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Strukturreform des VDZ: Präsident Rudolf Thiemann steht vor schwieriger Aufgabe

Rudolf Thiemann führt den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)
Rudolf Thiemann führt den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)

Präsident Rudolf Thiemann will beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) eine neue Beitragsstruktur durchsetzen. Dazu plant er, den Verband radikal umzustrukturieren. Die Delegiertenversammlung soll hierfür am kommenden Sonntag die erforderlichen Weichen stellen. Fraglich ist bislang, wie sich Gruner + Jahr, Spiegel & Co. positionieren.

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Die Einladung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zur Delegiertenversammlung, die vor kurzem verschickt wurde, ist übersichtlich. Sieben Punkte stehen auf der Agenda – darunter Formalien wie die Entlastung des Präsidiums und der Geschäftsführung. Knapp 20 Minuten hat der VDZ hierfür einkalkuliert. Deutlich mehr Zeit räumt der Verband den Delegierten für Punkt 5 auf der Tagesordnung ein. Und der hat es in sich: “VDZ 2020 – Status Quo Reform und nächste Schritte”. Denn der Verband, wichtigste Stimme für die deutsche Magazinbranche, steht vor einem radikalen Umbau.

So sollen die Landesverbände auf den Bundesverband verschmolzen werden, ohne allerdings die Präsenz der Lobbyvereinigung in den Regionen ganz aufzugeben. Dazu hatten der Fachverband der Publikumszeitschriften (PZ) und die Mitgliederversammlung bereits Ende September ihr Plazet gegeben. “Wir Verlage sind die Heimat des unabhängigen, unternehmerisch getragenen Journalismus in Deutschland und brauchen einen modernen Bundesverband, der für die freie Presse kämpft. Das einstimmige Votum der Mitgliederversammlung unterstreicht die Entschlossenheit zur Veränderung”, sagte Philipp Welte, Sprecher des PZ-Fachverbands und Vorstand Hubert Burda Media.

Entscheidendes Votum steht an

Nun steht das Votum der Delegiertenversammlung am kommenden Sonntag an, das in allen Angelegenheiten des VDZ entscheidende Organ. Als wahrscheinlich gilt, dass die Versammlung der Empfehlung des PZ-Fachverbands folgt und damit die notwendigen Weichen stellt, um den Umbau von weiteren Gremien abnicken zu lassen – nicht zuletzt von den jeweiligen Landesverbänden, die dadurch wohl ihre Auflösung absegnen. Mit dem Umbau bezweckt VDZ-Präsident Rudolf Thiemann vor allem eine neue einheitliche Beitragsstruktur, die die Lasten der Verbandsmitglieder – wohl nach Umsatzgrößen – gerechter verteilt.

Dabei plant Thiemann, auch Schlupflöcher zu stopfen. Er will vermeiden, dass Verlage Dienstleistungen des Verbands nutzen, ohne hierfür zu zahlen. Denn hier rumort es seit längerem hinter den Kulissen. Anlass hierfür ist das Verlagsquartett Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit und die Medweth-Gruppe. Sie waren 2017 demonstrativ aus dem wichtigen Fachverband Publikumszeitschriften des VDZ ausgetreten, weil sie sich bei der Nominierung des Funke-Gesellschafters Stephan Holthoff-Pförtners zum VDZ-Präsidenten übergangen fühlten. Von “Hinterzimmen-Bünden” war damals in einem Brief die Rede.

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Verärgerung im Verband

Seither versuchen die VDZ-Spitzen die abtrünnigen Printhäuser dazu zu bewegen, wieder dem Fachverband beizutreten. Zuletzt durch VDZ-Präsident Thiemann. Bisher macht Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel aber keine Anstalten, an dem Zustand etwas zu ändern. Im Gegenteil: Sie sorgt im Branchenverband für Verärgerung, weil Grund: Gruner + Jahr angeblich die im PZ-Fachverband aufbereiteten Brancheninformationen nutzen soll, ohne hierfür zu zahlen. “Cherrypicking” prangerte deshalb Klambt-Verleger Lars Rose das Verhalten von Gruner + Jahr, Spiegel & Co. öffentlich auf einer VDZ-Veranstaltung an, ohne allerdings die Medienunternehmen beim Namen zu nennen.

Nun naht die Stunde der Wahrheit. Mit der Neuausrichtung des VDZ würden Gruner + Jahr, Spiegel & Co, die weiter im Landesverband vertreten sind, in den Bundesverband aufrücken. Sie wären damit zugleich wieder Teil des Fachverband Publikumszeitschriften beim VDZ. Doch das hat seinen Preis: Die Häuser müssten durch die Reform wohl höhere Beiträge zahlen. Ob sich G+J – als Sprecher des Quartetts – jetzt wieder stärker im VDZ engagiert, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Im Verband hofft man, dass G + J die alten Zeiten hinter sich lässt und die VDZ-Strukturreform wohlwollend begleitet.

Gruner + Jahr und Spiegel Verlag wollen sich hierzu auf Anfrage von MEEDIA nicht äußern.

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Alle Kommentare

  1. Ich bin in großer Sorge, ob es reicht, nur Flagge für die Pressefreiheit zu zeigen.

    Die Verlage als unabhängige Unternehmen und Heimat des unabhängigen, unternehmerisch getragenen Journalismus in Deutschland, haben weder eine nationale, noch europäische oder gar globale Innovationsstrategie, obwohl sich die GAFA-TAB-Unternehmen und rund 450 Einhörner weltweit immer mehr um die Globalisierung und Vernetzung verdient machen.

    Meine Empfehlung:

    – als Verband unbedingt zusammenrücken
    – EU-Strategie aufbauen
    – dem SmartCity-Bias* nachgehen
    – Zeitungen in Digitaler Agenda** der Bundesregierung verankern.
    – auf 5G-bidirektionale Echtzeitkommunikation vorbereiten
    – verlagsübergreifende Video- und Rundfunkregulierung organisieren.

    * SmartCity-Bias:
    Weltweit 700 SmartCity-Strategien, Thema Pressefreiheit und Zeitung fehlen

    Digitale Agenda 2014-2021 **
    Wo bitte sind die Strukturen & Plattformen zur Sicherung von Pressefreiheit?

    Beispiel:
    https://www.de.digital/DIGITAL/Navigation/DE/Digital-Gipfel/digital-gipfel.html

    Kontrollfrage:
    Was macht eigentlich die Kulturstaatsministerin und was macht der Verfassungsschutz zur Aufrechterhaltung der Pressefreiheit und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Verlage?

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