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eSports, E-Commerce und Finanzen: So unterschiedlich stark sind die Branchen von Ad Fraud betroffen

Ad Fraud
Ad Fraud

Der Betrug mit nichtmenschlichem Traffic hat das Smartphone fest im Griff. Marketer bezahlen Provisionen für User, die sie niemals sehen. Und die Betrüger rüsten weiter auf.

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Vor zehn Jahren sorgte ein Bild in der Marketingbranche für Aufsehen. Darauf war eine asiatische Frau zu sehen. Sie stand vor einem Brett auf dem rund 100 Smartphones montiert waren. Was wie ein Testlabor oder eine billig gemachte Auslage eines Handy-Händlers aussah, entpuppte sich als Betrugswerkstatt, eine “Fraud-Farm”. Die Frau war gerade damit beschäftigt, Apps auf den Smartphones zu installieren und gleich wieder zu löschen. Das Geschäftsmodell: Die Links, die auf die Installationsseiten der App-Stores führten, waren bezahlte Werbung. Und die Bezahlung wurde an harte Conversions geknüpft – ein Provisionsmodell für Installationen also. 

Fraud-Farms gibt es nach wie vor, aber die großen Betrugsnetzwerke arbeiten mit Bots

Aber das ist lange her. Der Markt für Installationswerbung hat sich professionalisiert. Zehn Milliarden US-Dollar gaben die Firmen allein im ersten Halbjahr 2019 dafür aus, dass ihren Apps Traffic zugeführt wurde. Und die Unternehmen wissen längst, dass eine einfache Installation nicht viel darüber sagt, ob eine App überhaupt benutzt wird. 

Aber dass sie das wissen, hilft ihnen offensichtlich wenig. Fast ein Viertel der Budgets, exakt 2,3 Milliarden US-Dollar, verbrennt die Marketing-Branche direkt. Das sind nicht Streuverluste wegen ungünstig gewählter Zielgruppen. Das sind auch nicht App-Löscher, die mit der Leistung der mobilen Anwendung unzufrieden sind. Die kommen zum Verlust hinzu. Die 2,3 Milliarden gehen an Betrüger, die so tun, als wären Apps installiert worden. Und weil sie wissen, dass die Abwehr- und Kontrollmethoden besser geworden sind, arbeiten sie heute eben auch subtiler als vor zehn Jahren. Sie bilden komplette User Journeys virtuell ab, und lassen Bots so mit Apps umgehen, wie es Menschen tun würden.

Finanzbranche am stärksten betroffen

Die Zahlen stammen vom Ad Fraud Report 2019, den der Analytics-Anbieter Appsflyer herausgegeben hat. Der Bericht stützt sich auf eine enorm große Datenbasis: 2,5 Milliarden Installationen über 9500 Apps wurden analysiert. Die Ergebnisse aus der Studie werden dann auf die gesamte Menge der Installationen hochgerechnet.

Freilich unterschieden sich die Betrugsquoten von Land zu Land. Deutschland geht es einigermaßen gut. Hier wird jede neunte Installation falsch gezählt und vergütet. Das liegt in einem Bereich, wo es ein reines Rechenexempel ist, ob man dagegen vorgeht, denn die Kosten für den Aufbau leistungsfähiger Abwehrmaßnahmen sind nicht gerade gering. Ungünstig läuft es für Unternehmen, die international agieren und ihre Apps dort promoten. In Brasilien ist schon jede vierte Installation gefälscht, in Indien jede dritte und in Indonesien mit 45 Prozent fast die Hälfte.

