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Neue Probleme für Digital-Werbung: Google Chrome will Third-Party-Cookies abstellen

Adblocker Plus wird von Eyeo betrieben.

Mozillas Firefox und Apples Safari blockieren bereits per Standardeinstellung Thiry-Party-Cookies, die beim Besuchen einer Website lokal auf dem Computer des Nutzers abgespeichert werden. Google will diese beim weltweit beliebtesten Browser Chrome innerhalb von zwei Jahren gänzlich abstellen, um mehr Privatsphäre für Internetnutzer herzustellen. Für Werbetreibende ist das unter Umständen ein großes Problem.

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Welche Technologie die Cookies ersetzen könnten, ist noch unklar. Internet-Gigant Google plant einen großen Wurf, um alle Parteien zufrieden zu stellen.

„Wir arbeiten aktiv im gesamten Ökosystem, damit Browser, Publisher, Entwickler und Werbetreibende die Möglichkeit haben, mit diesen neuen Mechanismen zu experimentieren“, schreibt Justin Schuh, Chrome Engineering Director, in einem Blog. Die ersten Tests für Conversion Measurement und Personalisierung sollen Ende des Jahres starten.

Doch bereits im Februar will Google erste Einschränkungen für Cookies in Chrome vornehmen. Damit können Nutzer Cookies, die über mehrere Websites gültig sind, einfach löschen und blockieren. Cookies, die von der Website selbst stammen, werden aber weiterhin ohne Probleme durchgelassen.

Die Entscheidung gegen Third-Party-Co0kies ist heikel, denn sie könnte sich auch auf das Anzeigengeschäft von Google selbst auswirken, sagt Michael Bertini, Leiter der Search Strategy bei iQuanti gegenüber Adage.

„Das Fehlen von Cookies von Drittanbietern könnte das Geschäft komplett verändern. Werbetreibende werden möglicherweise einen Teil ihres Budgets auf die organische Suche und in Social-Media-Kanäle leiten“, warnt Bertini.

Adblock Plus ist nun auch in den USA am Pranger

Indes braut sich in den USA politischer Widerstand gegen Adblocker und Internetkonzerne zusammen, dies berichtet heise.de. US-Senator Ronald Lee Wyden kritisiert die Irreführung der Nutzer durch Adblock-Anbieter, welche sich für „durchlässige Werbung“ bezahlen lassen.

„Die größten Werbefirmen, darunter Google, Amazon Microsoft und Verizon Media, Millionen haben US-Dollar an einige der größten Werbeblocker-Firmen bezahlt, um Verbraucher weiter verfolgen und zielgerichtet mit Werbung bedenken zu können“, so Wyden. Dabei stellt er insbesondere das deutsche Unternehmen Eyeo, Betreiber von Adblock Plus, an den Pranger.

Eyeo habe bereits 2011 aufgehört, alle Werbung zu blockieren, was sie dem Kunden jedoch suggerieren würden. Stattdessen nutzt Adblock Plus eine Liste „akzeptabler Werbung“ (Acceptable Ads), die samt Tracking für eine monetäre Gegenleistung durchgelassen wird. Um auf diese „Whitelist“ zu gelangen sind gewisse Kriterien einer nicht zu aggressiven Werbung zu erfüllen. Dazu werden beispielsweise Pop-Ups gezählt. Für Wyden ist die geschäftliche Praxis ein Fall für die Aufsichtsbehörde FTC, die Bundeshandelskommission der USA.

Gegenüber heise.de gab Eyeo eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab: „Die FTC versteht genau, wie wir Verbraucher vor aggressiver Werbung schützen. (…) Wir machen transparent, wie Accetapble Ads funktioniert, wie wir whitelisten, wie wir Geld verdienen und wie man die Acceptable-Ads-Option ausschalten und so alle Werbung blockieren kann.“

Für Eyeo könnte damit eine neue Odyssee in den Gerichtssälen beginnen. Das Verlagshaus Axel Springer versuchte über Jahre Adblock Plus zu verbieten. Dabei ging das Verfahren durch alle gerichtlichen Instanzen. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wies im Oktober 2019 eine Verfassungsbeschwerde von Axel Springer jedoch ab.

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