Fokus auf regionale Inhalte: ARD-Intendanten verdoppeln Sendezeit der “Tagesthemen” am Freitag

"Tagesthemen"-Moderatoren: Ingo Zamperoni und Caren MiosgaFoto: NDR/Thomas Pritschet

Mehr Hintergrund, mehr regionale Berichte – so lautet der neue Plan der ARD. Dafür erhält eines der Nachrichten-Flaggschiffe, die "Tagesthemen", am Freitag künftig 15 Minuten mehr Zeit. Das hat die ARD-Gemeinschaft bei der Intendantensitzung in Köln beschlossen. Für die Sendungen von Montag bis Donnerstag gibt es ebenfalls Ideen.

von Thomas Borgböhmer

“Das Erste” möchte in Zukunft sein Informationsangebot erweitern und wird ab dem 3. April die Freitagsausgabe der “Tagesthemen” verlängern. Das Format hat dann doppelt so viel Sendezeit wie bisher, 30 statt 15 Minuten – läuft aber wie gewohnt ab 21.45 Uhr. Im selben Zuge wird auch die Sendezeit vom “Bericht aus Berlin” verlängert sowie – nach der Einstellung der “Lindenstraße” – ein neues Programmschema am Sonntag etabliert, das ab April greifen soll.

Bei der Pressekonferenz zur ARD-Intendantensitzung in Köln, die nach “zweieinhalb harten Tagen” stattfand, wie der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow betonte, stellten er und Volker Herres die Neuerungen im Programm vor. Der Programmdirektor des Ersten sagte, dass die ARD damit einem steigenden Interesse an vertiefenden Informationen und Einordnung der weltweiten Geschehnisse nachkommen wolle, das man in den vergangenen Monaten registriert habe.

Leicht versetzt laufendes “heute journal” im ZDF kein Hindernis

Mit dem Schritt möchten die Intendanten einerseits mehr Hintergründe zu politischen Ereignissen liefern und andererseits den Fokus aufs Regionale verstärken. Buhrow sprach davon, die “gesamte Lebenswirklichkeit” abzubilden, Herres assistierte und sprach angesichts einer tendenziell eher negativen Berichterstattung von konstruktivem Journalismus. Es soll mehr konkrete Beispiele zu den teils abstrakten Beschlüssen der Bundespolitik geben. Bei Themen wie Migration, Strukturwandel und Infrastruktur soll vermehrt nach positiven Beispielen gesucht werden.

Dass die “Tagesthemen” damit künftig leicht versetzt zum “heute journal” im ZDF laufen werden, das um 22 Uhr beginnt, sei vertretbar. Der ZDF-Intendant Thomas Bellut sei bereits informiert.

“Gemeinsamer Wunsch” nach Verlängerung um fünf Minuten, aber kein Beschluss

Bereits am Dienstag waren Pläne der ARD durchgesickert, die unter dem Arbeitstitel “Eine Region, vier Perspektiven” laufen. Das Medienportal “Übermedien” hatte aus einem Konzeptpapier dazu zitiert. “‘ARD-aktuell’ möchte die Fragen und Probleme der Bürger*innen ausführlicher, tiefgründiger und vor allem von vor Ort abbilden”, heißt es dort. “Gestärkt wird damit der Blick auf die ländlichen Regionen und die ostdeutschen Bundesländer und soll zu einem besseren Verständnis und Miteinander in unserer Gesellschaft führen.”

Demnach sollten auch die Ausgaben von Montag bis Donnerstag verlängert werden, von bislang 30 Minuten auf 35 Minuten. Der Vorstoß blieb laut Medienbericht freilich nicht ohne Widerstand. So soll Herres in einem Schreiben davor gewarnt haben, dass die Quoten späterer Programme unter der fünfminütigen Verlängerung der “Tagesthemen” wegen “nachteiliger Umschaltzeitpunkte” leiden könnten. Aus seiner Sicht könnten Schwerpunkte auch ohne eine Verlängerung gesetzt werden. Kritisch wird auch beäugt, ob sich das regionale Konzept “Tag für Tag und auf Strecke journalistisch attraktiv und überzeugend bespielen” ließe. Hinzu kommen die vermutlich höheren Kosten für die einzelnen öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Dass es Differenzen gegeben habe, verneinte Herres bei der Pressekonferenz. Er müsse in seiner Position immer auch daran denken, was eine Verlängerung der einen Sendung für Folgen für andere Formate habe.

Nach den zweieinhalb Tagen einigten sich die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Anstalten nun darauf, jene Anpassung anzuregen. Es handele sich um einen “gemeinsamen Wunsch”. Die ARD-Chefredakteure und die Redaktion “ARD aktuell” sollen ein entsprechendes Konzept erarbeiten und vorlegen. Herres zeigte sich jedoch optimistisch, dass das Konzept bereits zum April ausgearbeitet werden könne. Es sei noch Arbeit nötig, weitere Details wurden nicht genannt.

Scheitern könne die fünfminütige Verlängerung eigentlich nur noch dann, so Herres, wenn den Verantwortlichen inhaltlich nichts einfallen würde. Das schloss er aber aus. Die Entscheidung fällt als letzte Instanz die Fernsehprogrammkonferenz.

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