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Wie eine Digitalagentur das tschechische Verkehrsministerium vorführt

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Foto: Adobe Stock

Tschechien plant wie Deutschland ein digitales Mautsystem. Ein Auftrag in Höhe von 16 Millionen Euro scheiterte nach der Ankündigung eines Hackathons einer Digitalagentur am öffentlichen Druck. Sie will nun das System binnen zwei Tagen kostenlos bereitstellen.

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“Wir wollen beweisen, wie absurd es ist, 401 Millionen Kronen (16 Millionen Euro) zu vergeben, wenn ein paar fähige Leute es über das Wochenende schaffen”, schrieb Tomas Vondracek, Geschäftsführer der Prager Digitalagentur Actum Digital, am 18. Januar auf LinkedIn. Mit der PR-Aktion torpedierte er das Maut-Projekt der tschechischen Regierung und führte das Verkehrsministerium vor. Es folgte ein gewaltiges Medienecho.

Der Startschuss für den Hackathon ist bereits am 24. Januar 2020. 60 Programmierer aus mehr als 300 engagierten Personen, haben sich nach dem Aufruf dazu bereit erklärt, vergütungsfrei teilzunehmen.

Die meisten tschechischen Medien sind vor Ort, um über das ambitionierte Projekt zu berichten. Der angekündigte Hackathon zog nämlich auch die Aufmerksamkeit der Politik auf sich, mit gravierenden Folgen.

Hackathon-Aufruf sorgt für Umdenken

Milos Zeman, Präsident der Tschechischen Republik, reagierte nicht nur in einer Radiosendung, sondern der Vertrag für die Maut wurde im gegenseitigen Einvernehmen zwischen den Vertragsparteien aufgelöst. Der Verkehrsminister Vladimir Kremlik wurde gar entlassen.

Der Premierminister Andrej Babiš kündigte zudem an, in allen Ressorts eine neue Kommission für IT-Projekte einzurichten, da auch die Vorhaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales in Höhe von 100 Millionen Euro öffentlich in die Kritik geraten sind.

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Deutschland  hat indes ähnliche Probleme. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat in den vergangenen zwölf Monaten das Desaster um die zunächst geplante und vertraglich vereinbarte, letztlich aber doch geplatzte Pkw-Maut zu verantworten.
Die gekündigten Mautbetreiber Kapsch und CTS Eventim wollen aktuell einen Ausgleich in Höhe von 560 Millionen Euro für den entgangenen Gewinn. Die Pkw-Maut wurde formal zum 1. Januar 2016 eingeführt. Erhoben werden sollte sie jedoch erst, wenn das zur Erhebung erforderliche System einsatzbereit ist.
igo

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