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Digital-Chefredakteurin Julia Bönisch verlässt die “Süddeutsche Zeitung” “in gegenseitigem Einvernehmen”

Julia Bönisch ist in der SZ-Chefredaktion für Digitales zuständig
Julia Bönisch ist in der SZ-Chefredaktion für Digitales zuständig

Spekulationen gab es in den vergangenen Wochen bereits, nun ist es offiziell: Die "Süddeutsche Zeitung" und ihre Digital-Chefredakteurin Julia Bönisch gehen getrennte Wege. Hintergrund war u.a. ein Streit um einen Gastbeitrag von Bönisch im Magazin "Journalist". Die Nachrichtenchefs der "Süddeutschen Zeitung", Iris Mayer und Ulrich Schäfer, übernehmen kommissarisch.

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“SZ”-Geschäftsführer Stefan Hilscher schickt der bisherigen Digitalchefin Lob und Dank hinterher: “Julia Bönisch hat maßgeblich dazu beigetragen, die Süddeutsche Zeitung zum führenden Nachrichtenangebot im deutschsprachigen Internet zu machen. Mit ihrer Freude am Qualitätsjournalismus und ihrer Expertise im innovativen Redaktionsmanagement hat sie wesentliche Leitplanken für unsere kommende Entwicklung gesetzt, unser Haus in den vergangenen Jahren geprägt und damit zu unserem Erfolg entscheidend beigetragen. Den erfolgreich eingeschlagenen Weg werden wir fortsetzen. Wir danken ihr für ihre hervorragende Arbeit.”

Julia Bönisch, die seit 2007 in der Onlineredaktion der “Süddeutschen Zeitung arbeitete”, 2017 zur Chefredakteurin von SZ.de aufstieg und Ende 2018 auch in die Chefredaktion der “Süddeutschen Zeitung” berufen wurde, wird mit den Worten zitiert: “Ich bedanke mich bei dem Verlag und vor allem bei meinem Team für die gute Zusammenarbeit. Wir haben gemeinsam viel erreicht, und darauf bin ich stolz. Doch jetzt trennen sich unsere Wege. Manchmal braucht man den Mut zu Veränderungen.”

Streit um Gastbeitrag im “Journalist”
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Der “Mut zu Veränderungen” entstand wohl nicht ganz freiwillig. Seit Mai gab es Unstimmigkeiten innerhalb des Hauses, nachdem ein Gastbeitrag von Bönisch im Magazin “Journalist” für Unmut sorgte. Bönisch schrieb damals u.a. von “Beharrungskräften”, die Veränderungen im Haus verhindern, und vom Gegenwind, der ihr als Frau entgegenschlage. Ein Tabu brach die Digitalchefin mit der Forderung, die strikte Trennung zwischen Redaktion und Verlag aufzuheben, um die Prozesse zu optimieren. Der Job von Redaktionsleitern, schrieb Bönisch damals, sei weniger die Schönschreiberei oder “wuchtige Texte”. Vielmehr müssten sie sich als Manager und Produktchefs verstehen, die in “Workflows und Prozessen denken”. Davon fühlten sich u.a. die “SZ”-Chefredakteure Kurt Kister und Wolfgang Krach angesprochen.

Nun gehen “Süddeutsche Zeitung” und Bönisch getrennte Wege, die Redaktionsleitung von SZ.de übernehmen kommissarisch erst einmal die Nachrichtenchefs der “Süddeutschen Zeitung”, Iris Mayer und Ulrich Schäfer.

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Alle Kommentare

  1. “….und vom Gegenwind, der ihr als Frau entgegenschlage…”
    Bei den “hässlichen alten weißen Männern” ist es ganz selbstverständlich deren Qualifikation wenn es berufliche Probleme gibt.
    Bei allen anderen Gruppen ist es selbstredend deren Geschlecht, die Hautfarbe, oder die Religion oder gar eine Kombination aus diesen Merkmalen.
    Nur niemals deren Qualifikation…..

  2. Als schnelle Ergänzung ein Link auf DIE ZEIT aus 2013. Man mag es kaum glauben, was dort schon stand über “Gefräßige Anstalten – die Öffentlich-Rechtlichen geben sehr viel für eigene Mitarbeiter aus. Was bleibt fürs Programm?” . Der LÖSUNGSVORSCHLAG des ÖR-Problems gilt auch heute noch:

    “Der Anteil der Ausgaben für das Programm nimmt weiter ab, während die Kosten für Personal und Technik stetig steigen. Schmidts Vision: besseres Fernsehen für weniger Gebühren. Dafür müsste man zunächst nach dem Vorbild einer BAD BANK, in der Krisenbanken ihre Schrottpapiere ablegen, einen “Bad Broadcaster” gründen, so Schmidts Empfehlung. Dort könnten die reformunwilligen Mitarbeiter und die ineffizienten Bereiche der Verwaltung versammelt werden. Finanziert werden könnte dieser Ableger durch den immensen Immobilienbesitz und die Pensionsrücklagen der Sender. Dann sei die Chance da, so Schmidt, an die Gründung eines neuen Senders zu denken, auf Basis der Empfehlungen einer Expertenkommission. Fünfjahresverträge für die Mitarbeiter, ein öffentlich-rechtliches Haus, in dem unbedingte Transparenz herrscht….” Lesenswert: https://www.zeit.de/2013/22/oeffentlich-rechtliches-fernsehen-verwendung-gebuehren/komplettansicht

  3. “im gegenseitigem Einvernehmen”

    Da bedeutet doch dann, man ist froh sich gegenseitig endlich los zu sein und darüber besteht nun wirklich mal Einvernehmen, wenn schon sonst bei kaum noch was?

