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Nach “Centogene” und “IM Bernstein” – “Berliner Zeitung” plant Redaktionsstatut und Beirat

Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich
Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich

Die Journalisten der "Berliner Zeitung" ziehen Konsequenzen aus den aktuellen Ereignissen um ihren neuen Eigentümer Holger Friedrich. Sie wollen ein Redaktionsstatut und einen Redaktionsbeirat einführen. Damit will die Redaktion vermeiden, dass sich ein solcher Fauxpas wie im Fall der Medizintechnikfirma Centogene wiederholt.

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Die Reaktionen der “Berliner Zeitung” auf die jüngsten Vorfälle um Neuverleger Holger Friedrich kommen schnell. Kaum hat die Chefredaktion ein fünfköpfiges Reporterteam gebildet, um zusammen mit der früheren Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, und dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk die Stasi-Vergangenheit ihres Mit-Eigentümers Holger Friedrich lückenlos zu dokumentieren (MEEDIA berichtete), gehen die Journalisten noch einen Schritt weiter: Sie planen, einen Redaktionsbeirat zu gründen und ein Redaktionsstatut einzuführen.

“Grundlinien für die Arbeit der Redaktion”

Dies bestätigt Christian Schlüter, Redakteur Gesellschaft bei der “Berliner Zeitung” und beim “Berliner Kurier”, gegenüber MEEDIA. Er hatte heute die Redaktionskonferenz als Versammlungsleiter geführt. Schlüter: “Die Redaktionen von ‘Berliner Zeitung’ und ‘Berliner Kurier’ wollen sich ein neues Redaktionsstatut geben, das Grundlinien für die Arbeit der Redaktion beziehungsweise der Arbeit zwischen Redaktion und Verlag formulieren will. Außerdem wollen die Redaktionen einen Redaktionsbeirat gründen.”

Die Redaktionsversammlung habe sich darauf verständigt, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Sie soll aus 16 Redakteurinnen und Redakteuren bestehen und das Statut erarbeiten sowie den Redaktionsbeirat gründen. Schlüter: “Das Ergebnis dieser Arbeitsgruppe wird der Redaktion vorgelegt und zur Abstimmung gegeben. Erst dann verfügte ein Beirat über eine verbindliche Arbeitsgrundlage.” Das Statut und die Einsetzung des Beirats müsse mit der Chefredaktion beziehungsweise der Verlagsleitung rechtsverbindlich getroffen werden. Ziel des neuen Status sei es, für inner- und außerredaktionelle Transparenz zu sorgen und zugleich für die journalistische Unabhängigkeit und Qualität der Redaktionen der “Berliner Zeitung” und des “Berliner Kuriers” zu garantieren.

Reaktion auf Vorgänge um Eigentümer Holger Friedrich

Zu dem Schritt hatte sich die Redaktion der “Berliner Zeitung” nach MEEDIA-Informationen bereits am Freitag vergangener Woche entschlossen. Und das aus gutem Grund. Zunächst hatte der “Spiegel” gemeldet, dass die Hauptstadtzeitung auf dem Titel ein wohlwollendes Porträt über den Börsengang der Rostocker Medizinfirma Centogene veröffentlichte, ohne zu erwähnen, dass der Verleger Holger Friedrich Anteile am Unternehmen besitzt. Friedrich selbst gab wohl den Anstoß zum Artikel. Wenig später ging die nächste Enthüllung über den Ticker. Die “Welt am Sonntag” (“WamS”) berichtete, dass ihr neuer Besitzer als “IM Bernstein” für die Staatssicherheit der DDR gespitzelt hatte (MEEDIA berichtete).

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Das letzte Redaktionsstatut der “Berliner Zeitung” war von August 2006 bis Februar 2017 in Kraft. Um Redaktionsstatute hatte es bei der “Berliner Zeitung” in Vergangenheit immer viel Wirbel gegeben, auch 2006. Damals führten die Journalisten ein Redaktionsstatut ein, um sich gegen mögliche Eingriffe ihres Eigentümers, des britischen Finanzinvestors David Montgomery, zu wehren. Der hatte der Zeitung einen harten Sparkurs verordnet. Dies stieß in der Redaktion auf Gegenwehr. Sie befürchtete, dass die Zeitung durch die Kostenmaßnahmen Qualitätseinbußen erleidet.

Maulkorb für die Verleger?

Fraglich ist, was in dem neuem Redaktionsstatut stehen soll. Möglicherweise gehört dazu, die Abläufe und die Arbeitsweise der Redaktion transparenter zu machen. Die Journalisten wollen so vermeiden, dass die Berichterstattung durch geschäftliche Verstrickungen ihrer Eigentümer wie im Fall Centogene erneut in Misskredit gerät. Dies könnte dem Ruf der Zeitung schaden, was den seit Jahren schleichenden Auflagenrückgang beschleunigen würde. Doch das ist nicht alles.

Denkbar ist auch eine Regelung, inwieweit das Unternehmerehepaar Friedrich die Zeitung als Plattform für öffentliche Erklärungen verwenden darf. Die beiden hatten über ihre neue publizistische Spielwiese nicht nur ihr vielfach kritisiertes “Manifest” veröffentlicht. Besitzer Holger Friedrich nutzte die Zeitung auch, um hier vorab die Fragen der “Welt am Sonntag”-Redakteure zu seiner Stasi-Tätigkeit im Original abzudrucken. Das gilt in der Branche als No-go.

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Alle Kommentare

  1. Die beiden für mich definitiv die nervigsten und schlechtesten Personen in der Medienbranche 2019 – und das nach so kurzer Zeit. Ist das alles peinlich. Da passen die DDR Zeitungen Berliner Kurier und Berliner Zeitung aber gut hin.

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