Deutschland rangiert am unteren Ende der Betrugsskala, was für qualitativ guten Traffic bei den Publishern spricht

Branchen, die dem einzelnen Kundenkontakt einen hohen Wert beimessen, bezahlen auch die höchsten Klickprovisionen. Und da ist es nicht verwunderlich, dass genau dort auch die meisten Betrugsfälle auftreten. Spitzenreiter ist die Finanzbranche. Im Juni 2019 waren sieben von zehn Installationen “unmenschlich”. In anderen, von der Studie als “Business” bezeichneten Geschäftsbereichen, wie zum Beispiel auch Versicherungen, lag die Juni-Quote bei 64 Prozent. Wie “marktgerecht” die Betrugsszene agiert, zeigt der Dritte im Bunde, die Reisebranche. War Anfang des Jahres nur rund ein Drittel der Installationen gefälscht, so schoss der Anteil auf 45 Prozent zu Beginn des Sommers. 

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Überraschend niedrig fällt dagegen das Betrugsniveau im Gaming-Bereich aus. Allerdings, so sagt die Studie, steigt auch hier der Anteil deutlich. Im hochwertigsten Segment, also eSports und Co., sind 15 Prozent der vermuteten Gegenspieler gar nicht da. Oder sie sind doch da und betrügen einfach im Spiel. Der InApp-Betrug wächst gerade bei Spielen sogar noch schneller als der Installationsbetrug. Im Schnitt ist er vom Volumen her dreimal so hoch.

Und davon ist auch E-Commerce betroffen. Auch hier zeigt die Studie, dass bis zu 40 Prozent von Onlinekäufen in Shopping-Apps erfolgreiche Betrugsversuche sind. Hier kann sich die europäische Händler-Szene allerdings entspannt zurücklehnen. Großbritannien ist mit 0,5 Prozent Spitzenreiter in Westeuropa. Die ganzen großen “Schurkenstaaten” befinden sich in der Golf-Region und in Ostasien.

Was kann man dagegen tun?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, denn die Betrugsmethoden werden immer perfider. Zunächst sind rund 16 Prozent aller Betrugsversuche auf keinen Fall in Echtzeit zu erkennen, so Appsflyer. Die Verhaltensmuster sind selbst von guten Abwehralgorithmen nicht mehr vom menschlichen Verhalten zu unterscheiden. Oftmals – so der Bericht – wird tatsächlich das Verhalten von Menschen aufgezeichnet und durch den Betrugs-Algorithmus nachgebildet.

Es gibt im Wesentlichen zwei Angriffsmethoden beim Installationsbetrug. In der klassischen Variante wird einem echten User eine Installation “untergeschoben”. Das geschieht gerne auf Websites mit illegalem Erotik- oder Sport-Content. Man nennt diese Variante Attributionsbetrug. Der User merkt davon in der Regel nichts.

Diese Methode wird von Abwehrlösungen inzwischen recht gut erkannt. Weshalb sich die Betrüger der “echten” Fake-Installation zuwenden und die ist ganz ähnlich, wie das Beispiel der asiatischen Frau am Anfang dieses Textes gezeigt hat. Nur bilden die Bots auch eine Woche nach Installation noch Verhalten in der App ab, um hierdurch die Abwehrroutinen auszutricksen. Rund 80 Prozent aller Betrugsversuche sind heute Fake-Installationen.

Der Fraud-Report gibt am Ende eine Handvoll Tipps:

  1. Nur extrem leistungsfähige Hardware und Software können in Echtzeit die Hunderte von Signalen auswerten, die es braucht, um Betrug zu erkennen. 
  2. Prüfen Sie die Zahlen der InApp-Käufe, oder Werbevergütungen. Der Anteil des InApp-Betrugs steigt.
  3. Besondere Vorsicht ist geboten in Branchen und Ländern, wo der Fraud-Anteil besonders hoch ist. Hier ist es extrem wichtig, seine Werbeschaltungen bei vertrauenswürdigen Partnern zu platzieren.
  4. Auch nach einer vermeintlich sauberen Installation kann der Betrug nachträglich noch gefunden werden. 16 Prozent der Betrugsversuche werden in Echtzeit nicht erkannt.
  5. Und natürlich empfiehlt Appsflyer, man möge sich für einen starken Partner bei der Fraud-Abwehr entscheiden.

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