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„Free TV mitnehmen, neue Facetten zulassen“: Was sich die Bundesligisten von der TV-Ausschreibung versprechen

Champions League bei Amazon, Europa League bei TVNow, die EM 2024 bei der Telekom – der TV-Markt wird für Fußball-Fans mit neuen Anbietern immer unübersichtlicher. Die dpa hat Bundesliga-Vereine gefragt, wie sie den Markt vor der Ausschreibung der eigenen Medien-Rechte einschätzen.

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Frage: Wie beurteilen Sie, dass die Champions League von der Saison 2021/2022 an live fast nur bei DAZN und Amazon zu sehen sein wird – und was erwarten Sie von der Neuvergabe der TV-Rechte für die Bundesliga?

Hasan Salihamidzic (Sportdirektor Bayern München): „Ich bin auch sehr gespannt, was passieren wird. Dass die Champions-League-Rechte so verteilt worden sind, war überraschend. Aber auch da verändert sich der Fußball in die digitale Richtung. Alle Bundesliga-Clubs würden sich freuen über mehr Geld. Wichtig ist aber auch, an den Fan zu denken. Bei allem Geld, das im Umlauf ist, sind sie entscheidend, warum wir die Sponsorengelder haben, warum wir diese Gehälter zahlen und kaufen können. Den Fan darf man also nicht vergessen dabei.“

Alexander Rosen (Sportchef TSG 1899 Hoffenheim): „Die Verantwortlichen der DFL leisten bei der Vermarktung der Bundesliga hervorragende Arbeit. Selbstverständlich bleibt die Interessenabwägung zwischen neuen Herangehensweisen und traditionell beim Fan Verankertem immer ein Spagat. Wenn man die aktuelle Situation in der Bundesliga mit den anderen Top-Ligen vergleicht, so lässt sich feststellen, dass dieser in der Vergangenheit mit großem Augenmaß gelöst wurde. Darüber hinaus gilt es bei den Medien-Verträgen mittlerweile, auch immer das veränderte Konsumentenverhalten der diversen Zielgruppe zu berücksichtigen.“

Max Eberl (Manager Borussia Mönchengladbach): „Wir laufen da auf eine Kreuzung zu, an der es heißt, das Free-TV mitzunehmen, aber auch die neuen Facetten zuzulassen. Da fühle ich mich aber bei Herrn Seifert in total sicheren Händen, weil er den Markt gut kennt. Wir werden da gute Entscheidungen fällen. Herr Seifert hat schon ein gutes Gefühl dafür, dass er nicht nur auf den letzten Euro erpicht ist. Rituale im Leben und im Fußball sind wichtig. Da gibt es ein paar wie die ‚Sportschau‘ oder das ‚Sportstudio‘. Das sind Anbieter, die den Fußball weiter marktgerecht verteilen sollen. Diese Rituale müssen wir erhalten. Das sind Anker, die du in dieser verrückten Welt brauchst.“

Stefan Reuter (Manager FC Augsburg): „Grundsätzlich würden wir uns im Sinne der Fans wünschen, dass die Übertragungen bei einem Sender zu sehen sind, damit man nicht verschiedene Abos benötigt. Dass sich DAZN und Amazon die Rechte gesichert haben, zeigt aber auch die Attraktivität des Wettbewerbes. Auch für die Neuvergabe der Bundesliga-Rechte wünsche ich mir eine fanfreundliche Lösung, die auch die Interessen der Vereine und Sender widerspiegelt.“

Oliver Leki (Vorstand SC Freiburg): „Die technologische Entwicklung ermöglicht es, dass mehr Player um die interessanten Sportrechte bieten. Dies wird auch bei den Rechten für die Bundesliga so sein.“

Martin Przondziono (Sportvorstand SC Paderborn): „Es ist schade, dass das Premiumprodukt des europäischen Fußballs bald nicht mehr einem breiten Publikum zugänglich sein wird. Auf der anderen Seite profitieren wir als SC Paderborn 07 von den finanziellen Erlösen. Für die Bundesliga kann ich mir gut vorstellen, dass bei der Neuvergabe insgesamt mehr Erlöse erzielt werden, da die Bundesliga einen enormen Stellenwert genießt.“

Oliver Mintzlaff (Vorstandschef RB Leipzig): „Das ist insgesamt ein schwieriges Thema, denn einerseits erwarten und fordern die Clubs immer mehr Gelderlöse aus den TV-Verträgen, und andererseits soll der Fußball weiterhin für möglichst alle zugänglich sein. Generell muss man einfach festhalten, dass sich die Zeiten ändern, und gerade für die jüngere Generation sind Streaminganbieter ein ganz wesentlicher Bestandteil ihrer Mediennutzung. Ich bin überzeugt davon, dass die DFL um Geschäftsführer Christian Seifert die aktuellen Entwicklungen im Blick hat und dass auch beim neuen TV-Vertrag Spiele im Free-TV zu sehen sein werden. Eine mögliche weitere Erhöhung der Einnahmen darf nicht gleichzeitig dazu führen, dass wir zahlreiche Fußballfans verlieren, weil sie beispielsweise nur mit dem Abschluss von drei Abonnements alle Bundesligaspiele verfolgen können.“

