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Hackerangriff auf iPhone: Wurde Jeff Bezos die Berichterstattung der Washington Post zum Verhängnis?

Amazon-CEO und Washington Post-Eigentümer Jeff Bezos
Amazon-CEO und Washington Post-Eigentümer Jeff Bezos

Es sind Vorgänge wie in einem James Bond-Film: Ein gehacktes Smartphone, die Kompromittierung des reichsten Mannes des Welt und eine Spur nach Saudi-Arabien, die mutmaßlich direkt zum Kronprinz führt. Für UN-Experten ist klar, welche Motivation hinter dem Hackerangriff auf den Amazon-Chef steht: Die Berichterstattung der Washington Post, die Jeff Bezos seit 2013 gehört, sollte offenbar beeinflusst werden.

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Sechseinhalb Jahre ist es her, dass Jeff Bezos die ungewöhnlichste Akquisition seiner überlebensgroßen Karriere vollzog: Er übernahm die Renommeezeitung Washington Post (WaPo) für den Schnäppchenpreis von 250 Millionen Dollar – als Privatmann, nicht als Amazon-Chef.

Schnell war klar: Der Kauf schien beiden Seiten gut zu bekommen:  der damals strauchelnden WaPo, die Bezos nach dem Vorbild von Amazon technisch umkrempelte, erfolgreich ins digitale Zeitalter und seit 2016 wieder in die schwarzen Zahlen brachte, aber auch dem heute 117-fachen Internet-Milliardär Bezos, der mit der Prestige-Postille an Geltung und gesellschaftlicher Relevanz gewann.

Bezos’ Besitz der Washington Post störte Donald Trump bereits im Vorwahlkampf

In den vergangenen Jahren deutete sich jedoch an, dass Bezos für das Filetstück des US-Journalismus auf persönlicher Ebene einen ungleich höheren Preis bezahlt hat: Der heute 59-Jährige hatte sich weit über Amazons Geschäftstätigkeit hinaus neue Feinde gemacht, wie im US-Wahlkampf 2016 deutlich wurde.

Immer wieder geriet Bezos ins Kreuzfeuer von Donald Trump, dem die linksliberale Traditionszeitung, die mit der Aufdeckung der Watergate-Affäre 1972 die Sternstunde in ihrer 143-jährigen Geschichte erlebte,  seit jeher ein Dorn im Auge war. “Sie werden Probleme bekommen, wenn ich Präsident bin”, hatte Trump im Wahlkampf 2016 gegenüber Amazon immer wieder betont.

Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos’ iPhone gehackt?

Auch am anderen Ende der Welt wurde Bezos’ Eigentümerschaft der Washington Post offenbar kritisch beäugt. Hintergrund ist der Fall des 2018 getöteten Journalisten Jamal Khashoggi, der sich zuvor in der Washington Post in zahlreichen Kolumnen kritisch über die Machtverhältnisse in Saudi-Arabien und über Kronprinz Mohammed bin Salman geäußert hat. Nach Einschätzung  der CIA gäbe es starke Hinweise auf eine Verwicklung des saudischen Kronprinzen in die grausame Ermordung Khashoggis.

Entsprechend kritisch verlief die Berichterstattung in der Washington Post in der jüngeren Vergangenheit. Eine neue Dynamik nahm die Entwicklung nun nach Enthüllungen des Guardian, der am Mittwoch berichtete, UN-Ermittlungen würden darauf hindeuten, dass ein Hackerangriff auf Jeff Bezos’ Smartphone auf Weisung Mohammed bin Salman erfolgt sei.

Jeff Bezos und Mohammed bin Salman: Kontakt auf einem Hollywood-Dinner

“Die Information, die wir bekommen haben, deutet auf die mögliche Beteiligung des Kronprinzen an der Überwachung von Bezos hin”, schreiben die Menschenrechtsberichterstatter Agnes Callamard und David Kaye in ihrem Bericht.

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Die Art und Weise, wie der Hackerangriff vonstatten gegangen sein soll, erinnert unterdessen an einen Spionage-Thriller. So soll eine über WhatsApp versendete Videodatei, die direkt von Mohammed bin Salman an Bezos am 1. Mai 2018 verschickt worden sei, für den Zugang auf Bezos’ iPhone X verantwortlich gewesen sein, berichtet Vice.

Bezos und Mohammed bin Salman hätten sich Wochen zuvor auf einem Hollywood-Dinner getroffen, ihre Nummern getauscht und seitdem “freundliche Nachrichten” ausgetauscht, heißt es weiter.

Bezos’ außereheliche Affäre wird nach Smartphone-Hack bekannt

Amazon wurde der milliardenschwere Auftrag, drei Datenzentren im Saudi-Arabien zu errichten, in Aussicht gestellt, doch nach den kritischen Kolumnen Khashoggis brachen die Gespräche ab. Wenige Monate nach der Ermordung Khashoggis erlebte Bezos dann seinen persönlichen Nackenschlag, als die außereheliche Affäre des Amazon-Chefs mit der   Nachrichtenjournalistin Lauren Sanchez inklusive intimer SMS-Nachrichten im US-Klatschblatt National Enquirer bekannt wurde. Die Verkündung der Scheidung von seiner Ehefrau Mackenzie erfolgte praktisch zeitgleich.

Der Amazon-Chef vermutete schnell, dass die Kampagne der Zeitung politisch motiviert gewesen sei. Das Blatt und der Herausgeber David Pecker gelten schließlich als Trump-freundlich. Wenig später wurde bekannt, dass die Illustrierte versuchte, Bezos mit Nacktfotos zu erpressen, damit er seine Ermittlungen gegen die Zeitung aufgäbe. Bezos belegte den Erpressungsversuch öffentlich mit einem Mailwechsel.

“Berichterstattung der Washington Post über Saudi-Arabien sollte beeinflusst werden”

Im März vergangenen Jahres gewann die Enthüllungsaffäre eine neue Qualität, als Bezos’ privater Ermittler Gavin de Becker herausgefunden haben wollte, dass die privaten Daten, die im National Enquirer veröffentlicht wurden, aus einem Hackerangriff aus Saudi-Arabien stammen sollten. Der Verdacht gegen den saudischen Kornprinzen erhärtete sich nun nach einer IT-Forensikanalyse, die “mit mittlerer bis hoher Sicherheit” davon ausgeht, dass das von Mohammed bin Salman versendete WhatsApp-Video zum Hack führte.

Die Motivation hinter der Übernahme von Bezos’ iPhone liegt nach Einschätzung der UN-Menschenrechtler Callamard und Kaye in der Kontrolle der Berichterstattung der verhassten Washington Post. “Die Informationen, die wir erhalten haben, deuten darauf hin,  dass der Kronprinz möglicherweise an der Überwachung von Herrn Bezos beteiligt ist, um die Berichterstattung der Washington Post über Saudi-Arabien zu beeinflussen, wenn nicht gar zum Schweigen zu bringen”, erklärten die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für freie Meinungsäußerung gestern.

Wie Vice weiter berichtete, habe Mohammed bin Salman Bezos bereits vor Bekanntwerden seiner Affäre mit Sanchez mit Anspielungen in WhatsApp konfrontiert.

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