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Friede, Freude, Tortenmarsch! Der neue „Traumschiff“-Kapitän Florian Silbereisen macht alles richtig, was Sascha Hehn falsch gemacht hat

Au Backe! Das neue Medienjahr fängt ja gar nicht friedlich an mit diesem schlimmen „Oma-Umweltsau“-Shitstorm und Richard Gutjahrs bitterer Abrechnung mit seinem Ex-Arbeitgeber Bayerischer Rundfunk. Wenigstens das ZDF-„Traumschiff“ ist unter Kapitän Florian Silbereisen wieder auf Kurs. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Na, auch schon wieder im Geschirr nach den fetten Festtagen? Das Medienjahr hat ja leider eher unerquicklich angefangen mit diesem schlimmen Shitstorm zur „Oma Umweltsau“. Der WDR hat ein harmloses Quatsch-Liedchen veröffentlicht, in dem ein Kinderchor das olle „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, meine Oma ist ’ne ganz patente Frau“ umgetextet hat zu „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“. Kann man machen, muss man nicht machen. Kann man drüber lachen, muss man nicht. Der Furor dazu war jedenfalls gnadenlos überzogen. Meine fünf Cent zum Thema habe ich bereits hier niedergeschrieben. Ein Gedanke noch dazu: Der Vorwurf, dass die Kinder hier von sinistren Systemmedien-Menschen instrumentalisiert worden seien, ist lachhaft. Kinder werden andauernd in den Medien „instrumentalisiert“. Sei es auf Wahlplakaten oder Wahlwerbespots von Parteien, sei es in Charity-Shows, sei es in fiktionalen TV-Sendungen, von denen einige sogar lustig gemeint sein könnten. Bei einem Format wie „Rabenmütter“ ist das „instrumentalisieren“ von Kindern sogar wesentlicher Bestandteil der meisten Witze. Dass man in der ARD den Kinderchor bei der Berichterstattung über die „Affäre“ nur noch verfremdet gezeigt hat, leistet solch unangemessenem Instrumentalisierungs-Gemaule freilich nur Vorschub.

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Die Öffis haben es auch nicht leicht. Immer sollen sie sparen und sich rechtfertigen. Der nunmehr amtierende neue ARD-Chef und WDR-Intendant Tom Buhrow findet im neuen Jahr hoffentlich noch den richtigen Ton und lässt das Büßerhemd wieder in den Schrank hängen. Sein Vorgänger, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, hat im neuen Jahr auch noch einen mitbekommen, und zwar von seinem prominenten Ex-Mitarbeiter Richard Gutjahr. Der hat sich in einem offenen Brief bitter beklagt, dass der BR-Intendant ihn beim Kampf gegen rechte Hetzer allein gelassen habe. Nun ist die Zusammenarbeit zwischen Gutjahr und dem Bayerischen Rundfunk beendet. Wer hier wieviel Schuld hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber es ist immer schade, wenn man nach so vielen Jahren so auseinandergeht. Beide Vorgänge, die „Oma-Affäre“ und Gutjahrs Abrechnung, zeigen jedenfalls, dass auch in diesem Jahr der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter hohem Rechtfertigungsdruck stehen wird.

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Es gab aber auch gute Nachrichten für die Öffis! Beim „Traumschiff“ hat Kapitän Florian Silbereisen, Pardon: Max Parger, den alten Quoten-Dampfer wieder flott gemacht. Viel wurde geunkt, als das ZDF bekannt gab, dass Schlagerfuzzi Silbereisen die Nachfolge von Sascha Hehn als Capitano auf dem leicht schlagseitigen „Traumschiff“ antreten würde. Zu unrecht! Im Gegensatz zum sich notorisch überschätzenden Hehn, macht Silbereisen seine Sache wirklich gut. Er füllt die prinzipiell leicht lächerliche Rolle mit jenem nötigen Ernst aus, den Sascha Hehn dafür nie aufbrachte. Der frühere Chefsteward vermittelte unter seiner tief sitzenden Kapitänsmütze stets den Eindruck, dass er sich schauspielerisch für unterfordert hielt. Dabei war das Gegenteil der Fall. Die beiden ersten Folgen mit dem Flori waren jedenfalls feinster „Traumschiff“-Trash. Sogar der arme Staff-Kapitän, der nach Hehns überstürzter Von-Bord-Flucht einspringen musste, durfte bleiben. Und auch die Quote war spitze. Friede, Freude, Tortenmarsch! So soll es sein.

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Neues gibt es auch im Privat-TV. Der RTL-Quotenbringer Dschungelshow startet dieses Jahr früher als üblich und mit einer recht viel versprechenden Besetzung. U.a. Sonja Kirchberger, Ex-Boxer Sven Ottke und die Ex vom Wendler sitzen ein. Dass die aktuelle Kindbraut des Wendlers auch mit von der Partie ist, wusste der im Vorfeld schlau zu verhindern. Zum Leidwesen der Zuschauer und Gag-Autoren des Camps. Wegen der schrecklichen Buschbrände in Australien wird diesmal auf ein offenes Lagerfeuer im TV-Camp verzichtet. Der Drehort liege allerdings außerhalb des Gefahrenbereiches, versichert RTL. Die Insassen dürfen ihre Reispampe stattdessen mit Gas köcheln. Und, wie die dpa meldete, werden keine lebenden Tiere mehr verspeist. Dass lebendes Viehzeugs wie Kakerlaken, Maden oder, urgh, Riesenspinnen zu Unterhaltungszwecken verschnabuliert wurde, sorgte immer wieder für Kritik. Und immer mehr Teilnehmer verweigerten sich diesen Extrem-Ess-Prüfungen. Diesmal haben mehrere Kandidaten schon im Vorfeld kundgetan, keine lebenden Tiere verspeisen zu wollen. So ist der Verzicht auf dieses Prüfungs-Element vielleicht eher der Sorge um Kandidatennachschub geschuldet, als dem entdeckten Gewissen für die Dschungelkreatur beim RTL.

Schönes Wochenende!

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