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“Behalten Sie auch ein paar Boulevardzeitschriften” – existenzielle Probleme, große Reden und gute Tipps beim VDZ Publishers’ Summit

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beim VDZ Publishers’ Summit 2019
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) beim VDZ Publishers' Summit 2019 Foto: VDZ.de

Polit- und Branchen-Prominenz gaben sich am ersten Tag des Zeitschriftenverleger-Kongresses in Berlin ein Stelldichein. Die Zukunft von Print, der "epische Kampf" um die Demokratie, Werbung bei "Peppa Wutz", Sorge um Boulevardzeitschriften und fehlender Verlags-Nachwuchs waren da nur einige der Themen. Eindrücke vom VDZ-Publishers' Summit in Berlin.

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Von Christian Bartels

Alles wächst zusammen im Mediengeschäft und zu Gunsten gedruckter Medien verläuft diese Entwicklung eher nicht. Als erster politischer Stargast des Kongresses des Verbands Deutscher Zeitaschriften Verleger (VDZ), des “Publishers’ Summit”, musste Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident  Armin Laschet (CDU) seinen nett aufmunternden Satz “Print hat Zukunft” kurz erklären. Selbsterklärend ist er heutzutage nicht. Ansonsten kündigte Laschet den Medien-Staatsvertrag, der nach jahrelangen Beratschlagungen der Verabschiedung entgegensieht, als großen Wurf an, mit dem die Politik der Medien-Entwicklung gerecht werden will.

“Journalismus im Stresstest”

Wenn alles zusammenwächst, führt es auch dazu, dass auf den keineswegs wenigen Medienkongressen oft ähnliche Themen besprochen werden. Die Diskussion “Journalismus im Stresstest” zur Frage, ob in Deutschland noch alle Meinungen geäußert werden dürfen, litt ein wenig darunter, dass in der Runde recht wenig Kontroverse herrschte. Marion Horn von der “Bild am Sonntag” des Springer-Verlags bekundete “irre Zugriffszahlen” für digitale Angebote. Jörg Quoos, Chef der Funke-Zentralredaktion, mahnte, vor lauter Überlegungen “was der richtige Pace” ist, nicht den Kern des journalistischen Geschäfts zu vergessen. Jan Fleischhauer, Ex-“Spiegel Online”- und nun “Focus”-Kolumnist, riet, Marken zu stärken, etwa durch YouTube-Formate.

Wobei nicht vergessen werden dürfe, dass nicht alle, die gut schreiben können, auch vor Kameras funktionieren. Immerhin dürfte laut Christian Rieck, Professor für Finance und Wirtschaftstheorie in Frankfurt am Main, Künstliche Intelligenz auf absehbare Zeit journalistische Arbeit nicht überflüssig machen, sondern besser – was aber auch nötig sei, da digitale Arbeitserleichterungen bei den Kunden bislang oft so ankämen, als würden sie die Arbeit bloß billiger machen. 

“Epischer Kampf”

Eine umso alarmierendere Ruckrede hielt nach der Mittagspause Burda-Vorstand Philipp Welte. Da ging es um den “epischen Kampf”, in dem sich das “Kraftzentrum unserer Demokratie”, der freie Journalismus, befinde. Welte gab einen fundierten Überblick über die bekannten Entwicklungen zwischen Thüringen und Türkei, Donald Trumps USA und – selten in diesen Zusammenhang genannt – Frankreich, dessen größte private Medien inzwischen großenteils Mäzenaten beziehungsweise branchenfremden “Oligarchen” gehören.

Der Rundumschlag endete wiederum in der deutschen Verlagslandschaft: “Unsere wirtschaftliche Basis erodiert”, der marktwirtschaftlich finanzierte Journalismus sei “existenziell bedroht” durch die Dominanz der Konzerne, die die “sich immer härter zementierende digitale Infrastruktur” beherrschen. Konkrete Forderungen an die Politik, die diese Zementierung “seit mehr als einer Dekade bestaunt”, hatte Welte nur eine: Die nächste, zehnte  Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) müsse eine wirksame Kontrolle marktbeherrschender Plattformen bringen.

