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Kommentar: Sat.1, “Big Brother” und die gelben Sterne – eine Provo-Kampagne, die nach hinten losging

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Screenshot: sat.1.de

Sat.1 sorgt gerade für Empörung mit der Marketingkampagne zur neuen Staffel "Big Brother". Mit gelben Sternen sollen Zuschauer bewerten, was ein Mensch wert ist. Die Assoziationen zum Dritten Reich sind nicht nur wegen der zeitlichen Nähe zum Holocaust-Gedenktag da. Dass dies niemand beim Sender aufgefallen ist, ist erschreckend.

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Man muss nicht lange darüber debattieren: Damit zu werben, die Zuschauer könnten mit der Vergabe von gelben Sternen entscheiden, was ein Mensch wert ist, und diese Kampagne dann kurz vor dem Holocaust-Gedenktag (27. Januar) zu starten, ist geschmacklos und daneben. Dass der Song zum Format dann auch noch “Follow The Leader” heißt, ist das Tüpfelchen auf dem i einer verkorksten Kampagne.

Sat.1 und den Machern der Kampagne aber nun zu unterstellen, dass sie bewusst mit den Assoziationen zum Dritten Reich spielen wollten, ist freilich auch Unfug. So doof und zynisch geht es auch wieder nicht zu. Es hat wohl schlicht niemand der Verantwortlichen gesehen, dass der Dreiklang “gelber Stern”, “Menschen bewerten”, “Holocaust-Gedenktag” einen übermächtigen Eindruck erzeugt.

Sat.1 sagt zur Kritik an der Kampagne: “Die Vorwürfe sind absurd. ‘Big Brother’ benutzt in der neuen Staffel ein Bewertungssystem wie es internationale Unternehmen schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten tun. ‘Big Brother’ war und ist schon immer ein Sozialexperiment. In der Jubiläumsstaffel 2020 haben die Zuschauer erstmals die Möglichkeit, nicht nur übers Telefon-Voting, sondern mit direkter Bewertung den Bewohnern Feedback zu geben – so wie es viele Menschen tagtäglich offline und online z.B. auf Social Media-Kanälen tun.”

Natürlich sind Sterne als Bewertungs-Instrument mittlerweile gang und gäbe (Amazon etc.) und wenn man den Text zu “Follow the Leader” anschaut, dann leistet das Lied auch nicht irgendeinem Führer-Kult Vorschub. Alles zusammengenommen ergibt dann aber jene Assoziationen, die dem Sender nun auf die Füße fallen. Diese Assoziationen passieren, bevor sich größere Teile des Publikums der Text-Exegese von “Follow The Leader” widmen.

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Ja, man wollte bei Sat.1 mit der Kampagne provozieren (Überschrift der Pressemitteilung: “Neu im Program: Menschen bewerten”), aber halt nicht so. Wenn man aber die Provo-Masche schon bedient, dann sollte man sich im Zeitalter der grassierenden Shitstorms auch noch ein, zwei Gedanken an mögliche (Neben-)Wirkungen machen.

Absicht war die Anspielung sicherlich nicht, geschichtsvergessen war sie schon. Schlimm genug.

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Alle Kommentare

  1. Folge dem Führer und verteile gelbe Sterne …

    Geschmackloser Marketinggag zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

    Traurig.

  2. Ach herrje, gelbe Sterne….
    Die linksextremen Lacksäufer und ihr krankhafter Empörungsreflex…. und dann auch noch unterVerwendung der gleichen Wörtern, die die Nazis damals auch schon benutzten…

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