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Trendumfrage Zeitungen: Noch fünf Jahre Durststrecke, bevor Digital-Erlöse die Print-Verluste kompensieren

BDZV-Geschäftsführerin Katrin Tischer
BDZV-Geschäftsführerin Katrin Tischer Foto: BDZV

Eine aktuelle Trendumfrage des BDZV verbreitet Optimismus für die Zeitungsbranche. Im Kampf gegen die Ertragskrise hoffen Verleger und Chefredakteure auf Paid Content und digitale Innovation. Über die Hälfte der Befragten erwartet, dass Digitalerlöse Printverluste kompensieren – aber erst 2025.

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Von Martin Jahrfeld  

Die Stimmung ist besser als die Lage. Deutschlands Zeitungsverleger glauben an den Turnaround und rechnen damit, die anhaltenden Rückgänge im Vertriebs- und Anzeigenmarkt langfristig durch neue Erlöse im digitalen Geschäft kompensieren zu können. Dies zumindest ist das Ergebnis eines Stimmungsbildes, das der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) auf Basis einer repräsentativen Befragung seiner Mitglieder sowie einiger Digital Publisher ermittelt hat.

Investieren gegen den Abwärtstrend

Investitionen in neue und bestehende Paid Content-Modelle, neue Vertriebskonzepte auf Basis digitaler Abo-Modelle sowie die Erprobung innovativer Newsletter und Podcasts sollen den wirtschaftlichen Abwärtstrend in den Verlagshäusern stoppen und für eine Trendumkehr sorgen. “Beim Thema Digitalisierung haben die Zeitungsverlage die Experimentierphase inzwischen hinter sich gelassen. Jetzt geht es um die konkrete Umsetzung der neu entwickelten Geschäfts- und Erlösmodelle”, betonte BDZV-Geschäftsführerin Katrin Tischer bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin. Teilnehmer der Studie “Trends in der Zeitungsbranche 2020” waren 79 Verleger und Geschäftsführer, 39 Chefredakteure sowie 14 Digital-Publisher, die zusammen etwa 58 Prozent der Tageszeitungsauflage in Deutschland präsentieren.

Quelle: BDZV/Schickler

Die von der Unternehmensberatung Schickler erhobene Studie verdeutlicht jedoch auch, dass es für die Branche noch eine lange Durststrecke zu überwinden gilt. Bevor die digitalen Investitionen Früchte tragen, wird es nach Ansicht der Entscheidungsträger noch einige Jahre dauern. Eine Kompensation der Rückgänge im Printgeschäft mittels wachsender Digitalerlöse erwarten 54 Prozent der Befragten erst für das Jahr 2025. Fast jeder Zweite der Befragten (46 Prozent) hält selbst diesen fernen Zeitpunkt noch für verfrüht.

Digitale Erlöse sollen schon 2020 an Fahrt gewinnen
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Allerdings rechnet die Branche damit, dass die digitalen Erlöse schon im laufenden Jahr erheblich an Fahrt gewinnen werden. Die durch Paid Content erwirtschafteten Umsätze bei E-Paper- und Paid Content-Abonnements sollen um 11 bis 14 Prozent wachsen, die digitalen Werbeerlöse um immerhin sieben Prozent. Derartige, auf zumeist geringen Basiswerten erzielte Zuwächse erscheinen dringend nötig angesichts eines Kerngeschäftes, dass nach Erwartung der Verleger auch 2020 in der Abwärtsspirale gefangen bleibt: Bei Print-Abos wie auch bei den Werbeerlösen kalkulieren die Befragten für das laufende Jahr mit Umsatzrückgängen von durchschnittlich vier Prozent. 

Der BDZV verweist jedoch auf die neue, auf Digitalisierung ausgerichtete Denkweise, die in vielen Chefetagen mittlerweile Einzug gehalten habe. Nahezu die Hälfte der Zeitungsverlage richte Prozesse und Strategien bereits heute ganz auf digitale Erfordernisse aus, so der Verband. “In drei Jahren werden sich 80 bis 90 Prozent der Verlage wesentlich auf digitale Kanäle fokussieren”, erwartet Verbandsgeschäftsführerin Tischer. 

Im Fokus der Erwartungen steht der Aufbau digitaler Abonnementmodelle. Für fast alle Verlage hat Paid Content mittlerweile eine hohe Relevanz, wobei das Angebot kostenpflichtiger Inhalte kontinuierlich gesteigert werden soll. Während der Anteil von Paid Content auf den Online-Seiten der Tageszeitungen heute bei 31 Prozent liegt, soll nach dem Willen der Branche in drei Jahren jeder zweite Text kostenpflichtig sein. Wachsende redaktionelle Relevanz erhoffen sich die Verleger auch durch die Einführung von Newslettern und Podcasts: Eine deutliche Mehrheit der Befragten erwartet hiervon eine stärkere Leserbindung sowie die Erschließung neuer Zielgruppen.

