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Sorge um die “Mopo”: Betriebsrat fordert DuMont-Chef auf, eine Insolvenz auszuschließen

DuMont-Chef Christoph Bauer
DuMont-Chef Christoph Bauer

Die Stimmung in der Belegschaft der "Hamburger Morgenpost" heizt sich weiter auf. Der "Mopo"-Betriebsrat hat DuMont-Chef Christoph Bauer in einem Infoblatt offen aufgefordert, eine Insolvenz der traditionsreichen Boulevardzeitung auszuschließen. DuMont hält sich zu dem Szenario bedeckt. Mittlerweile sorgt sich auch die Hamburger Politik um die Zukunft der Zeitung.

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Ende Januar will DuMont-Chef Christoph Bauer entscheiden, was aus der traditionsreichen “Hamburger Morgenpost” wird. In der Belegschaft des Boulevardtitels liegen indes die Nerven blank. Die Mitarbeiter haben große Sorge, was aus ihren Arbeitsplätzen wird, denn von einem Verkauf bis zu einer Schließung scheint alles möglich.

Jetzt hat sich der “Mopo”-Betriebsrat eingeschaltet. Er fordert von Bauer, eine Insolvenz des Unternehmens auszuschließen. Dieses Versprechen wollen die Arbeitnehmervertreter vom Konzernchef bei einer Konferenz der DuMont-Betriebsräte in dieser Woche in Halle einfordern. “Wir werden Dr. Bauer bei der Diskussion in Halle an seine Worte erinnern und ihn auffordern, sowohl eine Zerschlagung, eine Schließung wie auch eine Insolvenz der ‘Mopo’ auszuschließen. Denn nichts davon wäre eine gute Lösung für die ‘Morgenpost’ als älteste Boulevardzeitung der Bundesrepublik“, heißt es in einer Betriebsratsinfo, die MEEDIA vorliegt.

Erinnerungen an die “FR”-Pleite

Bei dem Thema Insolvenz werden Erinnerungen an die “Frankfurter Rundschau” (“FR”) wach. Ende 2012 hatte die damals zu DuMont und der SPD-Medienholding ddvg gehörende “FR” beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Jahrelang hatten die Kölner zuvor mit diversen Sparrunden und einer teilweisen Zusammenlegung mit der “Berliner Zeitung” versucht, die Zeitung profitabel zu bekommen – ohne Erfolg. Die Eigentümer DuMont und die ddvg zogen daher die Konsequenzen. Die damalige Pleite führte bei “FR” zu einen massiven Stellenabbau, bevor der Titel 2013 an die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (“FAZ”) ging. Von den 450 verbliebenen Mitarbeitern übernahm die “FAZ” rund 30 Redakteure, die über Frankfurt und die Region berichten sollen.

Von MEEDIA auf die Forderung des “Mopo”-Betriebsrats angesprochen, eine Insolvenz des Hamburger Boulevardzeitung auszuschließen, hält sich DuMont hierzu bedeckt. “Wie bereits mitgeteilt hat DuMont im Rahmen der Portfolio-Überprüfung des Geschäftsfelds Regionalmedien die Entscheidungen für Berlin und Köln getroffen. Die weitere Kommunikation erfolgt, wie angekündigt, im Januar. Im nächsten Schritt werden wir am 15. Januar ein Update für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mediengruppe ‘Mitteldeutsche Zeitung‘ geben. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir zu der Entscheidung für die Hamburger Morgenpost Medien voraussichtlich ebenfalls noch im Januar informieren können“, erklärt eine Firmensprecherin hierzu.

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Politik meldet sich zu Wort

Unterdessen sorgt sich die Hamburger Politik um die Zukunft des Blattes. “Die Kaufinteressenten haben bisher sehr unterschiedliche Konzepte über den Fortbestand der ‘Mopo‘ vorgelegt: Von der Weiterführung, über einen Teilverkauf der Online-Marke bis hin zur kompletten Einstellung des Betriebs liegen scheinbar alle Optionen auf dem Tisch. Im Sinne der Belegschaft der ‘Hamburger Morgenpost‘ appelliere ich an die Verlagsleitung bei DuMont, sich für einen Bieter zu entscheiden, bei dem die journalistische Qualität und die Breite der lokalen Berichterstattung für sämtliche Zielgruppen ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes sind”, erklärt Hansjörg Schmidt, medienpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Er hält die Zeitung in der Presselandschaft der Elbmetropole für unverzichtbar. “Mit ihrer Berichterstattung schafft es die ‘Morgenpost‘ immer wieder, den gesellschaftlichen Diskurs voranzutreiben. Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Wahlkampfes wird deutlich, wie sehr unsere Demokratie auf neutrale und ausgewogene Berichterstattung durch Medien und ihre Vertreter angewiesen ist“, so Schmidt.

Auch Carsten Ovens, medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, setzt sich für die Tageszeitung ein: “Die Meinungs- und Medienvielfalt ist ein hohen Gut. Dazu gehört für mich in Hamburg ganz selbstverständlich auch die ‘Mopo‘. Als CDU setzen wir uns für den Medienstandort Hamburg und die Arbeitsplätze in unserer Stadt ein. Daher stellen wir uns mit Nachdruck hinter die Bemühungen der ‘Mopo‘-Redaktion und -Geschäftsführung, die ‘Mopo‘ am Standort Hamburg zu erhalten“, meint er. Und fügt hinzu: “Eine lebendige und vielfältige Presselandschaft ist für die Funktionsfähigkeit der Demokratie unerlässlich. Guter Journalismus wird von Menschen gemacht, das gilt auch in digitalen Zeiten.”

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