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„Hamburger Morgenpost“: DuMont-Chef Christoph Bauer bestätigt Verkaufsgespräche mit Funke

DuMont-Chef Christoph Bauer

In den Verkaufsprozess um die ”Hamburger Morgenpost“ kommt offenbar Bewegung. DuMont-Chef Christoph Bauer hat gegenüber den Mitarbeitern in einer Intranet-Meldung eingeräumt, dass die Kölner unter anderem mit der Funke Mediengruppe verhandeln.

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Bis Ende der Woche will DuMont entscheiden, wie die weitere Zukunft der ”Hamburger Morgenpost“ aussieht. Jetzt könnte in die Verkaufsverhandlungen um die Boulevardzeitung Bewegung kommen. Erstmals hat DuMont-Chef Christoph Bauer in einer im Intranet veröffentlichten Meldung eingeräumt, dass er unter anderem mit dem Essener Funke Mediengruppe verhandelt. „DuMont verfolgt unterschiedliche Prozessstränge und führt in dem Zusammenhang Gespräche mit verschiedenen Marktteilnehmern, unter anderem der Funke Mediengruppe, bezüglich möglicher Optionen zur Fortführung der Hamburger Morgenpost Medien im Rahmen der wettbewerbs- und kartellrechtlich zulässigen Möglichkeiten“, erklärt der Vorstandschef – und fügt hinzu: „Es ist dabei das gemeinsame Interesse aller Beteiligten, die Medienvielfalt in Hamburg aufrecht zu erhalten“.

Christoph Bauer widerspricht Spekulationen

Seit Tagen kursieren Gerüchte, dass die Funke Mediengruppe den Online-Auftritt mopo.de übernehmen könnte – allerdings ohne Redakteure. Käme es dazu, so die Befürchtungen des Betriebsrats und der Mitarbeiter, stünde die gedruckte Ausgabe vor dem Aus. Damit wären mehr als 80 Arbeitsplätze bei der traditionsreichen Zeitung akut gefährdet. DuMont-Chef Bauer weist die Gerüchtelage energisch zurück. „Die derzeit, auch von den Arbeitnehmervertretern, gestreuten Spekulationen bilden nicht den aktuellen Prozesstand ab und entsprechen nicht dem primären Ziel, das DuMont verfolgt“, so Bauer.

Ob Funke tatsächlich nach dem Online-Auftritt greift, steht noch in den Sternen. Vergangene Woche hatten die Funke-Gesellschafter getagt. Fragt man in der Konzernzentrale nach, ob die Gesellschafter hier über einen Kauf von mopo.de gesprochen haben, bekommt man von einem Firmensprecher ein klares Dementi. In Kreisen von Funke wird kolportiert, dass es in Essen noch Bedenken gebe, den Deal einzugehen. Teile der Geschäftsführung befürchten offenbar die mediale Wirkung eines solchen Geschäfts. Denn Funke könnte mit dem Kauf des Online-Auftritts – ohne Redaktion – möglicherweise öffentlich so dargestellt werden, dass die Essener das Ende der gedruckten Ausgabe des Boulevardblattes vorangetrieben hätten. Das wolle Funke vermeiden, heißt es den Kreisen zufolge.

Kritik an der Arbeitnehmervertretung

Fraglich ist indes, ob DuMont-Chef Bauer noch seinen selbst gesteckten Zeitplan einhalten kann, bis Ende Januar eine Entscheidung herbeizuführen. Die aktuellen Spekulationen über die Zukunft der Zeitung verunsichern nicht nur die Mitarbeiter, sie behindern auch die weiteren Gespräche mit Interessenten. „Der Prozess, die Hamburger Morgenpost Medien und ihre Angebote in eine Zukunft mit Perspektive zu überführen, wird hierdurch massiv gestört. Das führt zu unnötigen Verzögerungen, die vor allem zu Lasten der Mitarbeiter gehen, welche schnellstmöglich Klarheit benötigen“, so der Vorstandschef. Er fordert deshalb die Arbeitnehmervertreter auf, „sich ihrer Verantwortung und der möglichen Konsequenzen ihres Informationsverhalten bewusst zu werden und im Sinne der Mitarbeiter die weitere Verbreitung von Spekulationen zu unterbinden“, so Bauer. DuMont arbeite „mit Hochdruck an einer Lösung für die Hamburger Morgenpost Medien und ihre Mitarbeiter.“

Die Belegschaft der ”Hamburger Morgenpost” kämpft unterdessen weiter. Die Mitarbeiter wollen nach MEDDIA-Informationen am morgigen Dienstag um 12 Uhr vor dem Verlagsgebäude des zur Funke gehörenden „Hamburger Abendblatts“ demonstrieren. Dort wollen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen, für die Zeitung und die Redaktion als Ganzes eine tragfähige Lösung zu finden.

Update: Mit Befremden hat inzwischen der Betriebsrat auf die Intranet-Meldung des Vorstands reagiert. Er kritisiert das Vorgehen von DuMont energisch: „Dass DuMont nach einem Jahr des Hinhaltens ausgerechnet dem Betriebsrat vorwirft, wir würden durch unser Verhalten für Unsicherheit in der Belegschaft sorgen, macht uns fassungslos“, teilen die Arbeitnehmervertreter mit. Sie weisen den Vorwurf „mit aller Entschiedenheit“ zurück und sehen „die Verantwortlichkeit eindeutig bei den handelnden Personen von DuMont. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Mopo-Mitarbeiter seit einem Jahr um ihre persönliche Zukunft und die ihrer Familien bangen müssen“. Nachdem der Betriebsrat in der vorvergangenen Woche aus sicheren Quellen von den Verkaufsverhandlungen zwischen DuMont und Funke erfahren hätte, habe sich dieser sofort an Verlagschef Bauer gewandt und ihn – noch vor Information der Belegschaft bei der Betriebsversammlung am Montag vor einer Woche – um ein Gespräch gebeten. „Es wäre die Gelegenheit gewesen, offen über die Situation, mögliche Optionen und Perspektiven für die Mopo-Belegschaft zu sprechen“. Das sei jedoch nicht erfolgt. „Wenn DuMont ernsthaft, wie behauptet wird, an einer Strategie zur Sicherung der Arbeitsplätze arbeitet, wäre das eine gute Nachricht. Es wäre aus unserer Sicht aber zwingend notwendig gewesen, den Betriebsrat einzubinden. Auch damit wir unsere Handlungsstrategien entsprechend anpassen können“.

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