eigene Zeitungszustellung rechnet sich wirtschaftlich nicht mehr.

Sollte der Markttest bei den Lesern ankommen und der EVT der „FAS“ tatsächlich vorverlegt werden, droht den Frankfurtern aber ein schwerer publizistischer Rückschlag. „FAZ“-Geschäftsführer Thomas Lindner bleibt dann nichts anderes übrig, als die „FAS“ mit der Samstags-Ausgabe der „FAZ“ zu verschmelzen. Zu groß wäre das Risiko, dass sich beide Titel sonst am Markt kannibalisieren. Auch die Vermarktung hätte das Nachsehen. Sie hätte vermutlich große Probleme, Werbetreibenden zwei zeitgleich erscheinende Printprodukte schmackhaft zu machen.

Zustellung ist nur Teil des Problems

Die Zustellung der „FAS“ ist aber nur ein Teil des Problems. Der Titel verliert seit Jahren an Auflage. Zählte das Sonntagsprodukt vor zehn Jahren noch mehr als 200.000 Abos und mehr als 80.000 Exemplare im Einzelverkauf, waren es im 4. Quartal 2019 nur noch etwas mehr als 154.000 Abos und knapp 38.000 Stück im EInzelverkauf. Vor allem junge Leser erreicht die Zeitung immer weniger. Die Redaktion hätte beherzter gegen den Markttrend arbeiten können, um die Sonntagszeitung auf festere Standbeine zu stellen.

Nun steckt die „FAS“ in einem Dilemma. Kommt es zu einer Verschmelzung mit der Samstagsausgabe, würde Verlagschef Thomas Lindner ein Erscheinungstag fehlen. Dies könnte sich auf Vertriebs- und Vermarktungszahlen der Gruppe negativ auswirken. Damit bestünde die Gefahr, dass die Personalkosten – vor allem in der Redaktion – auf den Prüfstand gestellt werden. Legt die „FAZ“-Spitze die „FAS“ mit der Samstag-Ausgabe zusammen, wäre dies ein Schlag für die Presselandschaft. Damit würde die „FAZ“ ihrem Konkurrenten Springer wieder allein das Feld am Sonntag überlassen. Dies würde die Berliner angesichts der aktuellen Ertragsprobleme der blauen „Welt“-Gruppe freuen. Sie wären wieder Quasi-Monopolisten am Sonntagsmarkt.

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