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Kommentar: Bundesliga-Poker hat begonnen – warum es für Sky jetzt um alles geht

In den kommenden Wochen entscheidet sich, wer den Zuschlag für die DFL-Übertragungsrechte in Deutschland bekommt. Am Montag hat die Registrierungsphase begonnen. Für Sky geht es, wenn es hart auf hart kommt, um die Existenz. MEEDIA klärt die Fronten und fragt: Ist DAZN das bessere Sky? Ein Kommentar.

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Mein erster Stadionbesuch ist über 25 Jahre her. Damals spielte Bayern München noch im Olympiastadion, der Gegner hieß Bayer Uerdingen und ein Pay-TV-Sender namens Premiere machte sich gerade auf, die Wochenendpläne aller Fußballfans und solcher, die sich aus Interesse, Solidarität oder der Kartoffelchips wegen mit aufs Sofa setzten, umzuschreiben. 25 Jahre später – im Februar 2020 – dümpelt der Ex-Werksclub KFC Uerdingen im Niemandsland der Dritten Liga umher (aktuell auf Platz 9) und Ex-Premiere, heute Sky steht „dramatisch unter Druck“, wie die dpa diagnostiziert. Anders formuliert: Aus dem 90er-Revolutionär ist ein 20er-Platzhirsch geworden, der unter anderem gegen die jungen Wilden von DAZN um seinen Status röhrt.

Im modernen Fußball ist nichts heilig

Am Montag hat nun die Ausschreibung zur Vergabe der deutschsprachigen Übertragungsrechte der Deutschen Fußball Liga (DFL) für vier Spielzeiten, namentlich der Saisons 2021/22 bis 2024/25, offiziell begonnen. Aktuell läuft die Registrierungsphase des „offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Verfahrens“ (DFL). Und weil im modernen Fußball – in den Getränkehersteller einsteigen (Red Bull), Unsummen für einzelne Spieler bezahlt (Neymar) und Weltmeisterschaften in der Wüste (Katar 2022) ausgetragen werden – wenig sicher ist und nichts mehr heilig, könnte es zu der ein oder anderen Überraschung kommen. Auch ein echter Paukenschlag (oder gleich mehrere) lässt sich nicht per se ausschließen.

Klar ist nur, dass nicht ein Anbieter alle vier Rechtepakete exklusiv erwerben wird. Für weitere Prognosen nah an der Gewissheit ist das Bewerberfeld um die DFL-Rechte zu breit, zu heterogen, zu unberechenbar. Zudem gibt es auch noch das Geschäft mit den Sublizenzen. Aktuell belaufen sich die Einnahmen der DFL für die nationalen Rechte auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro pro Saison, weitere hunderte Millionen kommen für Live-Übertragungen und anderes im Ausland hinzu. Neben Amazon, DAZN und der Deutschen Telekom werden im laufenden Verfahren auch Namen wie Apple, Disney und Google gehandelt, was Sky erwartungsgemäß nicht davon abhält, den Kampf anzunehmen. Was bleibt auch anderes übrig?

Mehr als Durchhalteparolen

Einerseits: Kämpfen ist man bei Sky ohnehin gewohnt. Rückschläge auch, jüngst etwa bei den Übertragungsrechten der Champions League. Das Problem ist allerdings, dass der (teilweise) Verlust der DFL-Rechte für Sky eben nicht nur ein Rückschlag wäre. Für den Sender könnte das aktuelle Ausschreibungsverfahren, glauben manche, zur Existenzfrage werden. Schließlich ist der Profifußball ein wichtiges Verkaufsargument für Sky-Abos. 

Angesichts dessen braucht es mehr als nur reine Durchhalteparolen, weiß auch Sky. Der dpa sagte ein Sprecher jüngst: „Sky ist die Nummer 1 für alle Sportfans – heute und in Zukunft“. Aber stimmt das überhaupt? Zumindest beim Thema Fußball sind da Zweifel angebracht. Allerdings nicht zwangsläufig, weil Sky in seiner Berichterstattung immer und überall Fehler machen würde. Viel mehr geht es um das große Ganze, die Kritik am „modernen Fußball“ und darum, welche Rolle Sky darin zugeschrieben wird.

Was das Fanherz höher schlagen lässt

Die Diskussionen darüber, wie sich der Fußball in den vergangenen Jahren entwickelt hat, reißen nicht ab. Die Bandbreite der Reizthemen reicht von den Millionengehältern der Stars über die hohen Ticketpreise bis hin zum Alkoholverbot im Stadion oder dem umstrittenen Videobeweis. Der Vorwurf, wonach eine Kommerzialisierung und Entertainisierung des Fußballs auf Kosten des Spiels stattfinde, ertönt dabei längst nicht mehr nur aus den Kurven und Blöcken der Ultras. Auch weniger heißblütige Fans sind sauer oder zumindest genervt. Da passen die Sky-Übertragungen mit ihren teuren Experten, den gebrandeten Outfits, den Werbeblöcken in den Pausen, Werbeeinblendungen sogar während des Spiels und die Odyssee, die der Einzelne auf sich nehmen muss, um erstmalig ein Sky Ticket zu buchen, ins (Feind-)Bild.

Im Vergleich zu Sky punktet Konkurrent DAZN mit Authentizität, Bolzplatz-Attitüde und Startup-Atmosphäre. Die Übertragungen sind vergleichsweise Low-Budget. Die meisten Kommentatoren, Moderatoren und Experten sind jung und frisch, manche erst am Anfang ihrer Karriere. Hinzu kommen kleine, aber feine Kniffe, die das Fanherz höher schlagen lassen; etwa ein „Legenden-Kommentar“ von Manni Breukmann oder, dass manche Kommentatoren die Online-Community direkt in ihren Live-Kommentar einbinden.

Gebrandete Outfits hier, Online-Community im Live-Kommentar dort: Es mögen mitunter auch nur Kleinigkeiten sein, Nuancen vielleicht, die die Konkurrenten voneinander unterscheiden. Wenn es aber eng wird, können auch Kleinigkeiten und Nuancen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Und damit auch über die Zukunft von Sky. 

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