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“Überwiegend Offenkundiges” berichtet – Experten legen Bericht zur Stasi-Tätigkeit von Verleger Holger Friedrich vor

Das Führungsteam für den Berliner Verlag (v.l.): Elmar Jehn, Michael Maier, Silke Friedrich, Holger Friedrich, Margit J. Mayer, Jochen Arntz
Das Führungsteam für den Berliner Verlag (v.l.): Elmar Jehn, Michael Maier, Silke Friedrich, Holger Friedrich, Margit J. Mayer, Jochen Arntz Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Der Berliner Verleger Holger Friedrich habe bei früheren Stasi-Kontakten nach einer Expertenanalyse von überlieferten Dokumenten "überwiegend Offenkundiges" berichtet. Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk haben ihren Bericht zu den Stasi-Aktivitäten von Holger Friedrich vorgelegt.

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In einem Fall führten die Informationen des damaligen Soldaten Friedrich zu einer strafrechtlichen Belehrung eines anderen, schreiben Birthler und Kowalczuk in einem Brief an die Chefredakteure von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier”, Jochen Arntz und Elmar Jehn. Die Informationen von Friedrich hätten demnach keinen “politisch-ideologischen Charakter” gehabt. Solche Aussagen zu Lasten Dritter finden sich laut Birthler und Kowalczuk nicht in den gesichteten Papieren.

Die beiden Experten waren um die Sichtung der Stasi-Papiere als unabhängige Einschätzer von Seiten der Redaktion gebeten worden. Die Havemann-Gesellschaft veröffentlichte am Mittwoch die mehr als 20-seitige Analyse. Die Stasi-Kontakte von Friedrich waren Mitte November nach Recherchen der “Welt am Sonntag” bekanntgeworden – kurz nachdem Friedrich zusammen mit seiner Frau Silke den Berliner Verlag mit “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” von der DuMont-Gruppe übernommen hatte.

Laut der nun vorliegenden Analyse war Friedrich von Juni bis August 1988 IM (Inoffizieller Mitarbeiter) der Stasi. Er sei zum IM “gepresst” worden. Es sei zu vier Treffen gekommen, von denen sechs Berichte überliefert seien. Bei der Beurteilung müsse berücksichtigt werden, dass die wenigen Treffen als IM unter der besonderen Situation einer Armeeeinheit zustande gekommen seien. Friedrich habe die Zusammenarbeit beendet, als ein neuer Führungsoffizier für ihn tätig geworden sei und dabei sofort betont, dass er diese Zusammenarbeit nie freiwillig eingegangen wäre.

Die Chefredakteure von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier”, Jochen Arntz und Elmar Jehn, haben nach der Veröffentlichung der Expertenanalyse eine “adäquate Aufarbeitung der DDR-Geschichte” angekündigt. Dies werde publizistisch und mit Diskussionsveranstaltungen begleitet, hieß es am Mittwoch auf der Website der “Berliner Zeitung” in “Eigener Sache“. Die Chefredakteure dankten beiden für die ehrenamtliche und unabhängige Arbeit. Auch die Havemann-Gesellschaft machte die Analyse öffentlich.

dpa

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