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“Berliner Zeitung” und “IM Bernstein”: Reporterteam soll Stasi-Historie des Verlegers Holger Friedrich klären

Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich
Die neuen Eigentümer des Berliner Verlags: Silke und Holger Friedrich

Die Stasi-Vergangenheit des neuen Verlegers Holger Friedrich belastet die "Berliner Zeitung". Nun hat die Chefredaktion ein Reporterteam gebildet, um die Verstrickungen des ostdeutschen Unternehmers als "IM Bernstein" in der früheren DDR zu dokumentieren. Unterstützung erhalten sie von Marianne Birthler, der früheren Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde und dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk.

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Für die Journalisten der “Berliner Zeitung” war es ein schwarzer Freitag. Erst meldete der “Spiegel” Ende vergangene Woche, dass die Hauptstadtzeitung auf dem Titel ein wohlwollendes Porträt über den Börsengang der Rostocker Medizinfirma Centogene veröffentlichte, ohne zu erwähnen, dass der Neuverleger Holger Friedrich Anteile am Unternehmen besitzt. Dann landete die “Welt am Sonntag” (“WamS”) wenig später ein viel größeren Nachrichten-Coup. Der neue Besitzer, Holger Friedrich, hat jahrelang als “IM Bernstein” für die Staatssicherheit (Stasi) der DDR gespitzelt. Demnach soll der schillernde Geschäftsmann während seines dreijährigen Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee (NVA) über Kameraden an die Stasi berichtet haben. Laut “WamS” hat Friedrich einige davon schwer belastet (hier haben wir die aktuellen Vorgänge rund um Holger Friedrich und die “Berliner Zeitung” zusammengefasst).

Für die “Berliner Zeitung”, die sich jahrelang bemühte, die Stasi-Vergangenheit diverser Mitarbeiter aus dem Redaktionsstuben aufzuarbeiten und abzuschütteln, ein Mega-GAU. Nun plant die Redaktion, die Verstrickungen ihres Eigentümers in der früheren DDR für die Öffentlichkeit aufzuklären. Dazu wird ein fünfköpfiges Reporterteam gebildet, dass die Geschichte um den Verleger dokumentieren soll. Unterstützung erhalten sie von Marianne Birthler, die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde und dem Historiker Ilka-Sascha Kowalczuk. Dies bestätigt der Verlag gegenüber MEEDIA.

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Birthler und Kowalczuk sollen den Redaktionen der “Berliner Zeitung” und des “Berliner Kuriers” helfen, die Stasi-Akten des Verlegers Holger Friedrich zu sichten. Unterdessen hat die Stasi-Unterlagen-Behörde den zugänglichen Teil der Täter-Akte der Zeitung zur Verfügung gestellt. Die Redaktion soll nun auch die Opfer-Akte angefordert haben – mit dem Einverständnis von Friedrich.

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Alle Kommentare

  1. Der Fall der Berliner Zeitung mit ihrem Stasi-IM-Bernstein-Verleger Holger Friedrich in den Abgrund des Unglaubwürdigen und Lächerlichen wird immer skurriler:
    “Nun hat die Chefredaktion ein Reporterteam gebildet, um die Verstrickungen des ostdeutschen Unternehmers als “IM Bernstein” in der früheren DDR zu dokumentieren.”
    Genauso hätte die Aktuelle Kamera des DDR-Fernsehens ein Reporter-Kollektiv aufstellen können, um den Zustand des realexistierenden Sozialismus zu beschreiben. Was wäre dabei herausgekommen? Ein Dank an Erich Honecker und Egon Krenz für die unermüdliche Arbeit beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft. Bei Erichs Ziehsohn hat sich Friedrich ja schon bedankt, also BZ-Kollektiv: Lasst es lieber.

  2. „Das, was in den Stasi-Akten steht, hat mich nie sonderlich berührt, weil ich es immer für gleichermaßen unappetitlich gehalten habe. Die Stasi-Akten sind insofern ein Ärgernis …, weil sie heute die ganze Atmosphäre vergiften und weil niemand genau weiß, was in dem Bericht Liebedienerei ist und was den Tatsachen entspricht. So kommt ein ganz übler Geruch hoch. Wir müssen aufpassen, dass er unser Leben heute nicht vergiftet. Wenn ich völlig frei entscheiden könnte, wüsste ich, was mit den Akten geschehen müsste.“

    (Helmut Kohl, zitiert nach „Die Welt”, 13.9.2004)

    Zum Geruch trägt bei, dass im Fall Friedrich, der seine verlegerischen Ambitionen abhaken kann, ausgerechnet die geheimdienstlich selbst kontaminierte Konkurrenz den moralischen Hammer schwingt. Ein prominenter Spitzel war z.B. der ehemalige Bild- und Spiegel-Mann Diethelm Schröder (IM „Schrammel”).

    1. was genau verstehen Sie unter “verlegerische Ambitionen abhaken”? Fakt ist: Herrn Friedrich bzw. dem Ehepaar Friedrich gehört dieser Verlag nun mal ganz allein. Er könnte ihn also wieder verkaufen. Allerdings wird er dafür vermutlich einen Preis aufrufen, der wesentlich höher liegt als die Summe, die er selbst bezahlt hat. Denn mittlerweile ist bekannt, dass allein die “berlin.de”-Beteiligung viel wert ist und der Senat ihm diesen Anteil spätestens Ende 2021 abkaufen muss. Das hat er wohl als einziger richtig erkannt. Auf der anderen Seite fand sich außer ihm niemand, der den Verlag von Dumont haben wollte. Sollte sich jetzt kein Käufer finden, der wesentlich mehr zahlt als Friedrichs Einstandskurs, dann bleibt er eben Verleger. Dann liefe “Ambitionen abhaken” ins Leere.

      1. Ich vermute, er wird von der Konkurrenz (evtl. auch aus dem eigenen Haus) derart in die Moralmangel genommen, dass er sich in einer Weise, die ich natürlich nicht vorhersagen kann, aus der Schusslinie zu nehmen versucht. Also zumindest das aktive Verlegen bleiben lässt, um Schäden zu begrenzen. Kein Tagesgeschäft, größte Vorsicht mit Richtlinien und Programmatiken.

        Bald ist Advent, und das ist Spekulatius, zugegeben.

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