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Kommt Springer zum Zug? Konzernchef Hartmann entscheidet über Zukunft von Autoscout24

Scout24 steht vor einer wichtigen Entscheidung. Firmenchef Tobias Hartmann will Dienstag nächster Woche bekanntgeben, ob sich das Unternehmen von Autoscout24 trennt. Als ein heißer Kaufkandidat gilt der Berliner Medienkonzern Axel Springer. Sollte Springer mit Hilfe von KKR Interesse zeigen, zeichnet sich ein harter Bieterkampf ab. Denn auch andere Finanzinvestoren schielen auf den Mega-Deal des Jahres.

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Es war die Gelegenheit, auf die Mathias Döpfner immer gewartet hatte. Als sich die Deutsche Telekom vor sechs Jahren von Scout24 trennen wollte, reihte sich auch der Springer-Vorstandschef bei den Interessenten ein. Doch der Telefongigant rief für das Webunternehmen einen zu gepfefferten Preis auf. Bis zu zwei Milliarden Euro sollte die Scout24-Gruppe damals als Ganzes kosten. Das war Döpfner am Ende zu viel. Er schied aus dem Bieterrennen aus.

Nun könnte sich dem Springer-Chef eine neue Chance bieten – zumindest für einen Teil der Scout24-Gruppe. Bis Dienstag nächster Woche will Firmenchef Tobias Hartmann entscheiden, ob sich der Konzern von Autoscout24 trennt. Dies will er auf einem Treffen vor Bankanalysten bekanntgeben. „Wir halten weiterhin an dem Timing fest, auf unserem Capital Markets Day am 26. November über die Fortschritte und den aktuellen Stand der ergebnisoffenen Prüfung Auskunft zu geben“, erklärt eine Sprecherin von Scout24 hierzu gegenüber MEEDIA.

Verschiedene Optionen für Autoscout24

Derzeit sind verschiedene Optionen für die Auto-Sparte im Gespräch. Sie reichen vom Verkauf an einen Investor bis zu einer Abspaltung in Form eines separaten Börsengangs. Möglich ist auch, dass gar nichts passiert und Autoscout24 im Unternehmen verbleibt. Egal wie, Hartmann steht vor keiner leichten Aufgabe. Seit Monaten übt der Aktionär Elliot Capital Advisors Druck aus. Er wünscht sich, dass Hartmann Autoscout24 heraustrennt und ein Aktienrückkaufprogramm startet, um den Börsenkurs nach oben zu schrauben.

Sollte sich der Scout24-Chef zu einer Veräußerung durchringen, gilt der Berliner Medienkonzern Axel Springer als heißer Kaufkandidat. Das ist verständlich: Der Mega-Coup könnte Döpfner den erhofften Wachstumssprung verschaffen. Der Medienmanager wäre damit seinem Ziel näher gerückt, den Digitalverlag an die Weltspitze im digitalen Rubrikengeschäft zu führen. Strategisch ergibt der Deal für die Berliner viel Sinn. Sie würden sich neben dem Jobportal Stepstone und den Immobilienportalen ein neues Standbein im Online-Autobereich aufbauen. Dadurch könnte der Vorstand wichtige Synergien heben – sowohl in der Vermarktung als auch in der Verwaltung. Ob sich die Berliner für einen Erwerb der Autosparte interessieren, wollte eine Springer-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA nicht kommentieren.

Möglicher Bieter-Wettkampf

Döpfner kann in einem möglichen Bieter-Wettkampf auf die finanzielle Rückendeckung von KKR setzen. Der US-Finanzinvestor ist vor Monaten mit mehr als 40 Prozent bei Springer eingestiegen und verfügt über erhebliche Kapitalmittel. Dennoch wird ein Zukauf kein Selbstläufer. Denn an Autoscout24 zeigen diverse Finanzinvestoren großes Interesse. Genannt werden hier Beteiligungsfirmen wie Permira, Apex, Carlyle und Hellman & Friedman (H&F), allesamt milliardenschwer. Besonderes Interesse wird vor allem Hellmann & Friedman nachgesagt, heißt es in Finanzkreisen. Das Unternehmen hat seit längerem ein Auge auf die Scout24-Gruppe geworfen. So hatten H&F und der US-Finanzkonzern Blackstone im Frühjahr für die gesamte Gruppe ein Übernahmeangebot von 5,7 Milliarden Euro abgegeben. Jedoch scheiterten die US-Investoren, weil den Scout24-Anteilseignern das Angebot nicht ausreichte.

Nun kostet Autoscout24 bei weitem nicht so viel wie die gesamte Gruppe. Die Sparte steht für etwa ein Drittel der Erlöse des Konzerns, der an der Börse aktuell mit 5,61 Milliarden Euro bewertet wird. Das wären knapp 1,9 Milliarden Euro. Doch für diesem Preis werden die Scout24-Eigner die Autosparte kaum hergeben. In Bankkreisen geht man davon aus, dass sich die Beteiligungsfirmen ein hartes Bieterrennen liefern. Dies treibt die Kaufsumme in die Höhe. Bereits jetzt sollen der Scout24-Spitze unverbindliche Kaufangebote in Höhe von bis zu 2,3 Milliarden Euro vorliegen, heißt es. Bei einem Übernahmekampf stellt sich für potenzielle Erwerber natürlich die Frage, ab wann sich die Akquisition nicht mehr rechnet. Döpfner und KKR werden sich deshalb genau überlegen, welche Summe gerechtfertigt ist. Ist der Preis zu hoch, könnte der Springer-Chef am Ende erneut mit leeren Händen dastehen.

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