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„Umweltsau“-Debatte: WDR-Redakteure beklagen mangelnde Rückendeckung durch Buhrow

WDR-Intendant Tom Buhrow

Bei vielen WDR-Mitarbeitern hat sich in den vergangenen Tagen Ärger angestaut. Sie finden, dass der Sender in der Debatte um das „Umweltsau“-Lied keine gute Figur gemacht hat. Am Dienstag gab es dazu einen offenen Meinungsaustausch bei dem Sender. Unterdessen hat die Diskussion auch den NRW-Landtag erreicht.

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In einer außerordentlichen Redakteursversammlung mit etwa 700 Teilnehmern haben sich WDR-Mitarbeiter am Dienstag in Köln über mangelnde Rückendeckung durch Intendant Tom Buhrow beklagt. Seine schnelle Distanzierung vom „Umweltsau“-Lied habe viele verunsichert, hieß es nach Angaben eines Teilnehmers bei der nicht-öffentlichen Versammlung. Für diese Mitarbeiter stelle sich die Frage, ob man sich künftig überhaupt noch an eine Satire heranwagen könne.

Buhrow betonte daraufhin den Angaben zufolge, dass alle unbedingt so weitermachen sollten wie bisher, es habe sich nichts geändert, und es dürfe und solle weiter experimentiert werden. Die Senderspitze habe auch darauf verwiesen, dass man das „Umweltsau“-Video zum Schutz der Kinder von der Seite genommen habe. Kritik gab es in der Versammlung auch an der Krisenkommunikation des WDR, bei der so manches schief gelaufen sei (MEEDIA berichtete).

Unternehmenssprecherin Ingrid Schmitz sagte im Anschluss an die Veranstaltung: „Es war ein offener, kritischer und konstruktiver Austausch, der mit Blick nach vorne weiter fortgesetzt wird.“ Intendant Buhrow und seiner Geschäftsleitung sei es wichtig gewesen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern transparent Rede und Antwort zu stehen.

Buhrow betont, der WDR habe die Kritik nicht ignorieren können

Bereits im Vorfeld der Versammlung hatten neben der Redakteursvertretung auch freie Fernsehautoren heftige Kritik an Buhrow geäußert. “Er ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt”, schrieben mehr als 40 Unterzeichner einer am Montag veröffentlichten Solidaritätserklärung. Sie forderten Buhrows Rücktritt, wie der Initiator Stefan Stuckmann in einem weiteren Stück konkretisierte.

In dem Lied hatte ein Kinderchor auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ unter anderem „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ gesungen. Dies hatte eine Empörungswelle hervorgerufen. Buhrow entschuldigte sich für das Lied, woraufhin ihm vorgeworfen wurde, er spiele rechten Aktivisten in die Hände, die die Empörung im Internet großenteils künstlich erzeugt hätten. Buhrow bestritt das und sagte, es habe daneben durchaus auch eine echte Verärgerung vieler ansonsten wohlmeinender Hörerinnen und Hörer gegeben. Deren Kritik habe der WDR nicht schulterzuckend ignorieren können.

„Kinderchor-Skandal“ landet im Landtag

Unterdessen hat die Diskussion auch den NRW-Landtag erreicht. Für den kommenden Donnerstag hat der Kultur- und Medienausschuss das Lied unter dem Titel „WDR-Kinderchor-Skandal“ auf die Tagesordnung gesetzt. Der Antrag kam von der AfD-Opposition. Gegenüber der dpa teilte die Staatskanzlei mit, dass deren Chef Nathanael Liminski für die Landesregierung an der Sitzung teilnehmen wird.

Die AfD verlangt demnach von der Landesregierung einen Bericht zur Frage, was Ministerpräsident Armin Laschet „gegen die Spaltung der Gesellschaft“ unternehme. Der CDU-Politiker hatte sich bei Twitter in mehreren Tweets zur Sache geäußert.

Der WDR habe „Grenzen des Stils und des Respekts gegen über Älteren überschritten“, hatte dieser geschrieben. „Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel“, so Laschet auf Twitter.

tb/dpa

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