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Warum der Brexit für den deutschen Media-Standort mehr Chancen als Risiken bietet

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Foto: Adobe Stock

Am 31. Januar tritt Großbritannien aus der Europäischen Union aus. Deutsche Medienhäuser und Mediaagenturen bleiben erst einmal gelassen. Der Brexit könnte den Mediaagenturen in der EU sogar mehr Etats aus den Vereinigten Staaten bringen.

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Dem bevorstehenden Brexit sehen deutsche Medienhäuser relativ gelassen entgegen. Dazu gehört das Münchener Medienunternehmen Hubert Burda, das in Großbritannien vor drei Jahren mit dem Erwerb von Immediate Media einen großen Coup landete. “Unser Business in UK wächst kontinuierlich. Der Brexit hat keine großen Auswirkungen auf unser Geschäft, weil es rein lokal ist. Deshalb sind wir zuversichtlich und rechnen nicht mit Einbrüchen”, erklärt ein Firmensprecher gegenüber MEEDIA. Immediate Media mit 1.300 Beschäftigten publiziert hier unter anderem die Fernsehzeitschrift “Radio Times”, viele Heim- und Hobbymagazine und ist bei E-Commerce, TV-Shopping, Online-Marketing und Marktforschung aktiv.

Ob die RTL-Tochter Fremantle, die Buchgruppe Penguin Random House oder die Musiksparte BMG – für Bertelsmann ist das Geschäft in Großbritannien relativ überschaubar. Rund 6,5 Prozent trugen hier die Aktivitäten 2018 zum Konzernumsatz bei. Ein Jahr zuvor waren es noch 6,8 Prozent. Dennoch: “Das Vereinigte Königreich bleibt für Bertelsmann auch in Zukunft von großer Bedeutung”, betont ein Firmensprecher. Sollte sich hier durch den Brexit das Wirtschaftsklima verschlechtern, sei der Gütersloher Medienkonzern gut gerüstet: “Bertelsmann ist finanziell und strategisch im Vereinigten Königreich gut aufgestellt, um auf jeweilige Entwicklungen auch kurzfristig reagieren zu können”, meint ein Sprecher. Dass die Briten jetzt eine Beschluss, sieht Bertelsmann positiv. “Klare und verbindliche Regeln vereinfachen die Planbarkeit für Unternehmen enorm”, so ein Sprecher.

Springer “auf alle Szenarien gut vorbereitet”

Auch der Berliner Medienriese Axel Springer ist in Großbritannien vertreten – vor allem im Digitalgeschäft. Dazu gehören Aktivitäten des Job-Portals Stepstone. Dies hatte hier vor einigen Jahren mit dem Erwerb von totaljobs einen großen Wachstumssprung gemacht. Auch auf dem Immobiliensektor verstärkten sich die Berliner. Sie beteiligten sich an Purplebricks, nach eigenen Angaben Marktführer für digitale Immobilienplattformen. Springer rechnet offenbar damit, dass sich der Brexit in diesem Jahr kaum auswirken wird. “Bis Ende 2020 wird es eine Übergangsphase geben, in der sich nach unseren Kenntnissen wenig ändern wird. Wie die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU gestaltet werden, wird sich erst im Laufe dieses Jahres zeigen”, so ein Springer-Sprecher. Daher könne sich der Konzern  zu den möglichen Folgen derzeit nicht äußern. “Generell gilt aber, dass wir bei Axel Springer und bei unseren Tochtergesellschaften auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet sind”, so ein Sprecher.

Bauer in UK stark vertreten

Stark vertreten ist die Hamburger Bauer Media Group auf der britischen Insel. Das Unternehmen ist hier Marktführer in der Radiobranche und damit von Werbeerlösen sehr abhängig. An ihrem dortigen Engagement wollen die Hamburger trotz des EU-Austritts der Briten nicht rütteln. “Großbritannien ist einer unserer Kernmärkte, an dem wir weiterhin festhalten. Erst vor Kurzem haben wir Investitionen sowohl in unser Audio- als auch in unser Publishing-Geschäft dort getätigt und werden auch zukünftig Wege suchen, unser Angebot auszubauen”, erklärt eine Firmensprecherin.

