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Facebook-Topmanager: Wir sind für Trumps Wahl 2016 mitverantwortlich, sollten ihn 2020 aber nicht aufhalten

Donald Trump nutzt Facebook, um seine politischen Botschaften an die Wähler zu bringen
Donald Trump nutzt Facebook, um seine politischen Botschaften an die Wähler zu bringen

Bemerkenswerte Beichte zum Jahreswechsel: Andrew Bosworth, Chef von Facebooks Virtual und Augmented Reality-Sparte, hat in einem internen Memo eine maßgebliche Mitschuld des weltgrößten Social Networks an der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten eingestanden. Gleichzeitig betonte der 38-Jährige, obwohl er selbst am liebsten "alle Schalter in Bewegung" setzen würde, um eine Wiederwahl Donald Trumps zu verhindern, habe Facebook die Pflicht, bei der kommenden Präsidentschaftswahl nicht das Zünglein an der Waage zu spielen.

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Es war der Wendepunkt. Mit dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 kippte das Ansehen von Facebook. Den Schuldigen für den sensationellen Wahlausgang hatten die unterlegenen Demokraten nämlich schnell gefunden: das weltgrößte soziale Netzwerk, auf dem sich Manipulationen im großen Stil abgespielt hätten.

Der scheidende US-Präsident Obama kritisierte Facebook wenige Tage nach Trumps Triumph für die Verbreitung von Fake News scharf. “In einem Zeitalter, in dem es so viele aktive Fehlinformationen gibt – und sie sind gut verpackt, sie sehen echt aus, wenn  man sie im Facebook Feed sieht  (…) –, in dem alles gleich aussieht und es keine Unterschiede gibt, wird es schwer, unsere Werte zu schützen”, so Obama im November 2016.

Hillary Clinton: US-Wahl 2016 “ein Cyber-9/11”

Donald Trumps Rivalin Hillary Clinton bezeichnete die russische Einflussnahme in den sozialen Medien gar als “ein Cyber-9/11”. “Sie (Facebook – A.d.R.) müssen die Fragen beantworten und Farbe bekennen. Sie müssen die Anzeigen zeigen, sie müssen alle Profile offenlegen, die, als Amerikaner getarnt, von Russland aus agierten, sie müssen ausländische Zahlungen offenlegen, das schulden sie der amerikanischen Öffentlichkeit”, forderte Wahlverliererin Hillary Clinton 2017 vom US-Internetriesen.

Während Konzernchef Mark Zuckerberg die Rolle seines Netzwerks bei der Präsidentschaftswahl 2016 stets heruntergespielt hatte (“Ich halte die Idee, dass Fake News die Wahl beeinflusst haben könnten, für ziemlich verrückt”), äußerte sich ein ranghoher Facebook-Manager zum Jahreswechsel intern nun ganz anders.

Facebook-Manager Andrew Bosworth: Facebook für Trumps Wahlsieg 2016 mitverantwortlich

Im 2500 Worte langen Blogbeitrag “Thoughts 2020” (Gedanken für 2020), der der New York Times vorliegt, gestand Andrew Bosworth, Chef von Facebooks Virtual und Augmented Reality-Sparte, eine (Mit-)Schuld an der Wahl Donald Trumps ein. “Ist Facebook dafür verantwortlich, dass Donald Trump gewählt wurde? Ich denke, die Antwort lautet ja, aber nicht aus den Gründen, die jeder anführt”, schreibt Bosworth in seinem Posting.

“Er wurde nicht wegen (einer Einflussnahme aus – A.d.R.) Russland oder manipulierten Informationen oder (dem Datenskandal – A.d.R.) Cambridge Analytica gewählt. Er wurde gewählt, weil er mit Abstand die beste digitale Werbekampagne ausgerollt hat, die ich je von einem Werbetreibenden gesehen habe. Punkt”, schreibt Bosworth weiter. Wie der Miterfinder von Facebooks Newsfeed weiter ausführt, habe Trumps Kampagnenteam Facebooks Analysetool schlicht am besten und genausten für ihre Zielgruppe angewendet.

Bosworth: Facebook darf nicht der Versuchung erliegen, in die US-Wahl einzugreifen

Was bedeutet das nun für das Wahljahr 2020, in dem die gleichen Werbemöglichkeiten weiter gelten? Bosworth räumt ein, dass er als bekennender Liberaler, der Hillary Clinton mit Spenden unterstützt habe, “voller Verzweiflung am liebsten alle Schalter in Bewegung” setzen würde, um eine Wiederwahl Donald Trumps zu verhindern.

Im nächsten Atemzug mahnt der der langjährige Facebook-Manager mit einer Metapher aus dem “Herr der Ringe” zur Neutralität: Die Macht des Ringes würde seinen Besitzer schließlich korrumpieren. “So groß die Versuchung sein mag, die Werkzeuge, die wir haben, zu verwenden, um den Wahlausgang zu beeinflussen, bin ich überzeugt, dass wir dies niemals tun dürfen, weil wir sonst selbst zu dem werden, was wir fürchten”, gibt sich Bosworth philosophisch.    

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Zuckerberg über Bosworth: “Ein talentierter Manager, der viele provokante Dinge sagt”

Es ist nicht das erste Mal, dass Bosworth mit einem internen Posting für Kontroversen sorgt. 2016 hatte der Manager im Eintrag “The Ugly” auf die Schattenseiten des Social Networks hingewiesen und nach späterem Publikwerden für eine Reaktion des Facebook-Chefs gesorgt.

“Boz ist ein talentierter Manager, der viele provokante Dinge sagt”, kommentierte Mark Zuckerberg seinerzeit den Post, der daraufhin schnell wieder gelöscht wurde. Eine neuerliche Reaktion des Facebook-Chefs auf Bosworths jüngsten Gedankenanstoß steht noch aus.

Bosworth selbst erklärte nach der Berichterstattung in der New York Times in einem Posting bei Facebook, sein Beitrag sei für die interne Verwendung und zur Anregung einer Debatte bestimmt gewesen.

Trump: “Mark Zuckerberg hat mir gratuliert und erklärt, ich sei die Nummer eins”

Praktisch zeitgleich überraschte Donald Trump mit einer Bemerkung über ein Zusammentreffen mit Facebook-Chef Zuckerberg, das im Rahmen eines Dinners im Weißen Haus im vergangenen Dezember stattgefunden habe. “Er (Zuckerberg – A.d.R.) hat mir gratuliert,”, erklärte Trump in einem Anruf beim konservativen Radiomoderator Rush Limbaugh zu Wochenbeginn.

“Er hat mir gratuliert und erklärt, ich sei die Nummer eins”, so Trump kryptisch. Gemessen an den Likes von Trumps Fanpage stimmt das zumindest nicht: Der amtierende US-Präsident bringt es aktuell auf 25 Millionen Fans, während die nach Likes wahre Nummer eins, Cristiano Ronaldo, 122 Millionen Likes auf seiner Fanpage zählt.

Unterdessen bleibt Donald Trump seiner bewährten Facebook-Strategie im Vorfeld der kommenden US-Wahl treu. In den vergangenen 30 Tagen habe das Wahlkampfteam des Präsidenten allein 2,3 Millionen Dollar für 33.000 Anzeigen auf dem weltgrößten Social Network ausgegeben, wie BuzzFeed berichtet.

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