    Es hat also wahrscheinlich eine mutige Frau die Ketten jahrelanger männlicher Unterdrückung zerissen und zu ihren Peinigern, die sie so lange mit Geld gequält haben, gesagt: “Ich gehe!”

    worauf diese einvernehmlich geantwortet haben:

    “Ja, dann geh doch zu Netto!”

    Hab ich das jetzt richtig interpretiert?

  4. Es ist unerträglich, dass in allen Medien der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Samthandschuhen angefasst wird. Trotz der ARD/ZDF-Studie die ja wohl eindeutig ergeben hat, dass diese Saftläden (Kartell, Oligopol) mit ihrer von den Staatskanzleien freundlich begleitenden, unbegrenzten Macht-Fülle bis zur Pension über Jahrzehnte vor allem Frauen diskriminieren. Zwar sind es meist Männer im fiktionalen Bereich, die sich die ihnen genehmen Frauen “aussuchen” aber auch Macht-Frauen (stark beim BR) die sich genau so furchtbar benehmen. Wie kann es heute noch diese Langlauf-Macht-Besitzer ohne Transparenz-Gebot bei ihren Entscheidungen geben? Jeder Selbstständige muss erfassen und begründen, warum er welche Entscheidungen trifft. Dieses Kartell muss gar nichts, nicht einmal umgehend schriftliche Begründungen für jedwede Form von Entscheidungen, Besetzungen inklusive der dabei großzügig verteilten Honorare zu erstellen. Fragt doch mal anonym bei Produktionen u.a. Betroffenen nach! Dass diese Kartelle – angeblich überwacht von der Lachnummer “Rundfunkrat/Fernsehrat” – gehören neu aufgesetzt und vor allem extern überprüft. Denn Kinder der Fernsehräte, die beim von ihnen “kontrollierten” ÖR herumsitzen, haben so lange dort nichts zu suchen, solange von Intendant über Programmdirektion, Redaktionsleitung und on top diese “Nadelöhr-Redakteure”, die niemand mehr braucht (siehe Plattformen), die angeblich vorhandenen Richtlinien nicht eingehalten werden, weil es einfach keine Kontrolle gibt. Es gibt genügend schlimme Beispiele von Leuten, die heimlich gefeuert wurden, weil Verwandte über Jahre im Einsatz waren oder andere, die noch da sind, die man aber nach Jahren oder Jahrzehnten klammheimlich vom Projekt “entfernt” hat… Und so tummeln sich die Kinder/Partner von gut beschäftigten Autoren, Schauspielern, hauseigenen Redakteuren (sic!), Produzenten oder gar die meist männlichen Regisseure mit Privat-Besetzungswünschen in von allen Bürgern finanzierten ÖR-Filmen. Die Transparenz in diesem Bereich muss kommen. Die vielen Leute, die Kenntnisse von diesen Zuständen und Abläufen haben. sollten sich an Rundfunkräte/Fernsehräte wenden. Die Medien sind – siehe investigative Zusammenschlüsse – keine Beschwerde-Stellen mehr, die in diesem Bereich irgendetwas aufdecken wollen. Sie stecken mit dem ÖR fast alle unter einer Decke und schützen ihn mit der Behauptung, der ÖR sei wichtig für Deutschland. Sie denken dabei an Nachrichten etc. und vergessen, dass im Bereich der unkontrollierten Fiction die Hölle los ist und diese Saftläden nach wie vor eine ganze Branche dominieren. Erwähnen sollte man z.B. die FAZ, die über Jahrzehnte die ÖR und ihr Kartell etc. anprangern – leider ohne Erfolg. Das liegt auch am Schutzmantel von Big-Money-Playern wie Bertelsmann, Freemantle etc., die hier ein ganz mieses Spiel mit denjenigen treiben, die diesen Moloch ÖR in Deutschland – siehe Töchter etc. – zu finanzieren haben….

    1. So ist es… und noch schlimmer ist es bei ARD/ZDF und ihren hunderten Tochterfirmen. Aktuell ist doch sehr spannend, wie viele Frauen regelrecht rausgeekelt werden.. indem vor allem Männer darüber reden, sie könnten den Job nicht… Hier sollten auch die SZ-Männer mitgehen müssen. Jetzt! Und die absolute Macht über Jahrzehnte muss durch absolute Transparenz bei allen Entscheidungen – auch bei Gehältern etc. – eingehegt, wenn nicht sogar begrenzt werden. Vielleicht werden sie dann etwas vorsichtiger in ihrer Macht-Blase, die viele von ihnen auf Biegen und Brechen verteidigen. Siehe CSU mit Frauen-Quote. Alles alte Männer, unterstützt von Frauen, deren Intention ich bis heute nicht verstanden habe… Allerdings stelle ich fest, dass noch jede Frau in ihrem Leben schmerzhaft begreifen muss und wird, dass sie nicht dieselben Recht haben wie die Männer. Immer und überall. Na denn Mädels… weiter so… oder?

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