Oliver Ruhnert (Profifußball-Geschäftsführer 1. FC Union Berlin): „Die Vereine sind an hohen Erlösen durch die TV-Einnahmen interessiert. Trotzdem muss man immer wieder darauf hinweisen, dass es ein ganz elementares Gut des Fußballs ist, dass ihn alle Leute sehen können. Das hat ihn erfolgreich gemacht. Am Ende müssen wir trotz der Notwendigkeit, Einnahmen zu erzielen, schon bestrebt sein, dass die große Masse Spiele live im Fernsehen verfolgen kann. Diesen Ansatz werden wir immer wieder in den Vordergrund stellen. Ich erwarte, dass frei empfänglicher Fußball im TV und Radio ein ganz wichtiges Kriterium für die Zukunft ist. Irgendwann kommt sonst dieses Loch, was wir nicht gebrauchen können. Fußball hat davon gelebt, eine Volkssportart zu sein. Das bedeutet auch, dass wir bei Spielen Einschaltquoten hatten, die unschlagbar waren. Wenn das nicht mehr existiert, verliert der Fußball vielleicht in der Breite seinen Reiz.“

Michael Preetz (Geschäftsführer Hertha BSC): „Wir sind alle grundsätzlich gut beraten, wenn so viele Menschen wie möglich auch den großen Fußball sehen können. Und das so unkompliziert wie möglich. Aber Fakt ist, dass sich auch in der TV-Welt die Technologie in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hat. Es gibt nicht mehr nur die klassischen Übertragungswege Kabel und Satellit, sondern heute auch durch schnelles Internet viel mehr neue Plattformen, die in den Fußball-Markt drängen. Es gibt damit mehr Flexibilität für den Endverbraucher, aber eben auch den Effekt, dass es deutlich unübersichtlicher wird, sich bei so vielen unterschiedlichen Anbietern in den verschiedenen Wettbewerben zurechtzufinden. Wir sollten da den Fan wirklich nicht überfordern. Unsere Beteiligung an den TV-Rechten ist die wichtigste Einnahmequelle in unserem Business. Sie bestimmt maßgeblich unsere Handlungsspielräume. Als verantwortlicher Manager muss ich auf das bestmögliche Ergebnis hoffen, am besten natürlich trotzdem unter der Wahrung des Interesses, dass dabei auch so viele Menschen wie möglich den Bundesliga-Fußball weiter verfolgen können. Genau das ist die Basis allen wirtschaftlichen Erfolges unserer Branche.“

Lutz Pfannenstiel (Vorstand Sport Fortuna Düsseldorf): „Neue Technologien dürfen nicht dazu führen, dass man zahlreiche Abos haben muss, um Fußball zu gucken. Der Fan muss auch durch die neuen Verbreitungsmöglichkeiten weiterhin die Möglichkeit haben, ohne großen Aufwand Spiele zu gucken – ob auf dem TV-Gerät oder im Internet.“

Fredi Bobic (Sportvorstand Eintracht Frankfurt): „Es ist noch zu früh, darüber zu urteilen. Wir haben aber volles Vertrauen in Christian Seifert.“

Simon Rolfes (Sportdirektor Bayer Leverkusen): „Der TV-Markt ändert sich extrem, analoges Fernsehen gerät – nicht nur im Sport – allmählich ins Hintertreffen. Man sollte allerdings bemüht sein, nicht vollständig ins Bezahl-Segment abzudriften wie bereits in der Champions League. Das wird sicherlich bei der neuen Ausschreibung der Bundesliga-Rechte berücksichtigt werden. In Deutschland ist das frei empfangbare Fernsehen noch immer ein hohes Kulturgut. Dem sollten wir weiterhin Rechnung tragen. Auch wenn vermeintliche Selbstverständlichkeiten immer mal wieder auf den Prüfstand gehören.“

Jochen Schneider (Sportvorstand FC Schalke 04): „Auch das ist der Lauf der Zeit. Es ist normal, dass neue Player den Fußball für sich entdecken. Das mag sich heute für den ein oder anderen Nutzer noch ungewohnt anfühlen, aber auch das wird sich ändern. Die Neuvergabe der Bundesliga-TV-Rechte ist bei Christian Seifert und seinem Team in den allerbesten Händen. Dieser Prozess bedarf keiner Kommentierung durch die Vereine.“

dpa

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