Anzeige

„Projekt Herkules“: Springer-Chef Döpfner lockt „Bild“-Mitarbeiter mit Turbo-Prämie zum Ausscheiden

Springer-Chef Mathias Döpfner – Foto: Axel Springer

Springer-Chef Mathias Döpfner treibt den Personalabbau bei der „Bild“-Gruppe voran. Die Verlagsspitze und der Betriebsrat haben sich jetzt auf die finanziellen Eckpunkte eines Freiwilligen-Programms geeinigt. Dabei sollen Mitarbeiter eine ähnlich hohe finanzielle Entschädigung wie die „Welt“-Kollegen erhalten, falls sie Springer freiwillig verlassen. Das Angebot gilt bis Mitte Februar und erfolgt in zwei Stufen.

Anzeige

Bis heute können sich die Mitarbeiter der „Welt“-Gruppe melden, ob sie das Freiwilligen-Programm der Verlagsgeschäftsführung annehmen. Es sieht vor, dass die Arbeitnehmer der blauen Gruppe eine finanzielle Prämie von 20 Prozent auf das bis Juni 2022 gültige Rationalisierungs-Schutzabkommen erhalten sollen.

Nun haben sich die Geschäftsführung und der Gesamtbetriebsrat auch auf ein Freiwilligen-Programm bei der „Bild“-Gruppe geeinigt, das wie bei den „Welt“-Kollegen eine Turbo-Prämie von 20 Prozent enthält. Zusätzlich sollen Schwerbehinderte aber auch eine Sonderzahlung von 6000 Euro erhalten. Als Mindestabfindung bietet das Medienhaus den „Bild“-Mitarbeitern 10.000 Euro.

Das Freiwilligen-Programm gilt ab dem 6. Januar und erfolgt in zwei Stufen: Danach können in der ersten Stufe vom 6. bis zum 19. Januar Mitarbeiter melden, ob sie das Angebot annehmen. Dabei verzichtet der Arbeitgeber in dieser Phase darauf, die Mitarbeiter anzusprechen. In der zweiten Phase vom 20. Januar bis 14. Februar 2020 will Springer dann auf die „Bild“-Mitarbeiter zugehen, um mit ihnen über ihre weitere Zukunft im Verlag zu sprechen.

Damit dürfte wohl erst ab Mitte Februar feststehen, von wie vielen „Bild“-Mitarbeitern sich Springer-Chef Döpfner genau trennt. Bisher lässt der Vorstand die Belegschaft hierzu im Unklaren. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) befürchtete zuletzt, dass rund 150 Stellen bei der roten Gruppe dem Rotstift zum Opfer fallen (MEEDIA berichtete). Vor allem die Außenredaktionen soll es treffen. Hier seien angeblich 65 Stellen von den Personalmaßnahmen bedroht. Aber auch bei der “Computer Bild” und in anderen Bereichen der Gruppe plant Springer, auf die Kostenbremse zu drücken.

Welle von Arbeitsgerichtsprozessen soll verhindert werden

Der Personalabbau läuft konzernintern unter dem Projektnamen “Herkules”. Mit dem Freiwilligen-Programm für „Welt“ und „Bild“ will Döpfner verhindern, dass eine Welle von Arbeitsgerichtsprozessen auf dem Verlag zurollt. Ob es ihm hierüber gelingt, wird sich zeigen. Döpfner will mit dem Stellenabbau, die beiden publizistische Flaggschiffe des Berliner-Verlags stärker auf Gewinn trimmen. Vor allem bei der „Bild“-Gruppe hat sich der Vorstand viel vorgenommen. So will die „Bild“-Gruppe im TV-Geschäft kräftig mitmischten. Dazu stellt Springer rund 20 Millionen Euro an Investitionsmitteln bereit.

Ein Sprecher von Springer betont auf MEEDIA-Anfrage: „Wie Sie wissen, beabsichtigt Axel Springer die Kostenbasis durch strukturelle Anpassungen um insgesamt rund 50 Millionen Euro zu senken. In diesem Zusammenhang ist auch die Senkung von Personalkosten geplant. Um diese Veränderungen sozialverträglich zu gestalten, bieten wir Mitarbeitern die Teilnahme an einem Freiwilligenprogramm an. Geschäftsführung und Betriebsräte hoffen, auf diese Weise betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu können.“

Und fügt hinzu: „Die beschriebenen Eckpunkte des Freiwilligenprogramms für ‚Bild‘ entsprechen dem abschließenden Verhandlungsstand zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten vom 12. Dezember 2019. Eine entsprechende Vereinbarung, die die vollständigen und endgültigen Bedingungen und Regelungen des Freiwilligenprogramms enthält, wird bei Beginn der Laufzeit abgeschlossen sein.“

Anzeige