Zu Prognosen, wie sich der EU-Austritt der Briten auf das Werbegeschäft auswirkt, hält sich der Verlag aber bedeckt: “Wir beobachten die Brexit-Situation im Hinblick auf unser lokales und globales Geschäft und werden auch potenzielle Veränderungen im Anzeigengeschäft genau erfassen und analysieren.” Das könnte daran liegen, dass die Meinungen über den Konjunkturverlauf auseinander driften. Einige Auguren rechnen damit, dass die Wirtschaft in eine Rezession schlittert, andere hingegen erwarten langfristig einen Aufschwung.

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Mediaagenturen aus der EU könnten vom Brexit profitieren

“Der Brexit wird auch Auswirkungen auf die Werbewirtschaft haben, in UK mehr als in Deutschland. Wie hoch die Auswirkungen sein werden, lasst sich nur schwer einschätzen, allerdings werden sie weniger stark sein, als noch vor zwölf Monaten erwartet”, so Joachim Schütz, Geschäftsführer der Organisation der Werbungtreibende im Markenverband (OWM).

Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer der Organisation der Mediaagenturen (OMG), ist der Meinung, dass die Effekte auf den Werbemarkt nicht isoliert von der globalen gesamtkonjunkturellen Entwicklung und den Risiken gesehen werden dürfen. So würden etwa die spezifischen Handelsbeziehungen beispielsweise der USA mit China, mit der EU und speziell dann auch mit Großbritannien beziehungsweise zwischen der EU und China starke Auswirkungen zeigen. “Mit Blick auf den Brexit rechnen die OMG-Mitglieder jedoch damit, dass 2020 zunächst ein Jahr des Übergangs wird und das Thema erst in 2021/22 im operativen Geschäft relevant wird”, so Schulz, der die größte Herausforderung für die Mediaagenturen weiter bei der Digitalisierung sieht.

“Weltweit zunehmende Unsicherheit”

Für den Transformationsberater Willms Buhse verstärken sich durch den Brexit einige Themen, die nicht zur eigentlichen Wertschöpfung beitragen wie Datenschutz, Markenrechte, Steuern oder Zölle. “Das Schlimme ist, dass diese weltweit zunehmenden Unsicherheiten bei Firmen zu viele der knappen Ressourcen und Zeit binden, die eigentlich dringend für unternehmerischer Tätigkeiten eingesetzt werden müsste”, erläutert Buhse.

Morten Malmbak, Director Strategy New Business & Marketing, bei Havas Media Germany, sieht hingegen positive Effekt für die Mediaagenturen in der EU und einen Verlierer: London. Von dort werden aktuell nämlich sehr viele internationale Mediaetats gesteuert. “Vor allem für amerikanische Unternehmen wird England traditionell als Brückenkopf in die europäischen Märkte gesehen. Mit dem Brexit dürften viele Unternehmen die Entscheidung überdenken und nach Alternativen suchen”, erläutert Malmbak.

Große Chancen für Frankfurt

Es entstünden für Deutschland, und vor allem Frankfurt mit seiner zentralen Lage, der internationalen Arbeitsbevölkerung und dem erstklassigen Flughafen, große Chancen. “Es verwundert nicht, dass mit Havas International aktuell schon die größte Zentrale für internationale Mediakoordination in Frankfurt sitzt und möglicherweise weitere Kunden, die vor dem Brexit fliehen gewinnen wird”, resümiert Malmbak zuversichtlich.

Der britische Konzern WPP, der aus Werbedienstleistern und Medienunternehmen besteht, hat sich als global tätiges Unternehmen früh darauf konzentriert, Mitarbeiter und Kunden auf die Auswirkungen des Brexit vorzubereiten. Daher soll der Brexit zunächst keinen wesentlichen Einfluss auf die Dienstleistungen des Konzerns für britische und internationalen Marken haben. WPP ist sich zudem sicher, weiter talentiertes Personal für sich gewinnen zu können.

igo/gl

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