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Ging der zweite politische Stargast des Publishers’ Summit, der nicht etwa von der SPD, sondern von der derzeit zweitstärksten Partei kam, im anschließenden “Impuls Bundespolitik” darauf ein? Erst mal gar nicht. Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hielt eine überlange, doch mit viel Verve vorgetragene Alles-Mögliche-rund-um-Medien-Rede, in der es vor allem um die Lage in den syrischen Kriegsgebieten und um den Brexit ging, dann auch um die Werbung in “Peppa Wutz”-Filmen, die ihre Kinder inzwischen sähen.

“Ein Fan von Regulierung”

Bundespolitisch liegt Baerbock vor allem am Herzen, Ausweitungen der Verfassungsschutz-Rechte, die nach dem rechtsextremen Mordanschlag in Halle wieder auf die Tagesordnung rückten, zu verhindern. Am Schluss ihres Beitrags ging sie dann knapp auf die im Lauf des Tages aufgelaufenen politischen Forderungen ein, sie sei “ohnehin ein Fan von Regulierung”. Um “eine Art Waffengleichheit” zwischen Digitalkonzernen und “den bisherigen Verlagen” herbeizuführen, müssten die Bundesländer und am besten eine eigenständige europäische Kartellbehörde “viel stärker ran” an die Konzerne. Über das EU-Urheberrecht und damit die europäische Version des auf deutscher Ebene sang- und klanglos gescheiterten Leistungsschutzrechtes, auf das der VDZ große Hoffnungen setzt, müsste “politisch noch weiter” diskutiert werden.

Ob Verlegerverband und Grünen auch nur auf derselben Ebene argumentieren, wurde leider nicht deutlich. Dafür formulierte Baerbock noch den netten Abschiedsgruß “behalten Sie auch ein paar Boulevardzeitschriften bei”, denn Einrichtungszeitschriften und “bunte Bildchen” hülfen ihr, nach harten Arbeitstagen beim Runterkommen. 

Da konnte der folgende Vortragende, Lars Joachim Rose von der Verlagsgruppe Klambt, helfen: “Wir machen das noch viele Jahre”, versprach er der bereits hinauseilenden Grünen. Dass Boulevardblätter eingehen würden, zählt in der Tat nicht zu den akuten Gefahren der Verlagslandschaft. Rose überraschte dann in seinem Impuls, wieder zu einem völlig anderen Thema, mit selbstkritischen Tönen. Seine in Speyer ansässige Verlagsgruppe hätte in den vergangenen Jahren “auch bedingt durch schnelles Wachstum einiges versäumt” und daher, so wie die Verlage an sich, “ein Imageproblem mit uns selbst und unserer Branche”. Schließlich würden “die meisten von uns immer noch mit ordentlichen Margen” arbeiten, doch jungen Leuten scheine Arbeit für Zeitschriftenverlage, dieser “Spagat zwischen Kunst und Handwerk”, oft nicht mehr attraktiv.

Da machte eine kleine Diskussionsrunde zum VDZ-“Kreativlabor”, in der die Begriffe “Leidenschaft” Innovation und “brennen für” häufiger fielen, Mut. Das Publikum im zu gut zwei Dritteln gefüllten Saal im Umspannwerk in Berlin konnte via App eine Wortwolke zur Diskussion bearbeiteten. Am Ende erschienen die Begriffe “mehr zuhören”, “Veränderungen zulassen” und ganz besonders “Mut” am größten. 

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Alle Kommentare

  1. British philosopher John Stuart Mill once stated that “a great politician is someone who knows when and when to leave the tradition and when to obey the tradition.”
    With these words in mind, I would like to welcome Wolfgang’s contribution to the public.

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