Größere Verlage kommen mit dem Wandel besser zurecht 

Die Studie offenbart jedoch auch, dass die digitale Ausrichtung der Vertriebsstrukturen und Redaktionsabläufe größeren Verlagshäusern in der Regel leichter fällt als kleineren Anbietern. Während Unternehmen wie die Mediengruppe Madsack oder Springers “Welt”-Gruppe ihre Prozesse frühzeitig an digitale Erfordernisse angepasst haben, hinken viele kleinere Verlage bei diesen Aufgaben hinterher. Anders als die Großen haben sie, zumal in der Provinz, meist weniger Zugang zu unternehmensübergreifenden Kooperations- und Netzwerklösungen. Zudem verspüren sie oft weniger Problemdruck, da ihre Erlöse auf regional oft noch weitgehend intakten Vertriebs- und Anzeigenmärkten bisher relativ stabil sind.

Anlass zu Beruhigung bietet das kaum. Gerade kleinere Zeitungsverlage erleben wachsende Probleme bei der Rekrutierung geeigneter Fach- und Nachwuchskräfte, insbesondere wenn es um guten journalistischen Nachwuchs und um Digital-Experten geht – Personal, das schwer zu finden ist, für die selbst gesteckten Innovations- und Investitionsvorhaben der Branche aber dringend benötigt wird. Die aktuelle Trendumfrage des BDZV gibt über dieses Problem keine Auskunft, da das Thema nicht abgefragt wurde. Der Verlegerverband, so Geschäftsführerin Tischer, behandelt das Problem derzeit vor allem im Rahmen seiner Arbeitskreise.

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Alle Kommentare

  1. Warum es nicht einfach mal mit wahrheitsgemäßer Berichterstattung versuchen? Eventuell wäre das den Lesern ja Geld wert.

    1. Paul Mayer sagt:
      06.02.2020 um 12:07 Uhr

      Warum es nicht einfach mal mit wahrheitsgemäßer Berichterstattung versuchen? Eventuell wäre das den Lesern ja Geld wert.

      Das klappte bereits bei der Hamburger MoPo nicht. Keine Einsicht! 0 %!

      Hier geht es aber um Digital Erlöse.

      Digital Erlöse lassen sich anders generieren. Nämlich durch jede Menge tracker und externe Datenschleudern. SPON und andere machen das gerne und sind sich selbst für die schäbigste Werbung nicht zu schade während in den Artikeln über die Krake google geschrieben wird.

      Noch fünf Jahre Durststrecke

      5 Jahre? … und dann sprudelt die Geldquelle? Ein Problem sehe ich da, nämlich

      Paul Mayer sagt:
      06.02.2020 um 12:07 Uhr

      Warum es nicht einfach mal mit wahrheitsgemäßer Berichterstattung versuchen? Eventuell wäre das den Lesern ja Geld wert.

      Die Einsicht zu dieser Erkenntnis fehlte aber bereits der MoPo in Hamburg.

    2. Sie meinen mit „wahrheitsgemäßer Berichterstattung“ vermutlich das, was Sie für „Wahrheit“ halten und lesen wollen?

  2. Vielleicht sollte man mal über die INHALTE nachdenken, weniger über die Art wie es präsentiert wird.
    Die DDR Blockparteizeitungen waren ja pluralistischer als die großen überregionalen Zeitungen es in der Bundesrepublik Deutschland heute sind.
    Journalisten wechseln ja auch munter zwischen den Verlegern, ohne daß sie ihre Meinung ändern.

    1. Liebe Frau Kaiser, wenn Sie behaupten, dass die DDR-Blockparteizeitungen pluralistischer waren, hatten Sie vermutlich niemals eine solche in der Hand – oder Sie haben überhaupt noch nie ernsthaft überregionale Zeitungen gelesen. Erkennen Sie tatsächlich keinen Unterschied zwischen Junge Freiheit, Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche und TAZ?
      Und wie können Sie ernsthaft verlangen, dass ein einzelner Journalist, der den Verlag wechselt, plötzlich auch seine Meinung ändern muss?

  3. Man könnte die Durststrecke mit Verschlankungen und besserem Personal durchaus reduzieren.
    So sorgen viele Haltungsbewusste Journalisten eher dafür, dass Leser angewidert weg bleiben und der Break Even nach hinten verschoben wird. Wenn man diese “freistellen” würde und stattdessen gute Artikel veröffentlicht, könnte man schneller in die Gewinnzone gelangen.
    Ich schätze, dass pro Blatt so locker 30-50% Einsparungen bei der Belegschaft möglich sind.

  4. In den letzten zehn Jahren wurde fast die Hälfte der Lesenden weggeschrieben. In den nächsten fünf Jahren soll diese Zahl so weit fallen, respektive so viele alte, weiße Männer gestorben sein, dass der Rest durch Digitalerlöse kompensiert werden kann.

    Den Auftraggebern der Studie sichern die daran Glaubenden die Gehälter. Endlich wieder ein Fünf-Jahresplan.

  5. “Noch fünf Jahre Durststrecke, bevor Digital-Erlöse die Print-Verluste kompensieren”
    Diese vom BDZV in dieser Form publizierte Aussage kann man auch anders interpretieren: die Interviewten sind Realisten und der Meinung, dass Print in den kommenden fünf Jahren zuvor stark und bis dahin so weit und gering rückläufig ist, dass Digital selbst diesen geringen Rückgang kompensiert.

    Andere Meinungen?

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